Samstag, 11. Juli 2015

Sommerbiere, Teil IV

Na ja, das Wetter in Deutschland ist ja im Moment nicht besonders sommerlich, wenn wir es mal mit letzter Woche vergleichen. Aber egal. Ohne weitere Einleitung setzen wir unsere 2015er Ausgabe der Sommerbiere fort:

Die Brauerei Bass hat ihren Namen von William Bass (ursprünglich aus Leicestershire), der sie im Jahre 1777 (also kurz nach der amerikanischen Revolution) gründete. Das Firmenlogo, ein rotes Dreieck, wurde das erste registrierte Markenzeichen im Vereinigten Königreich (1875) . Nachdem Bass während des 20. Jahrhunderts kräftig expandiert hatte, wurde sie selbst genau zur Jahrhundertwende von AB InBev (damals noch Interbrew) aufgekauft. Braubetrieb und Gastronomiesparte (Beteiligungen an Pubs) wurden voneinander getrennt. Aus kartellrechtlichen Gründen konnte AB InBev nur die Marke Bass behalten, andere Marken wie Worthington's oder Carling mussten weiterverkauft werden. Gebraut wird die Sorte Pale Ale (es gibt noch andere, diese ist jedoch die Älteste) mittlerweile dezentral an drei Standorten: in England, in den USA (Staat New York) sowie in Belgien. Lustigerweise kann man am Alkoholgehalt erkennen, wo der jeweilige Flascheninhalt hergestellt wurde: knapp unter 5 ABV bedeutet England, genau 5,0 bedeutet USA und 5,2 hat ein in Belgien gebrautes Bass. Da ich vorher noch nie ein Glas dieses sehr traditionsreichen Biers getrunken hatte, wollte ich mich erst einmal im Internet schlau machen und stellte fest, dass viele langjährige Bass-Trinker sehr unzufrieden zu sein scheinen über die Entwicklung der Marke seit Anfang des 21 Jahrhunderts. Viele schrieben, das Bier schmecke nicht mehr so kernig wie früher.

Im Gegensatz zum "industriellen" Bass haben wir es bei der Meantime Brewing Co. aus London mit einer echten Craft Beer-Brauerei zu tun. Sie wurde erst Anfang des Jahrhunderts von einigen Amerikanern, Briten und Niederländern gegründet und hat sich in der Nähe von Greenwich eine eigene Produktionsstätte aufgebaut. Mittlerweile wird eine recht große Anzahl von verschiedenen Sorten sowohl für das Fass als auch für die Flasche abgefüllt. Das Standardportfolio umfasst zur Zeit zehn Produkte, angefangen beim einfachen London Lager, über etwas abenteuerliche Sachen wie Raspberry Wheat Bier und Chocolate Porter bis hin zum heute besprochenen India Pale Ale. Meantime bezieht sich ausdrücklich auf die traditionell stark gehopften IPAs der Kolonialzeit und verwendet nach eigenen Angaben "massenhaft" englischen Hopfen (Golding und Fuggles). Das IPA ist - zusammen mit dem London Porter - das einzige Bier der Firma, welches auch im Großgebinde mit Champagnerkorken verkauft wird.



Bass Pale Ale (5,0% Vol.)

Art und Herkunft: Pale Ale, USA

Besonderheiten: Zusatz von Zucker und Invertzucker

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, kaum Schaumentwicklung. Ganz wenige Aromen, eventuell leicht malzig.

Geschmack: Malzig und süßlich. Im Mittelteil stellt sich deutliche Bitterkeit ein.

Abgang: Kurz, kaum wahrnehmbare Nachklänge.

Fazit/Tipp: Man sieht es schon an den Verkostungsnotizen: da fällt mir kaum etwas zu ein. Es schmeckt nicht schlecht, das ist aber auch schon alles. Ein Bier ohne Eigenschaften; war früher wirklich alles besser?


Meantime India Pale Ale (7,4% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, England

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldfarben und trübe. Wenig Schaum. Hopfig und zitronig. 

Geschmack: Eine sehr seltene Mischung aus "hopfig" und "malzig", die etwas abrupt wechselt. Zum Ende hin deutlicher Heidehonig (!), süß.

Abgang: Mittellang. Es dominieren eher die hopfig-trockenen Noten.

Fazit/Tipp: Ein wenig anstrengender als das durchschnittliche IPA und sehr viel kräftiger. Vom Geruch lässt sich überhaupt nicht auf den Geschmack schließen.

Gesamtfazit: Trotz allem - das Meantime ist für heute der klare Sieger, denn das Bass ist, kaum ausgetrunken, schon aus der Erinnerung verschwunden. Und das ist nicht gut bei einem Bier.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 18. Juni 2015.

- Euer Tomas Aquinas



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