Mittwoch, 23. November 2011

Termine Dezember 2011

Lokal/Regional

Osnabrücker Weihnachtsmarkt (Osnabrück, noch bis zum 22. Dezember 2011)

Redaktionelles Jahresend-Rumtrinken (Osnabrück, 31. Dezember 2011)
[interne Veranstaltung]

National

5. Whisky-Botschaft (Rostock, 3. Dezember 2011)

International
(Trentschin, Slowakei, 1. und 2. Dezember 2011)

Kerstbierfeest (Essen, Belgien, 17. und 18. Dezember 2011)

Hogmanay (Edinburgh, Schottland, 31. Dezember 2011)

Interessante Veranstaltung gefunden? Email ans uns, bitte!


Sonntag, 20. November 2011

Kilbeggan NAS

Vor einiger Zeit stand Plattfuss weinend bei mir vor der Tür (naja, eigentlich stimmt das nicht ganz, hört sich aber spannender an) und überreichte mir eine Flasche Kilbeggan. Das machte mich natürlich erstmal stutzig, denn normalerweise muss man ihm alles Flüssige aus den toten, kalten Fingern winden. Aber er hatte ihm wohl nicht gemundet. Auch das treibt mir die Sorgenfalten ins Gesicht. Was soll denn auf unser für nächstes Jahr projektierten Irlandreise werden, wenn dem Herrn der Irish Whiskey nicht schmeckt? Nach dem Paddy war das jetzt schon der zweite Fehlgriff. 

Nun, sei es drum: zurück zum Kilbeggan. Wie ich, glaube ich, schon einmal geschrieben habe, gab es lange Zeit einen Konzentrationsprozess in der irischen Destillerielandschaft. Das ging so weit, dass in den siebziger Jahren sich das gesamte Whiskeygeschäft in den Händen der Irish Distillers Group (IDG) befand. Erst dann setzte wieder eine Diversifizierung ein. Aktuell gibt es erneut vier Brennereien in Irland, nämlich Cooley (die einzige in irischer Hand: Kilbeggan, Tyrconnell, Connemara und Greenore, ein seltener Single Grain Whiskey), Old Bushmills (Diageo: Bushmills White Label, Black Bush, Bushmills Malt 10, 16, 21), New Midleton (Pernod-Ricard: Jameson, Tullamore Dew, Redbreast, Green Spot, Paddy, usw) und Kilbeggan (ehemals Locke's, wiedereröffnet 2007). Wie? Kilbeggan wird gar nicht von Kilbeggan hergestellt? Nein, denn die Whiskeys der "neuen" Brennerei Kilbeggan sind noch nicht bereit für den Verkauf (da erst vor vier Jahren gebrannt), mit Ausnahme von kleinen Sammlereditionen. 

 

Die Marke Kilbeggan wird wie gesagt bei Cooley gebrannt und nur bei Kilbeggan gelagert. Klingt verwirrend? Ist auch so. Bei dem, was als Kilbeggan Irish Whiskey verkauft wird, handelt es sich um eine Komposition von Noel Sweeney, Cooleys Master Blender. Das Produkt hat keine Altersangabe, jedoch muss irischer Whiskey mindestens drei Jahre gereift sein, bevor er sich Whiskey nennen darf.

In der Farbe ist er wie dunkles Stroh, die erste Nase ist durchaus vielschichtig: etwas Holz, etwas Pfeffer, etwas frisches Heu. Am Gaumen erst weich, Toffee, dann etwas würziger, mehr Schärfe. Im Abgang eher länger, allerdings wenige in Erinnerung bleibende Noten. Dem vernichtenden Urteil von Plattfuss kann ich mich definitiv nicht anschließen. Es ist ein netter Blend für den Alltag. Nichts was einen umhaut - bei Gott nicht - aber dennoch ein gut verdauliches Tröpfchen, das nach meinem Geschmack noch etwas weicher sein dürfte. Plattfuss goutierte wohl die leichte Tendenz ins Marzipanig-Süße nicht (welches ich nicht besonders ausgeprägt finde). 40% Vol. Um die 14,- EUR. 

Schließen möchte ich der Jahreszeit angemessen mit einem Rezept für einen Hot Irish Whiskey, direkt von der Webseite von Kilbeggan: Man nehme 2 cl oder 4 cl Whiskey, eine mit vier Nelken gespickte Zitronenscheibe, Zucker nach Belieben sowie heißes Wasser und gebe zuerst den Whiskey und die Zitrone, dann das Wasser und den Zucker in eine Tasse oder ein hitzebeständiges Teeglas. Soll im Winter Wunder wirken.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. November 2011. Dann hoffentlich endlich mit dem Artikel zur Trinkkultur der 80er. Wenn nicht, dann mit etwas anderem.

