Sonntag, 17. März 2019

Bierwochenende in Leiden, Teil I: Mut zu(m) Leiden

Auf unserem letzten Bierfest waren wir von blog blong dring vor zwei Jahren (Antwerpen). In der Saison 2018 ist die obligatorische Tour zugunsten unseres redaktionellen Urlaubs ausgefallen. Aber nun war es wieder soweit: Plattfuss und ich hatten diesmal die Ehre, während Tomas sich zu Hause von seinem Jahresurlaub "erholte". Nachdem wir in den letzten zehn Jahren immer auf belgischen Bierfesten waren, dachten wir uns, wir sollten einmal etwas in den Niederlanden machen, und das Bierfest in Leiden (das offiziell Leven in de Brouwerij oder einfach LIB heißt) passte uns auch vom Termin her sehr gut.

Das LIB ist noch gar nicht so alt: im März 2017 fand es zum ersten Mal statt. Gewidmet ist es den Craftbrauereien, von denen die meisten, aber bei weitem nicht alle, aus den Niederlanden stammen. Die einzige Großbrauerei, die vertreten war, war somit Sponsor Palm, der gleichzeitig sein neues Session IPA mit 3,5 Umdrehungen vorstellte. Ich habe es außerhalb der Konkurrenz probiert und war durchaus angetan von dieser leichten, wenn auch ein wenig wässrig schmeckenden Alternative.

Aber der Reihe nach: grob gesagt liegt die Stadt Leiden zwischen Amsterdam und Den Haag. Aus unserer kleinen Großstadt kommt man z.B. mit dem Zug und nur zweimal Umsteigen hin. Da das Zugfahren dem Autofahren bei Bierfesten immer vorzuziehen ist, beschlossen Plattfuss und ich uns an einem windigen Freitag am Osnabrücker Hauptbahnhof zu treffen, um das diesjährige Abenteuer zu beginnen. Die Zugfahrt bietet weiter nichts berichtenswertes, also fast forward nach Leiden: ich selbst war vorher nur einmal einen halben Tag da, aber wie wir auf unserem ersten Erkundungsspaziergang feststellten, handelte es sich selbst bei Regenwetter um eine sehr charmante und sehenswerte Stadt, die trotz ihrer über 120.000 Einwohner einige stille Ecken und Winkel zu bieten hat. Unser Abendbier nahmen Plattfuss und ich im britischen Pub North End ein, wo es sich auch bei trübem Wetter gut aushalten ließ.

Das Bierfest ging über zwei Tage (Samstag/Sonntag), fing aber jeden Tag erst um die Mittagszeit (14 Uhr bzw. 12 Uhr) an, sodass es auch genügend Zeit zum Ausschlafen gab. Tickets konnte man vorab bereits online kaufen; es gab einen kleinen Rabatt für Frühbucher. Das Festival fand im Stadsgehoorzaal (einem Konzertgebäude) statt, die Stände der einzelnen Brauereien waren über zwei Etagen verteilt, wobei es in jedem Stockwerk (übrigens sehr saubere) Sanitäranlagen sowie Spülpunkte für die Gläser gab. Das Gesamtkonzept war ähnlich wie bei vielen anderen Veranstaltungen dieser Art: für den Eintrittspreis erwarb man jeweils ein Probierglas (15 cl) und zwei Verkostungsjetons, die man ansonsten auch an verschiedenen Kassen erstehen konnte. Den Preis von 3,- EUR für einen Jeton (meistens, aber nicht immer, gleichbedeutend mit einem Verzehr) empfanden Plattfuss und ich im Übrigen als durchaus "ambitioniert".


Die Abwicklung war bis auf einige kleinere organisatorische Stolperer (die Zweitagestickets hatten dennoch einen Datumsaufdruck für einen Tag, was beim Einlass händisch korrigiert werden musste) sehr angenehm und effizient. Die Atmosphäre zeigte sich Sonntag deutlich ruhiger und entspannter als Samstag, dennoch war es selbst zu den Stoßzeiten ohne Probleme möglich, ein Bier zu bekommen und sogar noch mit den Vertretern der Brauereien zu reden.
Die Brauereien waren ohnehin das Beste am Bierfest, wie es ja wohl auch sein soll. Außer dem Sponsor und der Brauerei Kompaan hatten wir von den wenigstens jemals gehört geschweige denn etwas probiert.  Freundlich empfangen fühlte man sich eigentlich an jedem Stand; an vielen haben wir gute Gespräche geführt, unter anderem mit den Leuten von De Blauwe Ijsbeer, Neptunus, Pronck, De Oude Rijn, aber auch mit anderen, die ich hier nicht alle nennen kann.

Für das leibliche Wohl war mit einigen Snacks vor Ort ebenfalls gesorgt, aber es war auch kein Problem, sich eben rauszuschleichen und irgendwo in der Stadt etwas zu essen. 

Von den Bieren gibt es Gutes zu berichten: es gab sehr wenige, die uns wirklich überhaupt gar nicht schmeckten; die meisten waren mindestens auf irgendeine Art konsensfähig, viele sogar spektakulär gut. Von meiner persönlichen Warte aus muss ich sagen, dass ich mir mittelfristig mal eine andere Obsession als die IPAs suchen werde. Auch (oder gerade) weil es mittlerweile sehr viele gut gemachte Vertreter dieses Stils am Markt gibt, habe ich manchmal das Gefühl, als hätte ich schon alles einmal probiert. Das ist aber eine Kritik an einem Trend, nicht am LIB.

Nächste Woche, am 24. März 2019, erscheint hier die Liste mit allen von uns probierten Bieren (76 Stück an der Zahl) samt unserer Bewertung.

Reise & Verkostung: Jan B. und Plattfuss

Text: Jan B.



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