Sonntag, 10. Mai 2020

Quengelware, Folge 11: McIllroy Blended Scotch NAS (40,0% Vol.)

Kurz vor der Maskenpflicht stand ich beim örtlichen Penny-Markt und schaute etwas lustlos an der Kasse herum, als ich plötzlich dieses wunderschön aufgemachte Plastikfläschchen mit echtem schottischem Whisky sah ... sogar eine (schottische?) Burgruine und ein Fantasiewappen zieren das Etikett. Da muss ja der Inhalt noch besser sein? Oder? Oder??

McIllroy ist eine Auftragsarbeit für Penny. Den Vertrieb in Deutschland verantwortet - wenn man das so sagen darf - die Bimmerle KG in 77855 Achern-Mösbach. Kein Nobody, sondern Großhersteller von Obstbränden der Marke Lörch und anderer Spirituosen. Nun, da es ein Scotch ist, haben sie ihn natürlich nur importiert und nicht selbst gebrannt. Sie gönnen ihm auch keinen Eintrag auf ihrer Firmenhomepage; wahrscheinlich wissen sie, warum. Ill heißt im Englischen übrigens "krank": Ich hoffe, das ist kein böses Omen. Es gibt diesen Whisky auch im "richtigen" Großgebinde (0,7 Liter) zu etwa 8,- EUR. Nach Abzug von Kosten für Transport, Flasche, Etikett usw. dürfte nur sehr wenig Geld für den Whisky selber übrig geblieben sein.

Art und Herkunft: Blended Scotch, Schottland.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Blassgelb, eine Farbe wie Weißwein, in der Nase sehr spritig mit wenigen eindeutigen Aromen: Getreidemalz, Vanillin, Backpulver.

Geschmack: Sehr wässriges Mundgefühl und ein unangenehm scharf-ethanolischer Antritt. Kuchenbodenteig. Das war's.

Abgang: Kurz, aber leider mit Nachbrenner.

Fazit/Tipp: Ein günstiger Rachenputzer ohne jegliche Eigenschaften - außer, man zählt Ruppigkeit als Eigenschaft. Hier sind jede Menge Grain Whiskys und nur ganz wenige (junge) Malts am Werke. Geschmacklich gesehen kann man genausogut zu Wodka oder Doppelkorn greifen.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 17. Mai 2020.

Verkostung und Text: Jan B.

Sonntag, 3. Mai 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCIX: Gallivant Maori Madness vs. Brouwersnös Frolijke Frans

Über die Brauerei Brouwersnös, ihre Gründer und ihre internationalen Beteiligungen habe ich vor gut zwei Monaten schon einmal geschrieben, die drei "Querschnittsbiere" von ihnen hat unsere Redaktion damals sehr positiv bewertet. Heute nun noch einmal eines ihrer Standards, das Frolijke Frans: ein Pale Ale, welches von den Brauern als herrlich frisch und fruchtig, etwas bitter mit Nuancen von Mandarinen beschrieben wird. Wir sind gespannt; Plattfuss, der es nicht so mit zitruslastigen Hopfensorten hat, eventuell etwas weniger 😉.

Gallivant aus Hengelo ist hingegen hier im Blog - und im Real Life auch fast noch - ein Newcomer. Das Projekt begann 2018 als geistiges Kind von Pim (damals angehender Journalist), Geert (Kneipier und Hobbybrauer) sowie Freek (studierter Wirtschaftswissenschaftler). Vor genau zwei Jahren und einem Tag kam dann ihr erstes Bier in den gastronomischen Umlauf: es war ein kräftiges Weißbier, welches heute natürlich immer noch im Portfolio zu finden ist, zusammen mit einem Tripel, einem Amber einem Bock und eben dem Maori Madness, einem "Pacific Ale". Ich setze den Begriff hier mal in Anführungszeichen, denn es gab vor ein paar Jahre einen etwas bizarren, aber sehr ernsten Rechtsstreit darüber, ob der Begriff einen bestimmten Bierstil (Pale Ales mit Zutaten aus Ozeanien) beschreibt oder ob es sich um ein geschütztes Markenzeichen einer Brauerei handelt, die einem ihrer Produkte diesen Namen gegeben hatte und behauptete, Käufer würden den Begriff automatisch mit ihrem Produkt in Verbindung setzen. Wer sich für sowas interessiert, kann alles (auf Englisch) hier einmal nachlesen. Auf jeden Fall nennt Gallivant das Bier ein "Pacific Ale", weil es mit Hopfen aus Neuseeland gebraut wird.


Gallivant Maori Madness (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Pacific Ale, Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: Gebraut mit Hopfen aus Neuseeland.

Aussehen und Aroma: Weißgelb mit kleiner Krone. Trüb mit starker Sedimentierung.  In der Nase viel Orangen, Pink Grapefruit, Vitaminbrausetablette. 

Sonntag, 26. April 2020

Sind so kleine Biere, Teil XCVIII: Du Bocq Deugniet (7,5% Vol.)

Die Brauerei Du Bocq aus dem Condroz ist eine von denen, die wir hier noch niemals ausführlich im Blog vorgestellt haben, von der wir aber schon einige Produkte auf den verschiedenen Bierfesten der letzten Jahre probieren durften. Ganze zehn Biere habe ich hier auf der Liste, nur eines (das furchtbar quietschige Agrumbocq) haben wir negativ bewertet; alle anderen haben mindestens eine neutrale oder - in den meisten Fällen - positive Punktzahl.

Die Gründung von Du Bocq geht zurück auf einen Herrn Martin Belot, seines Zeichens Landwirt. Wie die meisten Bauern in früheren Zeiten braute er für sich und sein  Gesinde (Familie, Mägde, Knechte) im Winter, wenn wenig bis nichts auf den Feldern zu tun war, Bier. Damit begann er im Jahre 1858. Nach einiger Zeit merkte er, dass er mittlerweile eher Brauer als Bauer geworden war und machte sich konsequent daran, das Unternehmen weiter auszubauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Brauerei durch Zukauf, blieb aber bis in die Sechzigerjahre hinein zusätzlich noch ein Landwirtschaftsbetrieb. Ab den Fünfzigern ging man Schritt für Schritt dazu über, die eigenen Produkte nicht mehr selbst auszuliefern (einige Ältere werden noch die klassischen - teilweise noch von Pferden gezogenen - Bierwagen in Erinnerung haben) und begann mit dem Verkauf über den Zwischenhandel bzw. über die Gastronomie. Bis zum Jahr 2015 blieb die Firma im Besitz der Gründerfamilie, danach wurde sie an eine andere "Brauerdynastie", die Familie Keersemaekers aus dem flämischen Turnhout verkauft. Die Keersemaekers hatten allerdings auch schon vorher Anteile an Du Bocq: dort wurde ihre eigene Biermarke Corsendonk hergestellt.

Zurzeit stellt Du Bocq neben den eigenen Marken noch ein paar "Fruchtbiere" her, die eher für den Export gedacht sind und unter anderen Namen verkauft werden. Das Kernportfolio umfasst insgesamt 15 verschiedene Biere, mit dem Fokus auf Weißbieren (Blanche de Namur) sowie verschiedenen anderen traditionellen Sorten (in der Reihe Gauloise). Das heute hier vor uns in der großen Flasche stehende Deugniet ("Tunichtgut") ist laut Firmenangaben ein fruchtiges und leicht blumiges Tripel, das Etikett spricht allerdings etwas "durch die Blume" von einem goldblonden belgischem Spezialbier.

Art und Herkunft: Tripel, Belgien (Namur).