Donnerstag, 10. November 2011

Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar

Vor einiger Zeit habe ich den jüngeren Bruder dieses Rums verkostet und war durchaus angetan von dessen Gesamteindruck. Allerdings muss ich zugeben, dass es wohl ein taktischer Fehler war, damals bereits so ziemlich alles aufzuschreiben, was es über das Haus Brugal zu sagen gibt. Auf jeden Fall erreichte mich die Flasche Extra Viejo Gran Reserva Familiar (im Folgenden nur noch EVGRF genannt) auf dem Geschenkwege von meiner lieben Schwester in der Freien und Hansestadt. 

Gekauft hat sie ihn beim Getränke-Paradies Wolf an der Schanzenstraße und fühlte sich gut beraten, was ich hiermit lobend hervorhebe. Brugal hat eine etwas merkwürdige Produktpolitik: Wenn man die deutsche Vertriebsseite mit der dominikanischen Heimatseite vergleiche, dann fällt mir immer wieder sehr stark auf, dass die Sortimente erheblich voneinander abweichen. Kommunikationsprobleme oder Resultat verschiedener Vertriebswege (Generalimporteur vs Import aus Drittländern vs Travel Value)? Keine Ahnung. Die offizielle Homepage kennt keinen EVGRF; nur den Extra Viejo Reserva, bei dem nicht nur ein paar Worte sondern auch ein paar Jährchen fehlen. Er reift nämlich nur etwa drei bis acht Jahre, der EVGRF laut Importeur acht bis 12 Jahre. Allerdings ist dieser sich selbst nicht ganz sicher, etwas weiter oben steht beim selben Artikel ebenfalls "drei bis acht" Jahre. Wurde der Extra Viejo Reserva zugunsten des EVGRF aus dem Verkehr gezogen und es sind nicht alle Texte richtig geändert worden? Oder ist man beim Importeur genau so verwirrt wie ich von der Namens- und Produktvielfalt? 



Gehen wir mal davon aus, dass der hier besprochene Rum seine acht bis 12 Jahre gereift ist, und zwar, wie man am Aroma unschwer erkennt, wahrscheinlich in Eichenfässern. Außer der Holznote dominieren noch Gerüche von Kakao, eventuell von Nüssen (Mandeln?). Im Geschmack ist er sehr weich, ein wenig wässrig, mit einem süßen Kern, Holz, Kakao. Sehr wenig Gewürze, mild. Der Abgang ist nicht allzu lang, aber angenehm trocken. Ein sehr süffiger Rum, der sich ganz ausgezeichnet zum Purverzehr eignet. In der Milde kann er sich fast mit dem 15 Jahre alten Pusser's Nelson's Blood messen, allerdings ist er nicht ganz so ausdrucksstark und vollmundig wie dieser. Mag auch daran liegen, dass er "nur" 38% Vol hat; vielleicht fehlen ihm die letzten zwei Umdrehungen ein bisschen. Mit einem Preis von ca. 22,- jedoch auch auffallend günstig für seine Klasse. Mischen possible. Ein sehr schönes Produkt, wegen des guten Preises auch gut geeignet für Anfänger.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 15. November 2011. Das Thema muss ich mir noch überlegen.

Picture Credits: "Brugal EVGRF": KRT

Samstag, 5. November 2011

Bacardi Oakheart

Als Plattfuss und ich neulich auf dem Weg in die Niederlande waren, um unsere Vorräte aufzustocken, sprachen wir auch über die Firma Bacardi. Wir konnten uns beide noch gut daran erinnern, dass "Bacardi" vor gar nicht allzu langer Zeit, zumindest in Deutschland, synonym mit "Rum" war. Leider bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen, meinen Artikel über die Trinkkultur der 80er zu schreiben, aber Bacardi müsste definitiv in den Erinnerungen an den Beginn meiner Liebesbeziehung mit dem Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Natürlich verlangte man damals an der Theke einen "Bacardi-Cola", was auch sonst? An andere Rum-Marken kann ich mich praktisch bis in die 90er gar nicht erinnern, es sei denn man zählt heimische Erzeugnisse wie Pott, Hansen, usw. dazu. In unserer Diskussion dachte ich an einen sehr lesenswerten Artikel auf drinkblog.de, der auf die Veränderungen im Image bei Bacardi einging. Ohne den Artikel hier wiederzugeben sei hier nur der Gedanke erwähnt, dass nicht nur die Konkurrenz von anderen Produkten wie Havana Club oder Varadero der Marke Bacardi schwer zu schaffen gemacht hat, sondern auch teilweise völlig verfehlte Marketingstrategien, die das Produktimage von "hochwertige Zutat für Cocktails" zu "Massenprodukt" änderten. In sehr kurzer Zeit wurden immer neue Produkte gehypt, so unter anderem der - für mich - unsägliche Bacardi Razz

