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Sonntag, 6. Januar 2019

West Cork Peat Charred Cask NAS (43,0% Vol.)

Wie ich vor Weihnachten in meinem Beitrag über das Schenken und Beschenkt werden geschrieben habe, bin ich mittlerweile in einem Alter angekommen, wo ich von den meisten Menschen das geschenkt bekomme, was ich mir wünsche - oder zumindest das, was ich mir mit höchster Wahrscheinlichkeit von ihnen gewünscht hätte, wenn ich gefragt worden wäre.

Von meiner Frau lag also tatsächlich der erbetene West Cork Peat Charred Cask auf dem Gabentisch, worüber ich mich auch wirklich sehr gefreut habe. Hauptsächlich deshalb, weil die Firma West Cork Distillers (WCD) sinnbildlich steht für den frischen Wind, der seit einiger Zeit durch die irische Whiskeylandschaft weht. Als ich vor etwas weniger als sieben Jahren eine kleine Serie über Irland und seine Trinkkultur begann, gab es, wie ich damals auch vermerkte, nur ganze vier Whiskey produzierende Destillerien, nämlich Cooley und die Schwester Kilbeggan, Midleton sowie Bushmills. Das hat sich mittlerweile doch etwas geändert und heute gibt es auch auf der grünen Insel mehr als nur die "Großen Vier". 

West Cork wurde schon 2003 von drei Freunden gegründet - der eine war Lebensmittelchemiker, die anderen beiden arbeitslos gewordene Fischer . Selbst gebrannt wurde damals aber noch nicht, sondern man kaufte Whiskey von anderen Brennereien, verschnitt diesen und etikettierte ihn. Erst seit den späten Nullerjahren arbeiteten die drei Kumpels (Denis, Ger und John) an der Produktion eigener Spirituosen. Im Jahre 2013 erfolgte dann der Umzug in das heutige Hauptquartier in Skibbereen. In einigen Quellen liest man, WCD würden ausschließlich selbst gemälzte Gerste verwenden, auf der Firmenhomepage ist jedoch nur von einiger selbst gemälzter Gerste die Rede. Alle ihre Whiskeys werden dreifach in Pot Stills destilliert.


Zurzeit umfasst das Portfolio von WCD verschiedene Whiskeys: Da haben wir zunächst einen Zehnjährigen, drei Zwölfjährige mit verschiedenen Finishes (Sherry, Portwein, Rum), einen Cask Strength, einen aus dem Bourbonfass (beide NAS), einen Blend (Black Cask) und schließlich die Glengarriff-Reihe. Diese Whiskeys reifen zunächst in Sherryfässern und erfahren ihr Finish dann in Fässern, die mit Hilfe lokal vorhandener Brennstoffe ausgekohlt werden. Einmal haben wir da den Bog Oak Charred Cask (Auskohlung mit Hilfe von Moorkienholz) und außerdem den heute besprochenen Peat Charred Cask (Auskohlung mit Torffeuer). Beide Whiskeys aus der Glengarriff-Serie werden mit 43 Umdrehungen abgefüllt.

Sonntag, 12. März 2017

Zwischendurch: Schnäppchen oder Neppchen? (KW 11, 2017)

Edeka bietet in ausgewählten Märkten in der kommenden Woche eine Flasche Kilbeggan (den Standard) für 12,99. Im eigenen Onlineshop gibt es ihn für 14,99.

Wer also einen teilnehmenden Markt in der Nähe hat, für den lohnt es sich eventuell. Ansonsten ist Sprit für 2,- EUR schnell verfahren.


Samstag, 24. Oktober 2015

The Red Shamrock (Osnabrück)

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber seit dem 10. Oktober ist es wieder so weit: Osnabrück hat einen Irish Pub. Und das gar nicht so weit entfernt von dem, der vor vielen Jahren seine Tore schloss und die Hasestadt publos zurückließ - was für eine Gemeinde von dieser Größe schon recht ungewöhnlich ist. Auch unter den nicht repatriierten Briten/Nordiren der ehemaligen Garnison hat sich all die Jahre leider niemand gefunden, der ein solches Projekt hätte anstoßen wollen oder auch können.

