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Freitag, 6. Januar 2017

Zwischendurch: Schnäppchen oder Neppchen? (KW 1, 2017)

Willkommen zur neuen Rubrik Schnäppchen oder Neppchen?, die den alten Veranstaltungskalender ersetzt. Hier schauen wir uns in unregelmäßigen Abständen aktuelle "Angebote" im Getränkebereich an und entscheiden dann, ob es denn auch wirklich ein gutes Angebot ist.

Seit Donnerstag (5. Januar) bietet Kaufland eine Flasche Jameson (die Feld-, Wald- und Wiesenedition) für 14,99 EUR an.

Dieser Whiskey ist in der Regel tatsächlich deutlich teurer und liegt selbst online bei Preisen zwischen etwa 16,- und 19,- EUR.

Fazit: Schnäppchen!


Samstag, 20. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Folge 2: O'Connell's vs Coleraine (beide 40% Vol.)

Was die Pubkultur in Irland angeht, so hat die lange britische Besatzungszeit wohl doch ihre Spuren hinterlassen. Die Trinkhallen (teach tábhairne) ähneln denen in Großbritannien in Mobiliar und Ausstattung sehr: Ein ländlicher Pub besteht in der Regel aus einer langen Theke, dunklem, teilweise sehr massiven Holzmobiliar und den unvermeidlichen Handpumpen (ohne Kohlensäurepatronen!) für das Bier. Manche Sitten ähneln sich ebenfalls: zum Beispiel die, dass man sich seine Getränke am Tresen selbst bestellt und holt (Ausnahme sind Pubs mit angeschlossener Speisewirtschaft, dort kann man in der Regel auch am Tisch bestellen). Oder dass man für die Getränke am Tresen kein Trinkgeld gibt.  Andererseits ist auch Einiges anders als in Großbritannien: die Öffnungszeiten sind hier deutlich liberaler gehandhabt; in Prinzip kann jede Gemeinde selbst entscheiden, wann (und ob) Sperrstunde ist. Auch ist in den irischen Pubs die Livemusik - nicht nur am Wochenende - regelmäßiger Bestandteil der Unterhaltung. Generell ist es, je nachdem, was man trinken möchte, günstiger im Pub, als wenn man sich seine Alkoholika aus dem Supermarkt oder dem Schnapsladen holt (zu den Getränkepreisen sage ich in der nächsten Folge noch etwas). Grundsätzlich kann man in normalen, nicht allzusehr touristisch geprägten Kneipen einen Pint (568 ml) Guinness für etwa 3,50 bis 4,00 EUR erwarten, zur Happy Hour oder ähnlichen Gelegenheiten wird es teilweise noch einmal günstiger. Generell ist die Atmosphäre gesellig und locker. Auf unserer Reise haben wir in der ganzen Zeit nicht ein böses Wort gehört. Die lockere Plauderei gehört dabei aber auch zum guten Ton. Insbesondere dann, wenn klar ist, dass man Ausländer/Tourist ist, sollte man zu einer Runde Smalltalk willens und bereit sein. Es ist übrigens unüblich, Getränke getrennt zu bezahlen (wenn auch nicht so gänzlich unbekannt wie in Großbritannien). Stattdessen schmeißt man Runden. Hat man nicht genug Geld (z.B. weil die Runde sehr groß ist), um sich zu revanchieren, ist die zweitbeste Möglichkeit, der Person, der man die Runde schuldet, das Geld für das ausgegebene Getränk diskret (!) und mit entsprechendem Hinweis auf die mangelnde Liquidität zuzustecken.

Sofern eine Gaststätte Speisen anbietet, so sind dieses häufig Klassiker der irischen Küche wie Irish Stew oder Shepherd's Pie. Manchmal gibt es auch ein einzelnes Tagesgericht. An Bieren darf man aus dem Zapfhahn in der Republik Irland in der Regel Guinness und Smithwick's (ein Ale aus der selben Brauerei wie das in Deutschland bekannte Kilkenny, welches in Irland weniger ausgeschenkt wird) erwarten, neuerdings auch das Smithwick's Pale Ale, ein IPA. Ferner Harp Lager, ebenfalls aus der Guinness-Brauerei. Die Biere werden im angelsächsischen Stil gezapft, sind für den normalen Pilstrinker also etwas "arm an Bläschen", wie mein Opa immer sagte. Allerdings, so finde ich zumindest, wenigstens etwas kühler als die lauwarme Cervisia bei den Briten. Wer einen etwas pilsigeren Geschmack möchte, findet meist ein oder zwei ausländische Sorten (Heineken, Nastro Azzurro, Stella Artois) ebenfalls an einem Zapfhahn, diese werden dann auch eher kontinentaleuropäisch serviert. Beliebt sind auch amerikanische Leichtbiere wie Bud Light oder Coors Light. Erfrischende Alternative zum Bier ist übrigens meist der Cider, aus dem Hahn oder aus der Flasche (z.B. von Bulmer's, aber auch - man höre und staune - von Stella Artois).

