"Warum kann ich keine Kommentare posten?" - "Warum kann man bei Dir/Euch nicht kommentieren?" - "Warum können nur registrierte Nutzer kommentieren?" ... Und so weiter. Und so fort. Irgendwie nervig, diese dauernden Fragen. Darum noch mal zum Mitschreiben: Man kann kommentieren. Aber nur als registrierter Nutzer. Warum? Weil ich ehrlich gesagt die große, graue, gesichtslose Masse da draußen gar nicht sooooo furchtbar lieb habe und lieber ein paar Schranken einziehe, die dafür sorgen, dass die Kommentarbox nicht anonym mit Posts wie "geil, Alter" oder "stimmt ja gar nicht, Angel d'Or schmeckt voll super" zugemüllt wird. Dass jedes noch so banale Gewäsch Gehör finden muss, ist ohnehin eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts, die - philosophisch gesehen - so bald wie möglich beerdigt gehört. Wer also wirklich etwas zu sagen hat, der wird sich sicher gerne registrieren - oder zumindest eine mail schreiben, die ich dann gerne hier poste - falls ich sie relevant finde, natürlich. Klingt arrogant? Ist auch so.
Donnerstag, 30. Juni 2011
Sonntag, 26. Juni 2011
Both's Old Tom Gin
Es heißt, dass vor vielen, vielen Jahren - so ungefähr zu der Zeit, als ein gewisser Jack in Whitehall sein Unwesen trieb - der Aufstieg des Gins zum Volksgetränk in England seinen Höhepunkt erlebte. So ziemlich jeder Gastwirt, der etwas auf sich hielt, betrieb damals eine eigene Destille und verkaufte den daraus gewonnenen Schnaps in seinem Geschäft., dass er von einer einst traurigen Bierkneipe in einen funkelnden "Gin-Palast" verwandelt hatte So kam es, dass Gin damals billiger war als Bier, und es hieß "trink dich blind für einen Penny und trink dich tot für zwei." Dies war übrigens mit die Ursache dafür, dass man in Großbritannien rigide Sperrstunden einführte; denn die Arbeiter des glorreichen neuen Industriellen Zeitalters kamen morgens noch mit einem derartigen Alkoholpegel in die Fabriken, dass die fatalen Bedienungsfehler und schweren Unfälle rapide zunahmen.
Der Gin-Boom hatte schon gut 100 Jahre vorher begonnen, mit unterschiedlichsten Wacholder- oder Schlehenbränden verschiedener Güte. Natürlich hatte das Proletariergesöff von damals, aus weiß Gott welchen Ingredienzien abgezogen, wenig mit dem heute käuflich zu erwerbenden Gin gemeinsam, außer, dass er zumindest theoretisch ebenfalls auf der Wacholderbeere basierte. Heute sind die gängigen Sorten beschränkt auf den London Dry (z.B. Gordon's, Beefeater), mit einem trockenen, relativ neutralen Geschmack - inklusive einiger davon abgeleiteter Sorten, in denen die Infusion mit "Botanicals" geschmacklich stärker zur Geltung kommt (Hendrick's, Bombay Sapphire) - sowie des Plymouth Gin. Damals jedoch, als der Sprit aus minderwertigen Zutaten (vielleicht Kartoffeln, Lumpen, Hundekadaver?) bestand, musste man irgendetwas finden, um die Sache zumindest ein wenig trinkbar zu machen und kam auf die Idee, das fertige Produkt mit allerlei Aromastoffen zu strecken, vom Pfeffer über Zimt und Pfefferminze bis hin zum Zucker. In den 1880ern war die allgemeine Qualität des Getränks zwar deutlich besser geworden, trotzdem hielt sich neben dem schon erwähnten London Gin auch eine gesüßte Variante. Diese nannte man "Old Tom", was so viel heißt wie "alter Kater".
Die Sage meint, der Name käme aus den so genannten Gin Lanes, übel beleumundeten Gässchen, in denen sich Ginkneipe an Ginkneipe drängte. Um den Kunden die lästigen Wege zu ersparen (und wahrscheinlich um die Abnutzung des Mobiliars zu reduzieren), sollen die Gastwirte - so heißt es - kleine Figuren von Katzen (Katern?) an den Kneipenwänden angebracht haben, verbunden mit dem Innneren der Spelunke durch eine sinnreiche Konstruktion von Röhren. Der Kunde warf nun seinen Obolus in die Katzenfigur und der Wirt schickte auf dem selben Wege einen Schuss Gin direkt durch die Katze in den Mund des Kunden.