Ich muss bekennen, dass ich, seit mir die große weite Welt des Rums offensteht, kein besonders großer Fan des Hauses bin ... zu durchschnittlich im Geschmack, viel zu unübersichtlich im Sortiment (hier eine ausführliche Zusammenstellung auf Wikipedia). Mehr gewollt als gekonnt, das ist so meine Einstellung gegenüber den Rums von Bacardi. Wobei die Firma natürlich auch nichts dafür kann, dass nun seit einiger Zeit der kubanische Rum (ohne Grund) als das Nonplusultra gilt. Vor ein paar Jahren begann dann ebenfalls die Wiederentdeckung des Gewürzrums, mit heute so exponierten Anbietern wie Captain Morgan und Sailor Jerry. Bacardi hat diese Entwicklung nicht verschlafen - denn seit Anfang des 21. Jahrhunderts hatte man den Bacardi Spiced im Portfolio - aber auch nicht mitbestimmt (denn wo hat man dieses Produkt jemals gesehen). Seit man nun mit dem Seven Tiki einen Gewürzrum im Premiumsegment anbietet (in Deutschland meines Wissens noch nicht erhältlich), hat sich anscheinend die Marketingabteilung entschlossen, den Bacardi Spiced einzustellen und stattdessen den Bacardi Oakheart zu lancieren. Anscheinend handelt es sich technisch gesehen um einen Blend von Bacardi Gold und Bacardi Superior, zusammen mit einer Gewürzinfusion, in Eichenholzfässern gelagert. Das Pressematerial jubelt: 
Entwickelt von den Bacardi Masterblendern, hat sich BACARDI Oakheart bereits in zahlreichen Pre-Tests bewährt. Neben Geschmack und Namen überzeugte dabei auch das Flaschendesign als echter Blickfang im Spirituosen-Regal: maskulin, lebendig, mit einer leichten Wellenstruktur, die der Flasche ein dynamisches und gleichzeitig robustes Aussehen verleiht. Der würzig vanillige BACARDI OakHeart ist eine Hommage an die Abenteurer von heute – junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die füreinander einstehen und gemeinsam etwas erleben wollen. Diese Haltung spiegelt sich in Design, Geschmack und Namen wider. 
Na schade, dass schon ein Anderer auf die Masche mit den Piraten gekommen ist ... sowas von schade aber auch. Mal davon abgesehen, dass auch die leichte Wellenstruktur nicht ganz neu ist (wie man in meinem Review des Captain Morgan Private Stock lesen kann). Aber was soll's. 



Greifen wir uns mal lieber die dynamische und robuste Flasche und schauen wir, was drin ist. Mein Testexemplar wurde neulich bei Netto um 9,99 verramscht, der reguläre EVP liegt wohl so bei 12,99. Das Getränk hat nur 35% Vol, darf also nicht als "Rum" verkauft werden, sondern nur als "Spirituose auf Rumbasis". In der Farbe ist der Oakheart schön dunkelgolden (Farbabstimmung mit Zuckerkulör). Aromatisch ähnlich anderen Gewürzrums, süß, Gummibärchen, Holz, getrocknete Aprikosen. Auf der Zunge dann überraschend mild, Holz, kaum rauchig, leicht trocken und mit einem süßen Kern. Die im Pressetext angekündigten Noten von Ahorn und Honig schmecke ich nicht, leicht herb ist er aber. Im Abgang kurz, trocken. 

In den englischsprachigen Ländern wirbt das in den Bars ausgelegte Ansichtsmaterial mit "Oak and Coke", der Rum soll also sozusagen von Natur aus mit Coca-Cola genossen werden (simples Co-Branding, aber gleichzeitig vielleicht auch ein Versuch, an alte "Bacardi-Cola"-Zeiten anzuknüpfen); ich glaube der Slogan in Deutschland ist nicht ganz so catchy, um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben. Tun wir der PR-Abteilung also den Gefallen und versuchen wir ihn mit Coke. Ist auch besser so, denn nach etwa 10 Minuten des Ventilierens bricht der Oakheart in punkto Aroma und Geschmack in sich zusammen: dominantes Ethanol, sehr spritig. In der Nase habe ich mit Cola jetzt eher so etwas wie Ahorn oder Honig, im Geschmack auch etwas mehr Honig, aber auch noch viel Holz, trocken. Fazit: Der Bacardi Oakheart haut mich nicht vom Hocker, ist aber für den avisierten Endpreis von um die 12,- EUR in Ordnung. Pur nur schnell zu verzehren, nach etwa zehn Minuten an der Luft ziemlich ekelhaft. Mit Cola als Longdrink okay, keine unangenehmen Überraschungen.