Spirituosentechnisch meistens keine großen Überraschungen: Jameson, Bushmills, Crested Ten (Premiumsegment von Jameson), Powers Gold Label (angeblich einer der oder der beliebteste Whiskey in Irland, ich persönlich fand ihn nicht so toll, habe aber auch andere Meinungen gehört) und natürlich auch einige Rums, Gins und was es auch in deutschen Kneipen so alles gibt. Wenige schottische Whiskys, außer in der Touristenhochburg Dublin. Seltsamerweise auch wenig(er) Tullamore Dew. Wird er hauptsächlich exportiert?

Bleibt noch die Verkostung für heute: es duellierten sich zwei irische Blends, die man hier in Deutschland nur sehr selten zu sehen bekommen dürfte. Gleichzeitig ein friedlicher Vergleich zwischen der Republik Irland und Ulster/Nordirland. In der rechten Ecke der O'Connell's NAS aus der  Destillerie Cooley: von dieser wird er aktiv nicht beworben. Über drei bis vier Ecken fand ich heraus, dass es sich hierbei wohl um eine Marke von Cooley handelt, welche normalerweise für den Export nach Frankreich vorgesehen ist (wer übrigens Infos zu unbekannten irischen Whiskeys braucht, der sei auf die Seite Irish Whiskey Chaser hingewiesen). Der Produktionsüberschuss wird dann anscheinend im eigenen Lande abverkauft. Die Flasche war für irische Verhältnisse übrigens ein Schnäppchen, mit 14,- EUR im Supermarkt. Etwa ebenso teuer war die Flasche Coleraine NAS, welche von der Coleraine Distillery Ltd. in Belfast (Nordirland) hergestellt wird und auch fast nur in Nordirland bzw. im Grenzgebiet zu kaufen ist. Da es keine Coleraine Distillery (mehr) gibt, muss dieser Whiskey logischerweise von der einzigen nordirischen Brennerei - Bushmills - kommen.




Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Relativ hell, dünne und engsitzende Legs. Ein angenehmes Aroma von Butterscotch und Toffee.

Geschmack: Der O'Connell's bietet im Antritt einen leichten Anflug von Vanille, gepaart mit einer milden Süße. Im Mittelteil dann deutliche Getreidenoten (Hafer?).

Abgang: Mittellang, für einen Blend schon eher lang, wärmend.

Fazit: Sehr angenehm zu trinken, keine bösen Überraschungen. Sehr mild. Ein guter Blend der unteren Mittelklasse.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Nordirland (Bushmills)

Aussehen und Aroma: Der Coleraine ist eher safrangelb und von der Konsistenz ähnlich wie der O'Connell's.  In der Nase hat er frischere Impulse als dieser, viel Gras, leider auch deutlich das Ethanol im Hintergrund.

Geschmack: Zuerst zeigt er sich süßlich, mit einem fruchtigen Geschmack (Aprikose), im Mittelteil kommen die Grain Whiskeys mit ihrer charakteristischen Bitterkeit stärker durch.

Abgang: Mittellang, leider zum Ende hin etwas ruppig.

Fazit: Ebenfalls ein akzeptabler Durchschnittsblend, der sich ganz gut trinken lässt und keinen Ärger macht.

Gesamtfazit: Alles in allem muss ich doch dem O'Connell's den Vorzug geben, Beide Whiskeys sind durchaus vergleichbar in der Qualität, jedoch ist der Coleraine merklich harscher, ohne besonders viel Charakter zu entwickeln.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 27. Oktober 2012.

Picture Credits: alle TAQ.


