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Samstag, 5. März 2016

Sind so kleine Biere, Teil XXXII: Braufactum Progusta (6,8% Vol.)

Letzten Sommer hat bei uns in der Nähe ein großer Combi-Markt aufgemacht. Klar, am Anfang bin ich öfter mal dagewesen, vor allem als es noch alle möglichen freebies (Sattelschoner fürs Fahrrad, Chips für den Einkaufswagen, Parkscheiben) abzustauben gab. Gehört aber mittlerweile nicht (mehr) zu meinen bevorzugten Anlaufstellen, wenn es um Einkäufe geht. Nicht, weil mit dem Laden etwas nicht in Ordnung wäre. Ich bin halt einfach nur eher ein Discounter-Typ. Aber eigentlich wollte ich ohnehin auf etwas anderes hinaus und dies auch lobend hervorheben: es gibt tatsächlich einen Grund, der mich doch immer wieder, wenn auch nicht oft, zum Combi lockt: die Abteilung mit den Craftbieren. Unter anderem gibt es da nämlich Geuze, sogar Boon. Und das ist in deutschen Supermärkten, selbst nach der Hipsterisierung der Innenstädte, gar nicht mal so selbstverständlich.

In der besagten Craftbiersektion findet sich neben anderen Leckereien auch ein Kühlschrank mit Produkten von Braufactum (oder auch BraufactuM). Deren Pressemappe war mir schon vor einiger Zeit - ich glaube auf dem 1. Osnabrücker Bierfest - in die Hände gefallen. Die Braufactum, deren englischsprachige Webpräsenz ich übrigens gelungener finde, gehört zur Radeberger-Gruppe und wurde 2010 in Frankfurt/Main gegründet. Die beiden Köpfe dahinter sind Thorsten Schreiber und Marc Rauschmann, zwei Männer, die vor vielen Jahren als bescheidene Hobbybrauer begonnen hatten. Das Konzept der beiden beruht auf zwei Säulen: erstens die internationale Kooperation mit anderen Brauereien (z.B. eben Boon, aber auch Brooklyn Brewery oder Firestone Walker), die ihre Biere über die Braufactum in Deutschland vertreiben können, wobei die Produkte noch einmal besonders gekennzeichnet werden, inklusive Einwegpfandmarke übrigens. Das andere, wahrscheinlich noch etwas prestigeträchtigere Standbein sind die Eigenkreationen, die, so wird es leicht verschämt im Kleingedruckten berichtet, nicht in der eigenen Brauerei hergestellt werden, sondern Auftragsarbeiten sind:
Zusätzlich wurden renommierte deutsche Biermacher damit beauftragt, traditionelle, fast vergessene Bierrezepturen - heimische und internationale - zu recherchieren, zu verbessern und zu brauen.
Wo genau, das verraten die Herren Rauschmann und Schreiber leider nicht. Auf jeden Fall gibt es zur Zeit insgesamt acht Biere im Standardsortiment, angefangen beim Scotch Ale mit Namen Clan bis hin zum Roog, einem Rauchweizen. Für die heutige Verkostung haben wir uns das Progusta geholt, ein "klassisches" India Pale Ale im praktischen 750 ml-Gebinde.


Art und Herkunft: IPA, Deutschland

Besonderheiten: Die verwendeten Hopfensorten sind Citra und Hallertauer Mittelfrüh.

Aussehen und Aroma: Bernstein. Trübe. Stabile Krone. Sehr hopfig mit deutlichen Fruchtnoten: Mango, Banane, Aprikose, Mirabelle.

Geschmack: Ebenfalls sehr fruchtig: hauptsächlich Mango und Aprikose. Herbes Nebenthema.

Abgang: Kurzer, aber sehr trockener Abgang. Kaktussaft.

Fazit/Tipp: Plattfuss fand es "überhopft". Ich persönlich fand es eigentlich recht angenehm, es hätte meinetwegen nur etwas kräftiger prickeln können. Wir waren uns aber beide einig, dass es ganz gut trinkbar ist. Zügig austrinken; es steht schnell ab.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 12. März 2016.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 18. Juli 2015

Sommerbiere, Folge 5

Für den (vorläufigen) Schluss unserer kleinen Serie habe ich mir drei amerikanische Biere aufgehoben, alles IPAs, wie das Schicksal will. In Deutschland zirkuliert ja immer noch das Märchen vom "faden amerikanischen Bier" und sicherlich sind die Mainstreamprodukte in den USA nicht besser als die 08/15-Biere hier bei uns. Aber im Bereich der kleinen Crafttbierbrauereien haben die Amerikaner lange mit eine Vorreiterrolle eingenommen und es werden nun schon seit vielen, vielen Jahren hervorragende Dinge in den überseeischen Braukesseln hergestellt.

