Posts mit dem Label Prinzenwappen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Prinzenwappen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. Oktober 2017

Quengelware, Folge 8: Weduwe Visser Vieux Superieur NAS (35% Vol.)

In den Niederlanden, mit ihrer hochpreisigen und restriktiven Schnapspolitik, darf das heutige Tröpfchen, obwohl es in der Halbliterflasche beim örtlichen Gall & Gall in Tilburg stand, dennoch als "Quengelware" bezeichnet werden, denn Spirituosen gibt es bei unseren östlichen Nachbarn nun einmal nicht an der Supermarktkasse oder an der Tanke.

Der Begriff Vieux ist zwar französisch und bedeutet "alt", aber als Bezeichnung für eine Spirituosengattung ist er eine rein niederländische Erfindung. Früher hießen diese Erzeugnisse, wie in Deutschland übrigens auch, noch Cognac. Aber seit es die EG/EU und deren geschützte Herkunftsbezeichnungen gibt ("Cognac" muss aus einer bestimmten Region Frankreichs kommen), ist es damit vorbei. Moderner Vieux ist überhaupt gar kein Weinbrand mehr, sondern eine Spirituose, welche aus Neutralalkohol (Agraralkohol) hergestellt wird, und der man Aromen, Essenzen, Farbstoffe und - mit etwas Glück - auch ab und zu ein Tröpfchen Weinbrand hinzufügt. Laut niederländischem Gesetz muss er mindestens 35 Umdrehungen haben und darf nicht mehr als 20 Gramm Zucker enthalten.

Trotz des traditionell klingenden Namens haben wir heute die Hausmarke von Gall & Gall im Glas. Das kleine Gebinde hat uns stolze 7,99 gekostet. Ein Liter kostet 11,99. Für niederländische Verhältnisse ist das recht wenig; das sollte uns unruhig stimmen.

Samstag, 16. Mai 2015

Quengelware, Folge 3: Prinzenwappen Goldbrand (30% Vol.)

Den heutigen "guten Schluck" habe ich bei Netto - gemäß der Regeln für diese kleine Serie - an der Kasse im Kleingebinde (0,1L) erstanden, natürlich auch für kleines Geld (ein Euro schlachmichtot). Ansonsten kann ich leider nicht allzu viele einleitende Worte sprechen, denn statt einer Angabe über den tatsächlichen Hersteller findet sich nur der Hinweis auf Nettos ureigene Cavelli GmbH aus Worms (keine Website), früher auch unter dem Namen Cavelli Boutique (Mülheim/Ruhr) firmierend. Weitere Recherchen sind auch eher sinnlos, wenn man es nicht gerade liebt, in Handelsregisterauszügen zu schmökern.

Den Prinzenwappen Goldbrand von Cavelli gibt es für einen relativ geringen Obolus auch in der großen Flasche, wobei der niedrige Preis nicht verwundern sollte: Die Kennzeichnung als Spirituose zeigt uns ganz klar, dass hier nicht etwa ein Weinbrand oder ähnliches im Glas werkelt, sondern an und für sich ein Neutralalkohol, der eventuell mit einem kleinen Prozentsatz eines anderen alkoholischen Erzeugnisses (das könnte dann z.B. ein Weinbrand gewesen sein) gemischt bzw. auch aromatisiert wurde.


Art und Herkunft: Spirituose, Deutschland

Besonderheiten: keine

Aussehen und Aroma: dunkles Kupfer, macht einen etwas wässigren optischen Eindruck. Nebenbemerkung: der Schraubverschluss ist sehr fippsig. Im ersten Moment ziemlich aromatisch, wenn auch künstlich wirkend: Buttertoffee, Vanille. Die Aromen verfliegen aber sehr schnell und werden bald spritiger, mit einem leicht muffigen Unterton. Nasse Baumwollsocken.

Geschmack: Sehr dünn, wieder recht künstlich-buttrig. Nach einer Weile merklich bitter. Klebstoff.

Abgang: Mittel bis lang. Die Länge ist der recht überraschend hereinbrechenden Schärfe am hinteren Gaumen geschuldet, die nach dem eher unbeeindruckenden Mittelteil über einen hereinbricht. Am Schluss bleibt an der Zunge ein gänzlich neuer Eindruck haften, etwas wie ... überreife Trauben??

Fazit: Eher für den schnellen Schlucker geeignet, denn seine doch sehr künstlich (und am Ende auch etwas harsch) wirkenden Noten laden nicht gerade zum Verweilen ein. Having said that muss ich dennoch einräumen, dass es wahrscheinlich für den Preis auch noch Schlimmeres gibt.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 23. Mai 2015.

- Euer Tomas Aquinas