Sonntag, 20. November 2011

Kilbeggan NAS

Vor einiger Zeit stand Plattfuss weinend bei mir vor der Tür (naja, eigentlich stimmt das nicht ganz, hört sich aber spannender an) und überreichte mir eine Flasche Kilbeggan. Das machte mich natürlich erstmal stutzig, denn normalerweise muss man ihm alles Flüssige aus den toten, kalten Fingern winden. Aber er hatte ihm wohl nicht gemundet. Auch das treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Was soll denn auf unser für nächstes Jahr projektierten Irlandreise werden, wenn dem Herrn der Irish Whiskey nicht schmeckt? Nach dem Paddy war das jetzt schon der zweite Fehlgriff. 

Nun, sei es drum: zurück zum Kilbeggan. Wie ich, glaube ich, schon einmal geschrieben habe, gab es lange Zeit einen Konzentrationsprozess in der irischen Destillerielandschaft. Das ging so weit, dass in den siebziger Jahren sich das gesamte Whiskeygeschäft in den Händen der Irish Distillers Group (IDG) befand. Erst dann setzte wieder eine Diversifizierung ein. Aktuell gibt es erneut vier Brennereien in Irland, nämlich Cooley (die einzige in irischer Hand: Kilbeggan, Tyrconnell, Connemara und Greenore, ein seltener Single Grain Whiskey), Old Bushmills (Diageo: Bushmills White Label, Black Bush, Bushmills Malt 10, 16, 21), New Midleton (Pernod-Ricard: Jameson, Tullamore Dew, Redbreast, Green Spot, Paddy, usw) und Kilbeggan (ehemals Locke's, wiedereröffnet 2007). Wie? Kilbeggan wird gar nicht von Kilbeggan hergestellt? Nein, denn die Whiskeys der "neuen" Brennerei Kilbeggan sind noch nicht bereit für den Verkauf (da erst vor vier Jahren gebrannt), mit Ausnahme von kleinen Sammlereditionen. 

 

Die Marke Kilbeggan wird wie gesagt bei Cooley gebrannt und nur bei Kilbeggan gelagert. Klingt verwirrend? Ist auch so. Bei dem, was als Kilbeggan Irish Whiskey verkauft wird, handelt es sich um eine Komposition von Noel Sweeney, Cooleys Master Blender. Das Produkt hat keine Altersangabe, jedoch muss irischer Whiskey mindestens drei Jahre gereift sein, bevor er sich Whiskey nennen darf.

In der Farbe ist er wie dunkles Stroh, die erste Nase ist durchaus vielschichtig: etwas Holz, etwas Pfeffer, etwas frisches Heu. Am Gaumen erst weich, Toffee, dann etwas würziger, mehr Schärfe. Im Abgang eher länger, allerdings wenige in Erinnerung bleibende Noten. Dem vernichtenden Urteil von Plattfuss kann ich mich definitiv nicht anschließen. Es ist ein netter Blend für den Alltag. Nichts was einen umhaut - bei Gott nicht - aber dennoch ein gut verdauliches Tröpfchen, das nach meinem Geschmack noch etwas weicher sein dürfte. Plattfuss goutierte wohl die leichte Tendenz ins Marzipanig-Süße nicht (welches ich nicht besonders ausgeprägt finde). 40% Vol. Um die 14,- EUR. 

Schließen möchte ich der Jahreszeit angemessen mit einem Rezept für einen Hot Irish Whiskey, direkt von der Webseite von Kilbeggan: Man nehme 2 cl oder 4 cl Whiskey, eine mit vier Nelken gespickte Zitronenscheibe, Zucker nach Belieben sowie heißes Wasser und gebe zuerst den Whiskey und die Zitrone, dann das Wasser und den Zucker in eine Tasse oder ein hitzebeständiges Teeglas. Soll im Winter Wunder wirken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. November 2011. Dann hoffentlich endlich mit dem Artikel zur Trinkkultur der 80er. Wenn nicht, dann mit etwas anderem.

Dienstag, 15. November 2011

Dickes B

Den Hype um Berlin habe ich irgendwie nie so richtig verstanden ... okay, die Stadt ist laut, bunt, auch ganz spannend - aber das Zentrum ist kalt und leblos: Beton, Glas, Stahl. Das Regierungsviertel um den Reichstag eine aufgehübschte Mondlandschaft mit wenig beeindruckenden Monumentalbauten; fast wünscht man sich die Professoren Troost und Speer zurück. Spannend ist Berlin da, wo die Menschen wohnen und einkaufen. Wo kleine Clubs und Bars auf- und wieder zumachen und kein Hahn danach kräht. Also lass Dir mal wieder ein bisschen Hauptstadtluft um die Nase wehen, war das Motto am letzten Wochenende. 