So blieb es also einem ehemaligen Bankkaufmann mit dem schönen irischen Namen Janosch Roloff überlassen, die Lücke zu füllen, die viel zu lange Zeit im gastronomischen Herzen der Stadt geklafft hat. Das Red Shamrock befindet sich an der Dielingerstraße nahe der Altstadt: bis vor einiger Zeit ging es mit dem Habana Loca dort noch eher karibisch-kubanisch zu. Da der Pub wie gesagt erst vor Kurzem eröffnet wurde, dachten Plattfuss und ich, wir könnten unseren üblichen Mittwochsabendstammtisch mal spontan von der üblichen Location in die neue verlegen und schauen, was jetzt im Endeffekt daraus geworden ist. 

Von außen fiel mir zunächst einmal auf, dass man kaum erkennt, dass unter den Arkaden an der Dielinger jetzt irisch getrunken und musiziert wird. Nur ein Guinness-Leuchtschild und zwei dezente Banner verraten den Standort der Kneipe. Eigentlich gehört zu einem Irish Pub ein richtig schönes großes Holzschild über der Tür, aber es mag sein, dass der Vermieter der Immobilie etwas dagegen hatte, schwer zu sagen. Das Innere besteht im wesentlichen aus zwei großen Gasträumen mit recht hoher Decke sowie einem kleineren, durch eine Tür abgetrennten Raucherraum. Im Eingangsbereich geht es eher irisch-traditionell mit Zweiertischen und Barhockern zu, im nächsten Raum finden dann die größeren Gruppen Platz. Auch zwei Sessel und ein bequem aussehendes Sofa stehen dort. Vom Dekor her hat man sich um das Irische einigermaßen gekümmert, manche der objets de conversation könnten aber genausogut irgendwo anders stehen, zum Beispiel bei meiner Oma im Wohnzimmer. Für einen echten irischen Pub finde ich es alles etwas zu hell und weitläufig, irgendwie nicht urig genug, aber naja, was will man machen? Es ist halt kein Altbau mit dunklen Holzstreben und Parkettböden.

In beiden Räumen gibt es eine Theke nebst Personal, daher wurden wir recht schnell und kompetent bedient. Für einen Mittwochabend war es auch nicht einmal besonders leer. Ganz im Gegenteil: nach und nach füllten sich die Plätze fast wie von selbst. Das Publikum ist ein eher junges, also keine wirklich authentische Kneipenmischung aus Banker und Bergmann, aber das ist eventuell auch einfach der Tatsache geschuldet, dass erstens Osnabrück eine Studentenstadt ist und zweitens der Wirt und das Team selbst eher zur jungen Generation gehören. Stellenweise war es mir dann schon ein bisschen zu hipsterlastig, aber vielleicht mischen sich die sozialen Schichten bei vollem Haus am Wochenende besser.



Die Getränke (Kilkenny, Guinness, Kilbeggan, Black & Tan (der im Red Shamrock allerdings Black & Pale genannt wird)) waren allesamt in Ordnung. Kassiert wurde direkt nach jeder Runde. Deckelchen wäre schön, aber vielleicht muss man sich ja auch erst zum Stammgast hochtrinken. Ein ganz billiges Vergnügen ist das Trinken allerdings nicht. Die beiden Black & Pales (die übrigens stilecht mit dem praktisch nur für diesen Zweck gebrauten Pale Ale von Kilkenny gemacht werden; brav) waren mit 4 EUR für 0,3 Liter schon fast das Erschwinglichste - wenn man denn nicht auf Biere wie Flensburger umsteigen möchte. Der Pint halbe Liter Guinness bzw. Kilkenny zu 4,90 geht auch noch einigermaßen in Ordnung, aber 8,90 EUR für eine kleine Flasche Belhaven Oat Stout ... nein, sorry: das ist Wahnsinn (Einzelhandelspreis um die 2,00 EUR). Ähnlich sieht es beim Whisk(e)y aus: Kilbeggan für 4 EUR war das Günstigste, was zu kriegen war. Zehn Euronen für einen Schluck Green Spot werde ich in diesem Leben aber wohl nicht mehr hinlegen (übrigens auch definitiv keine 5,50 für einen Johnnie Walker Red) ... es sei denn, ich brauche wirklich dringend einen Drink.