Am 10. November 2011 erscheint der nächste planmäßige Beitrag. Dann teste ich den Brugal Extra Viejo Gran Reserva Familiar (muss gut sein bei so einem langen Namen).

Picture Credits: "Bacardi Oakheart": KRT


Donnerstag, 3. November 2011

Meine To Drink-Liste: Update November 2011

Diese kleine schnuckelige Liste habe ich fast gleichzeitig mit diesem Blog begonnen. Sie erinnert mich immer daran, wie viel noch zu tun ist. Die einzelnen Produkte sind weder nach Art, Name oder Preis geordnet, sondern erscheinen so, wie sie mir eingefallen sind. Schöne Nebenwirkung: wer noch was für Geburtstag, Weihnachten oder Tomas Aquinas Appreciation Day sucht, wird sicher hier fündig ...

- Auchentoshan Three Wood (Single Malt)
- Girvan (Single Grain)
- Seven Tiki Fijian Rum (gehört jetzt anscheinend mit zu Bacardi)
- Glendronach 25 (Single Malt)
- Green Island Spiced (Rum)
- Ginger Tam's (Whiskylikör)
- Jack Daniel's Single Barrel (Tennessee Whisky)
- Springbank 100 (Single Malt)
- Bowmore Enigma 12 yo (Single Malt)
- Jura Superstition (Single Malt)
- Port Ellen (Single Malt)
- Balblair 16 yo (Single Malt)
- Plymouth Gin
- Lamb's Navy Rum
- Dalmore 15 yo (Single Malt)
- Loch Lomond 21 yo Black Label (Single Malt)
- Aberlour 12 yo (Single Malt)
- anCnoc (Single Malt)
- Grey Goose (Wodka)
- Bombay Dry Gin (der trockene Bruder des Sapphire)
- Smokehead (Single Malt)
- Caorunn (Gin)
- Belmont Estate Coconut (Rum)
- Bulleit Bourbon Frontier Whiskey
- Mlechnij Put Vodka
- Pussers British Navy Overproof 75% (Rum)
- Chambord Liqueur Royale de France
- Rodnik's Absinthe Strong 85%
- Haymans Gin Liqueur
- Elements Eight Spiced Rum, St Lucia
- Jim Beam Ri One (Rye Whiskey)
- Auchroisk 10 yo (Single Malt)
- Aultmore 12 yo (Single Malt)
- Longmorn 15 yo
- Mannochmore South Africa Sherry Cask (Single Malt)
- Tamdhu 18 yo (Single Malt)
- Amrut (Single Malt)
- Tomatin 12 yo (Single Malt)
- Blair Athol 12 yo (Single Malt)
- Green Spot (Irish Blend)
- Suntory Hakushu 12 yo (Single Malt)
- Karuizawa 12 yo (Single Malt)
- Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon
- Elijah Craig (Bourbon)
- Jim Beam Choice "Green Label" (Bourbon)
- Jim Beam Double Aged "Black Label" (Bourbon)
- George Dickel No. 8 (Tennessee Whiskey)
- George Dickel No. 12 (Tennessee Whiskey) 
- Captain Morgan Tattoo (Rum)
- Captain Morgan 100 Proof (Rum)
- Wood's Navy Rum
- Four Bells Navy Rum
- Crown Royal (Canadian Whisky)
- Horst Lünings Spezialliste:
  1. Macallan 12 yo Sherry Cask
  2. Glenlivet 18 yo
  3. Glenfarclas 25 yo
  4. Aberlour 18 yo
  5. Macallan 18 yo Fine Oak
  6. Balvenie 21 yo Port Wood
  7. Highland 25 yo 
  8. Strathisla 30 yo
  9. Talisker Destiller's Edition
  10. Lagavulin Destiller's Edition
  11. Ardbeg Uigeaidail
  12. Glenmorangie Signet
  13. Dalmore King Alexander III
- Horst Lünings Essentials:
  1. Glenfiddich 12 yo
  2. Lagavulin 16 yo
  3. Macallan 12 yo
  4. Strathisla 25 yo


...und mir fallen bestimmt noch welche ein...

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 5. November 2011. Dann mit der Verkostung des relativ neuen Bacardi Oakheart.