Egal ob man den alten Londonern diese technische Meisterleistung zutraut oder nicht - bis jetzt hat Großbritannien ja noch nicht einmal ein funktionierendes Automobil hervorgebracht - Tatsache ist, dass die Gin Lanes eines Tages verschwanden bzw. geschlossen wurden. Auch der Proletarier konnte sich endlich höherwertigen Stoff besorgen ... so kam dann irgendwann das Ende des Old Tom.
In den letzten Jahren haben sich ein paar Ginproduzenten daran versucht, die Idee eines gesüßten bzw. aromatisierten Gins (diesmal natürlich in guter Qualität und mit nicht per se gesundheitsschädlichen Zutaten) neu zu beleben. Aktuell sind zwei Marken in Sachen Old Tom besonders präsent: Hayman's und Both's.
Beide werden übrigens in Deutschland von der selben Firma vertrieben, nämlich der Haromex GmbH, wobei der Both's auch aus Deutschland stammt. Das Etikett und die Aufmachung sind aber den klassischen Old Toms durchaus nachempfunden. Das oben abgebildete Etikett ist übrigens anscheinend aus Filz oder einem ähnlichen Material gefertigt (smoooooth...), die Flasche ist, wie das Label, etwas auf "alt" getrimmt.
Geschmacklich ist der Old Tom tatsächlich sehr individuell, das "trockene" Gefühl eines normalen Gins fehlt ihm fast völlig. Die erste Nase ist süß, scharf, mit einer Anmutung von Anis und Zitrus. Am Gaumen dann Anis, Lavendel, Veilchen - ein sehr "blumiger" Gin. Im Abgang dann viel Süße, aber auch Schärfe.
Pur finde ich ihn noch etwas scharf, er gewinnt jedoch etwas Weichheit, wenn man ihn ein wenig atmen lässt. Für die Herstellung eines Gin Tonic ist er mir persönlich zu schade, da er in Verbindung mit dem Tonicwasser viel von seiner Einzigartigkeit einbüßt. Ich empfehle ihn in einem klassischen Tom Collins, den ich wie folgt zubereite:
Man nehme 4 cl Both's Old Tom Gin, 2 cl Barsirup (Zuckersirup), 1-2 cl Zitronensaft. Mit drei bis vier Eiswürfeln in ein Collinsglas geben. Verrühren. Mit Sodawasser (Tafelwasser) auffüllen. Viele Rezepte nehmen höhere Anteile Zitronensaft (bis zu 4 cl, dafür meist aber auch 6 cl Gin). Dies ist mir für den Old Tom zu viel, da ich die Süße und Blumigkeit beibehalten möchte.
Schön, dass Gintrinker seit einiger Zeit eine weitere Alternative haben. Der Gin eignet sich hervorragend für die Herstellung individueller Cocktails und Longdrinks. Zum Literpreis von ca. 41 EUR aber auch ein schon etwas exklusiveres Vergnügen.
Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 1. Juli 2011. Dann mit einem Bericht von der Brauerei "Het Anker" im flämischen Mechelen
Picture Credits: "Both's Etikett": Hanomex GmbH
Der Gin-Boom hatte schon gut 100 Jahre vorher begonnen, mit unterschiedlichsten Wacholder- oder Schlehenbränden verschiedener Güte. Natürlich hatte das Proletariergesöff von damals, aus weiß Gott welchen Ingredienzien abgezogen, wenig mit dem heute käuflich zu erwerbenden Gin gemeinsam, außer, dass er zumindest theoretisch ebenfalls auf der Wacholderbeere basierte. Heute sind die gängigen Sorten beschränkt auf den London Dry (z.B. Gordon's, Beefeater), mit einem trockenen, relativ neutralen Geschmack - inklusive einiger davon abgeleiteter Sorten, in denen die Infusion mit "Botanicals" geschmacklich stärker zur Geltung kommt (Hendrick's, Bombay Sapphire) - sowie des Plymouth Gin. Damals jedoch, als der Sprit aus minderwertigen Zutaten (vielleicht Kartoffeln, Lumpen, Hundekadaver?) bestand, musste man irgendetwas finden, um die Sache zumindest ein wenig trinkbar zu machen und kam auf die Idee, das fertige Produkt mit allerlei Aromastoffen zu strecken, vom Pfeffer über Zimt und Pfefferminze bis hin zum Zucker. In den 1880ern war die allgemeine Qualität des Getränks zwar deutlich besser geworden, trotzdem hielt sich neben dem schon erwähnten London Gin auch eine gesüßte Variante. Diese nannte man "Old Tom", was so viel heißt wie "alter Kater".