Zeit für das Fazit: Insgesamt eine Erfahrung, die okay war. Allerdings fremdele ich aus oben beschriebenen Gründen doch noch etwas mit dem Laden. Ich werde ihm jedoch sicherlich noch mindestens einen weiteren Besuch abstatten, vorzugsweise am Wochenende. Einen Sonderbonus bekommt das Red Shamrock auf jeden Fall dafür, dass es endlich mal wieder einen Irish Pub in Osnabrück gibt. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass ich ihm in näherer Zukunft einen Preis für typisch irische Gemütlichkeit verleihen werde.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 31. Oktober 2015.

- Euer Tomas Aquinas


Samstag, 17. November 2012

Irisches Stundenbuch, Folge 6: The Wild Geese Irish Whiskey Collection NAS (alle 43% Vol.)

Bin heute irgendwie stolz auf mich: nachdem ich mich bei bescheidenstem Wetter überwunden habe, wieder mal mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, schaffe ich es wohl auch, meinen letzten Beitrag in der Reihe über das Trinken in Irland zu tippen. Der nächste Artikel wird dann - wie anfangs versprochen - weder von Irland noch von Whisk(e)y handeln.

Zeit für ein kleines Fazit: Irland ist eine Reise wert, nicht nur was die Alkoholika betrifft. Wer meinem anderen Blog mit den Anmerkungen zum Bootsurlaub auf der Grünen Insel folgt, wird hoffentlich ein positives Bild des Landes und seiner Menschen gewinnen. Was irisches Bier und irischen Whiskey angeht, so befinden sich beide seit Jahren - zusammen mit dem Phänomen der Irish Pubs - in Deutschland und im Rest Europas auf einem Höhenflug. Die "dunklen Zeiten" des Irish Whiskey in den 70ern und 80ern gehören der Vergangenheit an und es gibt mittlerweile, wie diese Serie zeigen wollte, eine gesunde Brennereilandschaft mit einer Vielzahl an Sorten und Marken.

Was mich zur Beobachtung bringt, dass die Iren natürlich einen Großteil ihrer Produktion ins Ausland verkaufen, was Marken wie Tullamore Dew oder Kilbeggan international zu Renommee verholfen hat. Wie man aus anderen Sektoren weiß, wird aber auch nicht immer das Beste in andere Länder geschickt, vieles trinkt man auch lieber selbst. Und so passt es, dass ich zum Abschluss noch einmal einen typischen (?) Export- oder Touristenwhiskey vorstelle. Er wurde von Plattfuss in Form eines Probiersets am Dubliner Flughafen erstanden und nennt sich in Europa The Wild Geese Irish Whiskey Collection (in den USA vermarktet als The Wild Geese Soldiers & Heroes Irish Whiskey Collection). Wozu die unterschiedlichen Namen? Ich könnte mir vorstellen, dass in den Vereinigten Staaten, mit der großen Anzahl von Personen irischer Abstammung der Begriff Wild Geese in seiner ursprünglichen, militärisch-historischen Bedeutung noch präsenter ist als im Rest der Welt. Obwohl auch die europäische Seite auf den Freiheitskampf der Iren hinweist, dürfte beim Großteil des kontinentalen Publikums die Assoziation mit den geflügelten Vertretern der Gattung Wildgans überwiegen. Der Internetauftritt (beide Webseiten sind - bis auf die Nomenklatur - identisch) hypt den Whiskey recht stark, er habe mehrere Auszeichnungen gewonnen (was die genau wert sind, wird, wie so oft, nicht erläutert). Was mich bei solch lautstarker Werbung nachdenklich macht, ist, dass nirgendwo in vorderster Reihe angegeben steht, wo produziert wurde (bei Cooley übrigens). Man sollte doch meinen, ein solch edles Tröpfchen wäre die beste Werbung für die Destillerie ... Auf jeden Fall sind vier Sorten im Angebot: Classic Blend, Rare Irish, Single Malt und Limited Edition. Das von Plattfuss erstandene Sortiment für den neugierigen innereuropäischen Reisenden umfasste alle außer dem Blend, alle mit dem selben Alkoholgehalt abgefüllt, jeweils in einer 33 cl-Flasche.


Rare Irish "Untamed"

Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Farbe von dunklem Heu, dünnflüssig im Glas. Ein frischer Eindruck, sehr viel Ethanol in der Nase.

Geschmack: Ein extrem scharfer Antritt, wenige Nuancen, kaum Eigenleben. Einigermaßen frisch.