Die Brooklyn Brewery habe ich zum Beispiel bereits aus meinen Lehr- und Wanderjahren in den Staaten in bester Erinnerung - und das ist nun schon fast ein Vierteljahrhundert her. Gegründet wurde die Firma bereits 1988 und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gab es auch zu meiner Zeit "nur" Brooklyns Ur-Bier, das Lager. Bereits acht Jahre nach der Gründung war man so erfolgreich, dass man den Bau eines größeren und moderneren Brauhauses abschließen konnte. Seit dieser Zeit ist die Brauerei eigentlich keine Microbrewery mehr, jedoch ist die Firma stolz auf die bescheidenen, handwerklichen Anfänge. Mittlerweile ist sie so groß geworden, dass man joint ventures mit Branchenriesen wie Carlsberg u.ä. eingehen kann, ohne jedoch - so hoffen wir - seine Seele dabei dem Teufel zu verkaufen. Heute braut die Brooklyn Brewery eine große Anzahl unterschiedlicher Biere, wie eben dem Brooklyn Lager, den hier besprochenen Brooklyn Blast und East IPA oder auch etwa dem Pilsener. Daneben gibt es eine Fülle saisonaler Produkte wie ein Oktoberfestbier und auch andere "Experimente", unter anderem ein quasi-belgisches "Kriek" (natürlich ohne Lambiek). 

Die Goose Island Beer Co. stammt aus ähnlich kleinen Verhältnissen, öffnete die Tore aber erst 1995 und steht bis heute in Chicago ... der ewigen Rivalin New Yorks. Wie die Firmengeschichte vermeldet, wurde die Idee einer kleinen, lokalen Brauerei geboren, als Gründer John Hall in den 80ern Europa besuchte und feststellte, dass: everywhere I went there would always be a local beer… but not in the U.S. Dem hat er dann abhelfen wollen und presto! Heute produziert seine Firma eine recht große Anzahl von Bieren, allerdings liegt der Schwerpunkt eindeutig bei den Ales. Exportiert wird bis jetzt wohl nur ins Vereinigte Königreich, also muss die Flasche, die ich erstehen konnte, von dort weitergereicht worden sein. Anscheinend weichen übrigens auch die Etiketten der Exportflaschen vom Standard ab, dort ist groß das Logo der Brauerei zu sehen, was bei den Flaschen für den US-Markt nicht immer der Fall ist. Seit 2011 kann Goose Island nicht mehr als Craftbrauerei gelten, da sie von AB InBev geschluckt wurde.





Brooklyn East IPA (6,9% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA

Besonderheiten: Gebraut unter Zusatz von Weizen. Verwendeter Hopfen: East Kent Goldings, Willamette, Northdown, Centennial.

Aussehen und Aroma: Dunkles Honiggelb. Kleine Krone. In der Nase sehr hopfig aber auch sehr fruchtig. Aprikose?

Geschmack: Starker Hopfen. Und wieder die Aprikosen und weitere gelbe Früchte. Später bitterer und "getreidiger". Gerste? 

Abgang: Kurz bis mittel. Bitterer und trockener zum Abschluss.

Fazit/Tipp: Sehr erfrischend, keine bösen Überraschungen. Schön kalt trinken.


Brooklyn Blast! (8,4% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA

Besonderheiten: Eine Vielzahl an verwendeten Hopfensorten (Willamette, Magnum, Cascade, Fuggles, Aurora, Zythos, Bravo, Simcoe, Sorachi Ace, Amarillo, Experiment 6300), aber wie man sieht - (fast) komplett andere als beim East IPA.

Aussehen und Aroma: Kleine Krone, hellgold bis orangefarben. Süßer und frischer als das East IPA. Deutliche Zitrusnoten.

Geschmack: Weich und eher blumig bis fruchtig. Später herber und frischer. Orangenschale.

Abgang: Kurz bis mittel und sehr trocken. Hinterlässt zum Schluss eine leicht pelzige Zunge.

Fazit/Tipp: Für den höheren Alkoholgehalt erstaunlich mild und leicht im Geschmack. Etwas "sommerlicher" als sein oben beschriebener Bruder.


Goose Island IPA (5,9% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Goldfarben, kleine feste Krone. Hopfig, mit einem säuerlichen Einschlag. Molke?

Geschmack: Anders als erwartet. Bitter bis säuerlich. In der zweiten Hälfte kommen deutliche schweflige und metallische Noten hinzu.

Abgang: Mittellang. Die Bitterkeit steht lange nach.

Fazit/Tipp: Ein überraschend "schwieriges" Sommerbier. Deutlich bitterer und weniger fruchtig als die beiden aus der Brooklyn Brewery.

Gesamtfazit: Zum Schluss haben wir innerhalb der Redaktion versucht, eine Favoritenliste aus den Ergebnissen unseres diesjährigen Sommerbiertests zu gewinnen. Am Ende waren wir uns ziemlich einig:

1. Brooklyn Blast!

2. Brooklyn East IPA / Seef Bier

4. Scotch C.T.S.

5. Meantime India Pale Ale

6. Bass Pale Ale

7. Goose Island IPA

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 24. Juli 2015. Dann mal wieder was anderes als Bier.

- Euer Tomas Aquinas