Dienstag, 15. November 2011

Dickes B

Den Hype um Berlin habe ich irgendwie nie so richtig verstanden ... okay, die Stadt ist laut, bunt, auch ganz spannend - aber das Zentrum ist kalt und leblos: Beton, Glas, Stahl. Das Regierungsviertel um den Reichstag eine aufgehübschte Mondlandschaft mit wenig beeindruckenden Monumentalbauten; fast wünscht man sich die Professoren Troost und Speer zurück. Spannend ist Berlin da, wo die Menschen wohnen und einkaufen. Wo kleine Clubs und Bars auf- und wieder zumachen und kein Hahn danach kräht. Also lass Dir mal wieder ein bisschen Hauptstadtluft um die Nase wehen, war das Motto am letzten Wochenende. 

Eine Gourmet- oder Verkostungsreise war es zwar nicht, aber ein paar schöne Eindrücke und Getränke sind hängengeblieben. Das Kim Qui, ein vietnamesisches Café/Restaurant in der Oranienstraße 168. Lecker Sommerrollen und schöne Nudelgerichte und endlich mal ein Bier, das ich noch auf dem Programm hatte: Saigon. Das Bier wird in Ho-Chi-Minh-Stadt gebraut, in Kooperation mit den deutschen Brauereiexperten des ehemaligen Brauhaase-Konzerns. Wie die meisten asiatischen Biere wird Saigon Export (damit ist aber wohl die Exportqualität gemeint, nicht die Brauart) nicht mit Gerste sondern mit Reis gebraut, was ein relativ mildes Endprodukt ergibt. Ansonsten hat es 4,9 Umdrehungen und schmeckt feinherb und frisch. Serviert wird es - wie in Vietnam üblich - sehr kalt. Kann man ohne Vorbehalte empfehlen

Außerdem war ich in den Galeries Lafayette und stürzte mich sofort in die Feinkost- und Spirituosenabteilung. Leider war ich zu faul und auch zu knapp bei Kasse, sonst hätte ich den ein oder anderen Cognac oder Armagnac erstehen mögen. Whiskys und Rums waren eher unterrepräsentiert (und teurer als üblich), wobei mich ein Platte Valley Corn Whiskey (hergestellt von McCormick) sehr anlachte; ich hatte aber keine Lust, den ganzen Tag eine dicke Steingutflasche mit mir rumzutragen. Muss ich mal online kaufen. 38,- EUR bei den Galeries; gibt es im Internet viel günstiger. 

Dann fuhr ich an der Dunmore Cave vorbei, einem Irish Pub in der Pannierstraße. Seltsamerweise mit einer Leuchtreklame von Kriek St Louis. In der Nähe der Sonnenallee dann noch das Ratzeputz, eine der neueren, minimalistischen Kneipen (minimalistisch heißt: es werden eine Theke, ein paar Tische und Stühle reingestellt und die Hälfte der Glühlampen rausgedreht - presto!). Spezialität des Hauses ist der Ingwerschnaps gleichen Namens aus dem Hause Baland & Langebartels. Scharf, aber bestimmt gesund. Ich hielt mich dann, im Gegensatz zu meinen Begleiterinnen, an ein Glas Jameson Irish Whiskey, weil ich den lange nicht mehr probiert hatte. Kurz zusammengefasst: sehr mild, süß, Vanille. Eher mittlerer Abgang. 
Letztendlich dann noch ein Abstecher in Das Gift, Ecke Weichsel- und Donaustraße, eine ebenfalls minimalistische schottische Kneipe (gehört dem Keyboarder der Band Mogwai, Barry Burns) mit einer akzeptablen, aber nicht aufregenden Auswahl von Single Malts. Zumindest weiß man da, wie ein Single Malt serviert wird: den kleinen Dekanter stillen Wassers gab es anstandslos dazu. Neben einem Laphroaig 10 probierte ich den Ardbeg 10 und war nicht allzu angetan. Alle Eigenschaften seiner älteren Brüder sind in ihm bereits erkennbar, aber für mich ist der Ardbeg nach 10 Jahren einfach noch nicht so weit. Im Aroma Phenol, Zigarrenrauch, auf der Zunge ein süßer Kern (wie auch der Laphroaig), jedoch mehr Aceton und Speck. Im Abgang mittellang, mit Wasser öliger und speckiger. Im Vergleich gefällt mir der Laphroaig besser, da die Note von Räucherspeck im Ardbeg mich etwas irritiert (ist z.B. im Supernova auch vorhanden, jedoch gemildert durch andere Eindrücke). 



Letztendlich noch ein Geheimtipp, der ausnahmsweise mal nicht mit Alkohol zu tun hat: Wer nach Berlin fährt, in der Ecke "Kreuzkölln" unterwegs ist und nach einem originellen Souvenir sucht, sollte sich mal bei Dederon-Design in der Muskauer Straße 45 umtun. Außer spaßig gestalteten Dederon-Taschen gibt es auch noch Frühstücksbrettchen, Retrogeschirr, Sparelefanten wie früher bei der Dresdner Bank und noch so einiges sonst. Reinschauen lohnt sich.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. November 2011. Dann verkoste ich noch einen weiteren irischen Standardwhiskey, nämlich Kilbeggan.