Samstag, 27. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Teil III: Greenore 8 J. (40% Vol.)


Wie bereits schon einmal angeklungen ist, tut man sich in Irland generell schwer mit der Anschaffung eines halbwegs günstigen Rauschzustands. Die Spirituosenpreise im Einzelhandel sind, zumindest im Vergleich zu West- und Mitteleuropa, schon fast kriminell hoch und man sollte so etwa 30 Prozent Aufschlag gegenüber Deutschland einkalkulieren. Generell gesehen ist es - wenigstens was leichte Alkoholika wie Bier betrifft - schon beinahe günstiger, einen Pub aufzusuchen, als Getränke im Einzelhandel zu erstehen ... wobei es dort natürlich auch so etwas wie Sonderangebote oder Aktionen gibt, die hier nicht berücksichtigt werden können. Mit einem Preis von 3,50 bis 3,70 EUR für einen Pint Bier liegt man aber in der Regel nicht so schlecht, wenn man dies mit deutschen Kneipenpreisen vergleicht.

Spirituosen gibt es üblicherweise in Supermärkten wie SuperValu zu kaufen, allerdings kann dies von Gemeinde zu Gemeinde bzw. von Bezirk zu Bezirk variieren. Es gibt Orte, in denen in normalen Geschäften kein Alkohol (oder lediglich Bier) verkauft werden darf. Dort kann man in der Regel auf die so genannten Off-Licences (manchmal auch mit dem Begriff Off-Sales bezeichnet) zurückgreifen. Das System ähnelt den amerikanischen Liquor Stores oder auch dem schwedischen Systembolaget und bedeutet, dass in den entsprechenden Geschäften Spirituosen und andere alkoholische Getränke verkauft, jedoch nicht konsumiert werden dürfen. Hiervon unterscheidet sich die On-Licence: was dort verkauft wird, darf auch nur dort getrunken werden (also in der Regel eine Kneipe oder Gastwirtschaft). Manche Besitzer eines Pubs haben beide Lizenzen, dürfen also Alkoholika ausschenken und verkaufen. Der Off-Licence ist in solchen Fällen aber von den Gasträumen getrennt. In Nordirland wiederum gibt es nur wenige Off-Licences, da neue Verkaufslizenzen erst dann vergeben werden, wenn eine alte verfallen ist (z.B. durch Geschäftsaufgabe). Dafür findet man aber in vielen Supermärkten eine größere Auswahl (TESCO, ASDA, ...).

Warum das Trinken auf der Grünen Insel so teuer und kompliziert ist, habe ich nicht herausgefunden. Ich vermute, es ist ähnlich wie in Großbritannien und Skandinavien, wo man durch die Erhöhung der Spritpreise den Konsum begrenzen wollte ... was sehr gut geklappt hat, wie jeder weiß, der einmal einen Abend mit ein paar Schweden verbracht hat (Ironie aus).

Für den heutigen Test habe ich etwas Besonderes besorgt ... und das zu einem relativ humanen Preis. Allerdings musste ich dafür warten, bis ich im Travel Value am Dubliner Flughafen war. Die Flasche Greenore kostet da um die 28,- EUR, was nicht viel teurer ist als in Deutschland ... dennoch leider kein richtiges Schnäppchen, aber nun gut. Der Greenore ist deswegen so relativ rar, weil er einer der wenigen Single Grains ist, die in größerem Umfang verkauft werden (einen schottischen Single Grain, den Cameron Brig, habe ich hier schon einmal vorgestellt). Gebrannt wird der Tropfen in der Brennerei Cooley, nicht weit von der nordirischen Grenze. In der Nähe findet sich auch der Tiefwasserhafen Greenore, nach welchem der Whiskey benannt ist. Zur Zeit umfasst das aktiv beworbene Portfolio folgende Sorten: einen Sechsjährigen, der ursprünglich für den skandinavischen Markt aufgelegt wurde; den hier getesteten Achtjährigen, sowie jeweils eine Sorte mit 18 und mit 19 Jahren.


Art und Herkunft: Single Grain, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Der Greenore ist hellgelb in der Farbe, mit einem leichten Goldstich, relativ dünne Legs. In der Nase dominieren Kaffee und Haselnuss, in geringerem Maße finden sich auch Karamell und Toffee.

Geschmack: Das Kaffeearoma setzt sich auch hier fort und ist sehr intensiv auf der Zunge. Weiterhin kommen deutlich dunkle Schokolade sowie ein süßer Mittelteil mit Anklängen an Zimt.

Abgang: Kurz bis mittel, sanft, zum Schluss erscheint eine dezente Grain-Bitterkeit.

Fazit: Ein extrem angenehmer Schluck; für einen Grain Whiskey sehr ausdrucksstark. Kaufempfehlung!

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 3. November 2012.

Picture Credits: "Greenore": TAQ 


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