Abgang: Nur mittel, zum Ende hin aber fast unangenehm adstringierend.

Fazit: Meines Erachtens viel zu jung, zur Unreife tendierend, sehr ruppig. Ungezähmt ist wohl der höfliche Ausdruck.

Limited Edition

Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Farbe wie oben, Eindruck im Glas dito. Geruch ebenfalls sehr frisch, jung, Unterton von Plastik.

Geschmack: Süßer als der Rare, jedoch nur auf der Zungenspitze. Sehr starkes Eichenfass. Ab dem Mittelteil bricht er geschmacklich zusammen.

Abgang: Schon etwas länger, auch sehr trocken. Zum Schluss Eindrücke von nassem Papier und noch ein scharfer Nachbrenner hintendrein.

Fazit: Ein klein bisschen mehr auf der Zunge, aber immer noch ziemlich harsch und flüchtig.

Single Malt

Art und Herkunft: Single Malt, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Siehe oben. Da wurde farblich wohl justiert, was das Zeug hält. In der Nase ein leicht blumiger Ausdruck, eventuell etwas Sahne?

Geschmack: Im Mund relativ weich, Sahnebonbon, etwas Zimt.

Abgang: Noch etwas länger als oben, sanfter als der Rest. Keine Überraschungen.

Fazit: Definitiv der Beste der drei, auch wenn das vielleicht nicht allzu viel aussagt. Kann man wohl.

Gesamtfazit: Als Sammlung insgesamt finde ich die Whiskeys viel zu unausgewogen, unreif und harsch. Sicherlich eher ein Souvenir als ein echtes Trinkerlebnis. Der Single Malt ist für mich noch der Trinkbarste, gefolgt von der Limited Edition (in weitem Abstand). Der Rare hat mich nicht beeindruckt. Er ist meines Erachtens auch definitiv zu jung.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 24. November 2012.






Samstag, 13. Oktober 2012

Irisches Stundenbuch, Folge 1: Danny Boy Premium vs Dunphy's Finest Old (beide 40% Vol.)

Ich beginne heute mit einer insgesamt sechsteiligen Serie über das Trinken in Irland, wobei ich einerseits mich auf einzelne Aspekte der Trinkkultur dort konzentrieren will, andererseits aber auch jeden Post mit der Verkostung von einer bis zwei Spezialitäten verknüpfe. Wer sich also weder für Irland, noch für Bier, noch für irischen Whiskey interessiert, der muss erst wieder gegen Ende November hier vorbeischauen ... es sei denn, er sucht im Archiv nach Anderem. Der erste Beitrag nach der Miniserie dreht sich dann aber garantiert nicht um Whisk(e)y, das schwöre ich, so wahr ich Tamos Aqiunas heiße ;-)

Das Ganze hier ist das Ergebnis einer Urlaubs- bzw. Recherchereise von Plattfuss, dem Kleinen Roten Traktor, ein paar Freunden und mir auf dem Shannon-Erne Waterway im Norden der Grünen Insel, im gerade vergangenen September 2012. Da ich hier so gut wie nicht auf die generellen touristischen Aspekte der Reise eingehen will, empfehle ich - bei Interesse - einen Besuch auf meinem anderen Blog, wo parallel hierzu eine kleine Reihe über die (wie soll ich sagen) hausbooturlaubsartigen Aspekte läuft (mit Tipps, Sehenswürdigkeiten usw).

Ok, beginnen wir mit Teil Eins der allgemeinen Belehrung: Wie ich an anderer Stelle (wo genau weiß ich nicht mehr und bin gerade auch zu faul, es herauszusuchen) irgendwo mal geschrieben habe, streiten sich die Iren und die Schotten schon seit ewigen Zeiten darum, wer von beiden Völkern den Whiskey (die Schotten schreiben ihn bekanntlich ohne "e", aber solange wir über Irland berichten, bleiben wir mal bei der regionalen Schreibweise) erfunden hat. Bis jetzt ist es noch niemandem gelungen, die Sache abschließend zu klären, nicht einmal ausgewiesenen Experten wie Jim Murray. Belassen wir es für heute dabei, dass man gemeinhin davon ausgeht, dass der Whiskey (oder uisce beatha) ursprünglich in Irland erfunden wurde (wobei man diesen zuerst sicher mehr in der Art eines Potcheen genoss), dass jedoch die Schotten "leider" die erste urkundliche Erwähnung über die Herstellung vorweisen können (1494). Quel malheur, wie der Ire sagt.