Eine Gourmet- oder Verkostungsreise war es zwar nicht, aber ein paar schöne Eindrücke und Getränke sind hängengeblieben. Das Kim Qui, ein vietnamesisches Café/Restaurant in der Oranienstraße 168. Lecker Sommerrollen und schöne Nudelgerichte und endlich mal ein Bier, das ich noch auf dem Programm hatte: Saigon. Das Bier wird in Ho-Chi-Minh-Stadt gebraut, in Kooperation mit den deutschen Brauereiexperten des ehemaligen Brauhaase-Konzerns. Wie die meisten asiatischen Biere wird Saigon Export (damit ist aber wohl die Exportqualität gemeint, nicht die Brauart) nicht mit Gerste sondern mit Reis gebraut, was ein relativ mildes Endprodukt ergibt. Ansonsten hat es 4,9 Umdrehungen und schmeckt feinherb und frisch. Serviert wird es - wie in Vietnam üblich - sehr kalt. Kann man ohne Vorbehalte empfehlen

Außerdem war ich in den Galeries Lafayette und stürzte mich sofort in die Feinkost- und Spirituosenabteilung. Leider war ich zu faul und auch zu knapp bei Kasse, sonst hätte ich den ein oder anderen Cognac oder Armagnac erstehen mögen. Whiskys und Rums waren eher unterrepräsentiert (und teurer als üblich), wobei mich ein Platte Valley Corn Whiskey (hergestellt von McCormick) sehr anlachte; ich hatte aber keine Lust, den ganzen Tag eine dicke Steingutflasche mit mir rumzutragen. Muss ich mal online kaufen. 38,- EUR bei den Galeries; gibt es im Internet viel günstiger. 

Dann fuhr ich an der Dunmore Cave vorbei, einem Irish Pub in der Pannierstraße. Seltsamerweise mit einer Leuchtreklame von Kriek St Louis. In der Nähe der Sonnenallee dann noch das Ratzeputz, eine der neueren, minimalistischen Kneipen (minimalistisch heißt: es werden eine Theke, ein paar Tische und Stühle reingestellt und die Hälfte der Glühlampen rausgedreht - presto!). Spezialität des Hauses ist der Ingwerschnaps gleichen Namens aus dem Hause Baland & Langebartels. Scharf, aber bestimmt gesund. Ich hielt mich dann, im Gegensatz zu meinen Begleiterinnen, an ein Glas Jameson Irish Whiskey, weil ich den lange nicht mehr probiert hatte. Kurz zusammengefasst: sehr mild, süß, Vanille. Eher mittlerer Abgang. 
Letztendlich dann noch ein Abstecher in Das Gift, Ecke Weichsel- und Donaustraße, eine ebenfalls minimalistische schottische Kneipe (gehört dem Keyboarder der Band Mogwai, Barry Burns) mit einer akzeptablen, aber nicht aufregenden Auswahl von Single Malts. Zumindest weiß man da, wie ein Single Malt serviert wird: den kleinen Dekanter stillen Wassers gab es anstandslos dazu. Neben einem Laphroaig 10 probierte ich den Ardbeg 10 und war nicht allzu angetan. Alle Eigenschaften seiner älteren Brüder sind in ihm bereits erkennbar, aber für mich ist der Ardbeg nach 10 Jahren einfach noch nicht so weit. Im Aroma Phenol, Zigarrenrauch, auf der Zunge ein süßer Kern (wie auch der Laphroaig), jedoch mehr Aceton und Speck. Im Abgang mittellang, mit Wasser öliger und speckiger. Im Vergleich gefällt mir der Laphroaig besser, da die Note von Räucherspeck im Ardbeg mich etwas irritiert (ist z.B. im Supernova auch vorhanden, jedoch gemildert durch andere Eindrücke). 



Letztendlich noch ein Geheimtipp, der ausnahmsweise mal nicht mit Alkohol zu tun hat: Wer nach Berlin fährt, in der Ecke "Kreuzkölln" unterwegs ist und nach einem originellen Souvenir sucht, sollte sich mal bei Dederon-Design in der Muskauer Straße 45 umtun. Außer spaßig gestalteten Dederon-Taschen gibt es auch noch Frühstücksbrettchen, Retrogeschirr, Sparelefanten wie früher bei der Dresdner Bank und noch so einiges sonst. Reinschauen lohnt sich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. November 2011. Dann verkoste ich noch einen weiteren irischen Standardwhiskey, nämlich Kilbeggan.