Sonntag, 16. September 2018

Torpedo Extra IPA vs. Tropical Torpedo (Sierra Nevada Brewing Co.)

Wenn ich einen Traum äußern dürfte: Mit unserem eigenen Projekt Braugarten so weit kommen wie Ken Grossmann aus Chico in Kalifornien. Er hat in den 1970ern ganz bescheiden als Hausbrauer angefangen. Und wo steht er heute? Seine Sierra Nevada Brewing Company (SNBC) ist die siebtgrößte Brauerei der USA, stößt knapp anderthalb Millionen Hektoliter Bier pro Jahr aus und hat den lieben Ken mittlerweile zum Milliardär gemacht. Damit ist er natürlich eigentlich kein richtiger Craftbrauer mehr, allerdings bekundet er in Interviews konsequent, dass ihm diese bescheidenen Wurzeln seiner Firma wichtig sind, und dass er deshalb auf bestimmte Dinge verzichtet, die andere Großbrauereien als selbstverständlich erachten, z.B. auf aufdringliches Marketing.

Begonnen hat alles mit drei verschiedenen Sorten: einem Pale Ale, einem Stout und einem Porter; alle drei hat die SNBC auch heute noch im Programm. Insgesamt kann man von Sierra Nevada zurzeit dreizehn verschiedene Biere probieren, dazu kommt noch eine unterschiedliche Anzahl von saisonal verfügbaren Produkten (im Moment z.B. gerade ein Oktoberfestbier, das in Zusammenarbeit mit der Brauerei Weihenstephan entstanden ist). Was wir heute jedoch testen, sind zwei Klassiker der Torpedo-Reihe, benannt nach dem "Hopfentorpedo", einem Gerät zur Steuerung der Kalthopfung. Erwarten dürfen wir, nach Angaben der Firma, zwei sehr hopfige Biere mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: einmal eher würzig-fruchtig, das andere Mal eher fruchtig-fruchtig.




Torpedo Extra IPA (7,2% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA (Kalifornien).

Sonntag, 9. September 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIX: Grutte Pier

Grutte Pier (zu Deutsch: Großer Peter) hieß mit bürgerlichem Namen eigentlich Pier Gerlofs Donia und war ein furchtbar großer, starker und blutrünstiger Mann, der in relativ vielen Sprachen (ironischerweise aber nicht auf Friesisch) einen eigenen Wikipedia-Artikel hat. Die Not und die Rache machten ihn zum Seeräuber und Freiheitskämpfer gegen Sachsen und Holland - so weit, so romantisch. Er ist in Niederländisch-Friesland - und darum ist es ironisch, dass die friesische Wikipedia über ihn schweigt - immer noch ein beliebter Volksheld, eine Sagenfigur und ein Symbol für das traditionell starke nationale Selbstbewusstsein der Friesen.

Was also liegt für eine friesische Brauerei näher, als sich nach ihm zu benennen? Na, nicht viel, offensichtlich. Sehr alt ist sie noch nicht, gerade erst einmal drei Jahre ist es her, dass Frans Filius und Renze Bil sie in Leeuwarden eröffnet haben. Direkt nach der Gründung gab es bereits Preise, unter anderem bei den World Beer Awards für das beste Tripel aus den Niederlanden (welches wir heute auch in der Verkostung haben). Die Anlagen in Leeuwarden reichen eigentlich nur für das Experimentieren und für kleine Chargen aus, darum wurden zu Anfang die Braukessel der Mietbrauerei Admiraal verwendet. Heute wird ein Großteil der Produktion von Baxbier in Groningen übernommen.

Die drei an dieser Stelle verkosteten Biere von Grutte Pier gehören zu deren Standardsortiment; hinzu kommen noch "Specials" und saisonale Angebote, z.B. ein Bockbier. Mit der Erhältlichkeit im Einzelhandel ist es so eine Sache: wir haben es hier immer noch mit einer sehr stark regional agierenden Marke zu tun. Außerhalb der Niederlande gibt es - von zwei Ausnahmen in Belgien abgesehen - noch überhaupt keine Vertriebspartner.


Grutte Pier Blond (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Friesland/Groningen).

Besonderheiten: Mit Gerstenmalz, Weizenmalz und Haferflocken. Zusatz von Koriander. Verwendete Hopfensorten: Cascade und Saazer.

Sonntag, 2. September 2018

Samuel Smith's India Ale (5,0% Vol.)

Ist auch schon wieder fast zwei Jahre her, dass wir Biere von Samuel Smith's aus Tadcaster (Yorkshire) hier im Blog haben. Damals besprach ich - untypisch für mich - ein paar Stouts; heute bleibe ich näher an vertrauten Gefilden, mit einem (hoffentlich) knackigen und hopfigen IPA.

Die Brauerei ist eine der wenigen verbleibenden, die bei der Fermentation noch auf das System der Yorkshire Squares setzt: Hierbei handelt es sich um eine zweistufige Anordnung, bei der die gekühlte Würze in ein relativ flaches, meistens rechteckiges Becken gegeben wird, welches obendrauf noch eine weitere niedrigere Kammer sitzen hat. Die Würze verbleibt während der Gärung im unteren Becken, während der hefehaltige Gärschaum in die obere Kammer steigt. Eine ständige Umwälzung sorgt dafür, dass die Hefe jedoch weiterhin ihre Arbeit tun kann. Ist die Fermentation beendet, lässt man die Würze erneut ruhen, die Hefe setzt sich auf dem Oberdeck ab, und wenn das untere Becken in die Fässer entleert wird, läuft (so gut wie) keine Hefe mit hinein. Smith's benutzen immer noch traditionelle Squares aus Stein (genauer gesagt: Schiefer) für all ihre Biere (mit zwei Ausnahmen).

Art und Herkunft: IPA, England (Yorkshire).