Die Sage meint, der Name käme aus den so genannten Gin Lanes, übel beleumundeten Gässchen, in denen sich Ginkneipe an Ginkneipe drängte. Um den Kunden die lästigen Wege zu ersparen (und wahrscheinlich um die Abnutzung des Mobiliars zu reduzieren), sollen die Gastwirte - so heißt es - kleine Figuren von Katzen (Katern?) an den Kneipenwänden angebracht haben, verbunden mit dem Innneren der Spelunke durch eine sinnreiche Konstruktion von Röhren. Der Kunde warf nun seinen Obolus in die Katzenfigur und der Wirt schickte auf dem selben Wege einen Schuss Gin direkt durch die Katze in den Mund des Kunden.
Egal ob man den alten Londonern diese technische Meisterleistung zutraut oder nicht - bis jetzt hat Großbritannien ja noch nicht einmal ein funktionierendes Automobil hervorgebracht - Tatsache ist, dass die Gin Lanes eines Tages verschwanden bzw. geschlossen wurden. Auch der Proletarier konnte sich endlich höherwertigen Stoff besorgen ... so kam dann irgendwann das Ende des Old Tom.
In den letzten Jahren haben sich ein paar Ginproduzenten daran versucht, die Idee eines gesüßten bzw. aromatisierten Gins (diesmal natürlich in guter Qualität und mit nicht per se gesundheitsschädlichen Zutaten) neu zu beleben. Aktuell sind zwei Marken in Sachen Old Tom besonders präsent: Hayman's und Both's.
Beide werden übrigens in Deutschland von der selben Firma vertrieben, nämlich der Haromex GmbH, wobei der Both's auch aus Deutschland stammt. Das Etikett und die Aufmachung sind aber den klassischen Old Toms durchaus nachempfunden. Das oben abgebildete Etikett ist übrigens anscheinend aus Filz oder einem ähnlichen Material gefertigt (smoooooth...), die Flasche ist, wie das Label, etwas auf "alt" getrimmt.
Geschmacklich ist der Old Tom tatsächlich sehr individuell, das "trockene" Gefühl eines normalen Gins fehlt ihm fast völlig. Die erste Nase ist süß, scharf, mit einer Anmutung von Anis und Zitrus. Am Gaumen dann Anis, Lavendel, Veilchen - ein sehr "blumiger" Gin. Im Abgang dann viel Süße, aber auch Schärfe.
Pur finde ich ihn noch etwas scharf, er gewinnt jedoch etwas Weichheit, wenn man ihn ein wenig atmen lässt. Für die Herstellung eines Gin Tonic ist er mir persönlich zu schade, da er in Verbindung mit dem Tonicwasser viel von seiner Einzigartigkeit einbüßt. Ich empfehle ihn in einem klassischen Tom Collins, den ich wie folgt zubereite:
Man nehme 4 cl Both's Old Tom Gin, 2 cl Barsirup (Zuckersirup), 1-2 cl Zitronensaft. Mit drei bis vier Eiswürfeln in ein Collinsglas geben. Verrühren. Mit Sodawasser (Tafelwasser) auffüllen. Viele Rezepte nehmen höhere Anteile Zitronensaft (bis zu 4 cl, dafür meist aber auch 6 cl Gin). Dies ist mir für den Old Tom zu viel, da ich die Süße und Blumigkeit beibehalten möchte.
Schön, dass Gintrinker seit einiger Zeit eine weitere Alternative haben. Der Gin eignet sich hervorragend für die Herstellung individueller Cocktails und Longdrinks. Zum Literpreis von ca. 41 EUR aber auch ein schon etwas exklusiveres Vergnügen.
Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 1. Juli 2011. Dann mit einem Bericht von der Brauerei "Het Anker" im flämischen Mechelen
Picture Credits: "Both's Etikett": Hanomex GmbH
Dienstag, 21. Juni 2011
La Mariba Pure (3 yo) / Büchter Rum-Verschnitt
Die Suche nach dem La Mariba Pure im Internet ist wie die Suche nach einem Unbekannten: Keiner kennt ihn, keiner hat ihn gesehen. No se, Senor. Treffer bei Google beziehen sich (Stand Anfang Juni 2011) ausschließlich auf den weißen Rum der selben Marke. Es gibt auch keine erkennbaren Hinweise für "La Mariba Anejo", "La Mariba Braun" bzw. "La Mariba Gold". Trotzdem fand ich den Pure im örtlichen Kaufland, wo er zum Preis von EUR 9,99 angeboten wurde. Dem Anschein nach handelt es sich um einen "goldenen" bzw. "sandfarbenen" Rum aus Nicaragua. Importiert wird er von der Felix Rauter GmbH in Essen. Diese vertreibt unter anderem auch Branchengrößen wie den Absinth Tabu sowie Tanqueray Gin. Nur zum La Mariba Pure findet sich keine Silbe auf der Website. Lediglich ein La Mariba Oro ist dort erwähnt, jedoch ist der Link dorthin tot. Misterioso. Gab es hier eine Umetikettierung? Ist der Pure neu am Markt?