Erwähnenswert ist die geradezu lächerlich geringe Anzahl von Destillerien in Irland; es sind derer nämlich nur noch (oder genauer gesagt: wieder) vier: (Old) Bushmills (in Ulster bzw. Nordirland, Diageo), (New) Midleton (Republik Irland, Pernod Ricard), Cooley (Republik Irland, Aktiengesellschaft) sowie Kilbeggan (Republik Irland, gehört zu Cooley). Aus diesen kommt alles, aber wirklich alles, was sich zur Zeit Irischer Whiskey nennen darf. Früher gab es mehr Brennereien, viele in Familienbesitz, aber der große Schlag kam mit der Prohibition in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts, als der größte Exportmarkt für irischen Schnaps plötzlich wegbrach.

Irischer Whisky unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht vom schottischen Whisky. Erstens ist hier nicht der Single Malt die Norm, sondern der so genannte Pure Pot Still Whiskey, welcher aus gemälzter sowie ungemälzter Gerste besteht und in Pot Stills destilliert worden sein muss. Nicht zu verwechseln mit dem Pot Still Whiskey, der in einer Pot Still destilliert wurde, jedoch anstatt der ungemälzten Gerste auch anderes Getreide enthalten kann. Alles klar so weit? Es gibt darüber hinaus eine sehr große Zahl an Blends, jedoch nur wenige Single Malts. Zweitens ist irischer Whiskey in der Regel weicher und milder als schottischer, denn er wird  - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - dreifach destilliert. Schließlich wird beim Mälzen (bis auf die Connemara-Reihe von Cooleys) niemals Torffeuer verwendet, sondern ausschließlich Holz- oder Kohlenfeuer.

Die beiden ersten Whiskeys, die wir heute verkosten, sind "typische" Iren, also Blends mit jeweils 40 Volumenprozent und entstammen zwei verschiedenen Brennereien. Es sind beides Produkte, die man in Irland im Supermarkt findet. Der Danny Boy Premium kostete 30,- EUR (!), der Dunphy's Finest Old etwa 18,- EUR - zu den Getränkepreisen in Irland sage ich in einer der nächsten Folgen noch etwas. Den Preisunterschied zwischen beiden Whiskeys beim Lesen der Bewertung aber bitte im Hinterkopf behalten. Wir beginnen mit dem Danny Boy Premium (Danny Boy ist auch der Titel einer beliebten irischen Ballade). Er wird damit beworben, dass er in Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifen konnte.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Cooley)

Aussehen und Aroma: Hellgelb, wie ein Lagerbier, relativ viskos. Dünne, schnelle Legs, wie bei dem Alkoholgehalt und dem vermuteten Alter nicht anders zu erwarten. Ein relativ reiches Aroma von Rosinen, Vanille (die amerikanischen Fässer?) und etwas Pflaume.

Geschmack: Zuerst sehr scharf auf der Zungenspitze, deutlich Vanille und sehr viel Holz.

Abgang: Nur gerade so eben mittellang, eher kurz. Trockener.

Fazit: Nicht unangenehm, das Holz kommt für meinen Geschmack etwas stark heraus. In Deutschland würde ich nicht annähernd 30,- EUR dafür ausgeben wollen.

Weiter zum Dunphy's Finest Old. Er ist von Irish Distillers, also Pernod Ricard.


Art und Herkunft: Blended Whiskey, Republik Irland (Midleton)

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein, von der Konsistenz ähnlich wie die Konkurrenz :-). Sehr wenig in der Nase, etwas Mandeln, leicht spritig.

Geschmack: Ebenfalls scharfes Ethanol im Antritt, etwas Süße im Mittelteil, sonst nichts los. Eventuell ein bisschen Vanille.

Abgang: Kurz, trocken.

Fazit: Ein Whiskey mit wenig Ausdruckskraft und deutlicher Schärfe.

Gesamtfazit: Qualitativ ist der Danny Boy etwas höher einzuschätzen ... allerdings hat auch dieser einige Haken und Ösen, so dass man sich überlegen kann, ob man für fast die Hälfte weniger nicht doch zum Dunphy's greift, wenn man (für irische Verhältnisse) einigermaßen günstig trinken will. So oder so lautet mein Tipp: Beide Whiskeys einige Minuten atmen lassen, dann verlieren sie etwas an Schärfe.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. Oktober 2012.