Da sich auch keine nicaraguanische Website zum Rum findet, gehe ich davon aus, dass es sich hier um eine Handelsmarke der Rauter GmbH handelt, mit einem anonymen Import aus Nicaragua. Der Werbetext verspricht, dass dieses Produkt drei Jahre in Eichenfässern gelagert wurde, wodurch es "sein leicht sandfarbenes Aussehen" erhält, "gepaart mit einem reichen Aroma und weichem Geschmack." Der La Mariba hat eine Trinkstärke von 37,5 Vol. und darf daher gerade noch so eben als Rum firmieren.
Schauen wir also mal, wie er sich im Test so macht ... vielleicht ist er ja was für die Nicaragua-Solidaritätsgruppe. Die Nase ist recht angenehm, wenn auch banal: Barsirup, Zuckerrohr, Zitrus. Der Geschmack jedoch ist ein weiterer Beweis für das Scheitern des sozialistischen Experiments: sehr flepp, nichtssagend, fast wie billiger Tequila oder Cachaca, eine Anmutung von Korn. Im Abgang harsch, Ethanol. Als Mixer definitiv nicht besser. Im Endeffekt ein etwas eingefärbter "weißer" Rum. Und den hasse ich. Meine Testgenossen behaupteten zu fortgeschrittener Stunde, der Rum mache "harthörig". Ich lasse das hier einfach mal so stehen. Vielen Dank für Eure revolutionäre Krtik, Genossen - so sagte man wohl einst im Marxismus-Seminar.
Außerdem getestet: Büchter Rum-Verschnitt. Eigentlich Teil unseres streng geheimen "Was Wermutbrüder trinken"- Projekts ... aber wir mussten einfach einen Kontrapunkt zur Öde des La Mariba finden. Anbieter des handlichen Flachmanns (0,2 l, 38 Vol.) ist die Kornbrennerei Wilhelm Büchter in Castrop-Rauxel (mein alter Lateinlehrer flachste immer, Castrop-Rauxel sei der lateinische Name von Wanne-Eickel). Gebrannt wird alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist bzw. sich in der Nähe einer Supermarktkasse oder in einem Tankstellenshop unterbringen lässt: Wodka Feige, "Finest" Scotch Whisky, Wodka ohne alles, Rum-Verschnitt, letzterer in verschiedenen Trinkstärken. Rum-Verschnitt, recte Flensburger Rum-Verschnitt ist laut Wikipedia eine
Mischung aus Rum, Wasser und Neutralalkohol, die min. 5 % Original-Rum enthält. Alkoholgehalt min. 37,5 % (Angewendet von Flensburger Rumhäusern wie Pott, Balle, Hansen, Asmussen da im 18. Jahrhundert ein hoher Einfuhrzoll auf Spirituosen erhoben wurde – bis heute bei deutschen Rumhäusern gang und gäbe)
Nun denn, also. In der Nase ist Büchters Verschnitt in der Tat sehr aromatisch, so wie man sich einen Rum vorstellt: Melasse, Pflaumen, Trockenobst. Pur in Geschmack und Abgang jedoch sehr scharf, es treibt einem fast die Tränen in die Augen. Als Longdrink mit Cola entfaltet er eine spezielle Gabe: Er lässt die Cola nach Cola Light schmecken! I shit you not - er entwickelt im Mixgetränk einen sehr, sehr unangenehmen Nachbrenner, der an Aspartam erinnert
Zwei Fehlgriffe an einem Abend - damit wollten wir es auch bewenden lassen. Kaufempfehlung für keinen. Wenn ich jedoch unbedingt schnell betrunken werden MÜSSTE, würde ich noch eher zum Büchter-Verschnitt greifen als zum blassen Gespenst aus Mittelamerika.
Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 26. Juni 2011. Dann mit einer Verkostung des Both's Old Tom Gin.
Picture Credits: "La Mariba Pure": IB
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