Picture Credits: "Danny Boy", "Dunphy's": TAQ

Sonntag, 20. November 2011

Kilbeggan NAS

Vor einiger Zeit stand Plattfuss weinend bei mir vor der Tür (naja, eigentlich stimmt das nicht ganz, hört sich aber spannender an) und überreichte mir eine Flasche Kilbeggan. Das machte mich natürlich erstmal stutzig, denn normalerweise muss man ihm alles Flüssige aus den toten, kalten Fingern winden. Aber er hatte ihm wohl nicht gemundet. Auch das treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Was soll denn auf unser für nächstes Jahr projektierten Irlandreise werden, wenn dem Herrn der Irish Whiskey nicht schmeckt? Nach dem Paddy war das jetzt schon der zweite Fehlgriff. 

Nun, sei es drum: zurück zum Kilbeggan. Wie ich, glaube ich, schon einmal geschrieben habe, gab es lange Zeit einen Konzentrationsprozess in der irischen Destillerielandschaft. Das ging so weit, dass in den siebziger Jahren sich das gesamte Whiskeygeschäft in den Händen der Irish Distillers Group (IDG) befand. Erst dann setzte wieder eine Diversifizierung ein. Aktuell gibt es erneut vier Brennereien in Irland, nämlich Cooley (die einzige in irischer Hand: Kilbeggan, Tyrconnell, Connemara und Greenore, ein seltener Single Grain Whiskey), Old Bushmills (Diageo: Bushmills White Label, Black Bush, Bushmills Malt 10, 16, 21), New Midleton (Pernod-Ricard: Jameson, Tullamore Dew, Redbreast, Green Spot, Paddy, usw) und Kilbeggan (ehemals Locke's, wiedereröffnet 2007). Wie? Kilbeggan wird gar nicht von Kilbeggan hergestellt? Nein, denn die Whiskeys der "neuen" Brennerei Kilbeggan sind noch nicht bereit für den Verkauf (da erst vor vier Jahren gebrannt), mit Ausnahme von kleinen Sammlereditionen. 

 

Die Marke Kilbeggan wird wie gesagt bei Cooley gebrannt und nur bei Kilbeggan gelagert. Klingt verwirrend? Ist auch so. Bei dem, was als Kilbeggan Irish Whiskey verkauft wird, handelt es sich um eine Komposition von Noel Sweeney, Cooleys Master Blender. Das Produkt hat keine Altersangabe, jedoch muss irischer Whiskey mindestens drei Jahre gereift sein, bevor er sich Whiskey nennen darf.

In der Farbe ist er wie dunkles Stroh, die erste Nase ist durchaus vielschichtig: etwas Holz, etwas Pfeffer, etwas frisches Heu. Am Gaumen erst weich, Toffee, dann etwas würziger, mehr Schärfe. Im Abgang eher länger, allerdings wenige in Erinnerung bleibende Noten. Dem vernichtenden Urteil von Plattfuss kann ich mich definitiv nicht anschließen. Es ist ein netter Blend für den Alltag. Nichts was einen umhaut - bei Gott nicht - aber dennoch ein gut verdauliches Tröpfchen, das nach meinem Geschmack noch etwas weicher sein dürfte. Plattfuss goutierte wohl die leichte Tendenz ins Marzipanig-Süße nicht (welches ich nicht besonders ausgeprägt finde). 40% Vol. Um die 14,- EUR. 

Schließen möchte ich der Jahreszeit angemessen mit einem Rezept für einen Hot Irish Whiskey, direkt von der Webseite von Kilbeggan: Man nehme 2 cl oder 4 cl Whiskey, eine mit vier Nelken gespickte Zitronenscheibe, Zucker nach Belieben sowie heißes Wasser und gebe zuerst den Whiskey und die Zitrone, dann das Wasser und den Zucker in eine Tasse oder ein hitzebeständiges Teeglas. Soll im Winter Wunder wirken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. November 2011. Dann hoffentlich endlich mit dem Artikel zur Trinkkultur der 80er. Wenn nicht, dann mit etwas anderem.