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Sonntag, 13. Juni 2021

Herren Premium (Getränke Hoffmann, Blankenfelde)

Neulich war Plattfuss und mir langweilig und wir brauchten neues Bier für "zwischendurch". Wir also rein in den Crossover-SUV und ab zu Getränke Hoffmann in Osnabrück (Bramscher Straße). Wir wollten schon immer mal deren Hausmarke Herren Premium versuchen, denn bekanntlich stehen wir ja bei Blog Blong Dring für schonungslosen Aufopferungswillen im Dienste des Trinkens im Allgmeinen und Besonderen.

Getränke Hoffmann ist schon so etwas wie ein Superlativ an sich: es ist mittlerweile wohl die größte deutsche Kette von Getränkemärkten und gehört seit den späten 1980ern zur Radeberger Gruppe (dem größten deutschen Brauer), die wiederum zur Dr. August Oetker KG - einem der "größten international tätigen deutschen Familienkonzerne" (Wikipedia) - gehört. Selbstverständlich hat man da auch eigene Handelsmarken, wie eben das Herren Premium, von dem es vier Sorten gibt: Pils, Export, Weizen, Radler. Letzteres haben wir mal im Regal stehen lassen, die anderen verkosten wir heute mal. Die Marke "Herren", so habe ich in einem recht interessanten Beitrag bei Werben & Verkaufen gelesen, gibt es wohl schon seit Gründung von Getränke Hoffmann (1966), aber sie wurde wohl 2015 (als der Artikel erschien) gerade "aufgewertet", wie das in Marketingkreisen wohl heißt. Damaliger (?) Claim anscheinend: "Trinken mit Stil".

Gebraut wird Herren übrigens - wie man verschiedenen Ortes nachlesen kann - nicht "bei Radeberger" (= in Radeberg), sondern bei der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Berlin.


Pils (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Pils, Deutschland (Berlin).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Hellgelb mit einer Minikrone. Nullkommanull Aromen im Riechorgan.

Geschmack: Recht herber Antritt mit seifigen Ausläufern. Sonst wenig.

Abgang: Mittellang und etwas trockener.

Fazit/Tipp: Trinkbar, aber im Vergleich zum Werbetext ("Im Pilsglas bildet das feinherbe Pils eine feste Schaumkrone und verwöhnt den Gaumen seiner Trinker –  vom spritzigen Einstieg bis zum würzigen Abgang") doch eher ziemlich unspektakulär.


Export (5,2% Vol.)

Art und Herkunft: Export, siehe oben.

Besonderheiten: -

Sonntag, 10. Februar 2019

Mythos Hellenic Beer (4,7% Vol.)

Was hat Plattfuss bloß mit griechischem Bier? Als Gastgeber unserer schon mehrfach erwähnten feuchtfröhlichen Redaktionskonferenz (deren Chronist ich nolens volens geworden bin) stellte er gegen Mitte des Abends mit kulantem Ausdruck diese grünen Döschen unbekannten Inhalts vor uns ab und machte stumme - wenn auch aufmunternde - Gesten.



Vor gut anderthalb Jahren hatte er es ja schon einmal bei uns versucht - zumindest bei Jan erfolgreich, denn der hat damals über das Atalanti Hellas tatsächlich etwas schreiben "dürfen". Nun also das Mythos. Eines der bekanntesten griechischen Standardbiere, wenn man sich so umhört. Die produzierende Brauerei, die ebenfalls so heißt, hat - wie das in Griechenland anscheinend üblich ist, keinerlei "fremdsprachigen" Webauftritt. Die stolzen Hellenen halt, nicht wahr? Die recht krude Übersetzung durch Google Chrome verrät mir auf jeden Fall, dass die Firma im Jahre 1968 als griechische Tochter der deutschen Henninger-Bräu aus Frankfurt-Sachsenhausen gegründet wurde. Die Marke Mythos wurde aber erst nach dem Ende von Henninger Griechenland (1997) eingeführt. Da die Brauerei mittlerweile zu Carlsberg gehört, werden dort auch entsprechende Biere in Lizenz gebraut. An die deutsche Tradition des Unternehmens erinnern noch heute die Biere Henninger und Kaiser (Markenrechte liegen bei der Radeberger Gruppe).

Samstag, 5. März 2016

Sind so kleine Biere, Teil XXXII: Braufactum Progusta (6,8% Vol.)

Letzten Sommer hat bei uns in der Nähe ein großer Combi-Markt aufgemacht. Klar, am Anfang bin ich öfter mal dagewesen, vor allem als es noch alle möglichen freebies (Sattelschoner fürs Fahrrad, Chips für den Einkaufswagen, Parkscheiben) abzustauben gab. Gehört aber mittlerweile nicht (mehr) zu meinen bevorzugten Anlaufstellen, wenn es um Einkäufe geht. Nicht, weil mit dem Laden etwas nicht in Ordnung wäre. Ich bin halt einfach nur eher ein Discounter-Typ. Aber eigentlich wollte ich ohnehin auf etwas anderes hinaus und dies auch lobend hervorheben: es gibt tatsächlich einen Grund, der mich doch immer wieder, wenn auch nicht oft, zum Combi lockt: die Abteilung mit den Craftbieren. Unter anderem gibt es da nämlich Geuze, sogar Boon. Und das ist in deutschen Supermärkten, selbst nach der Hipsterisierung der Innenstädte, gar nicht mal so selbstverständlich.

In der besagten Craftbiersektion findet sich neben anderen Leckereien auch ein Kühlschrank mit Produkten von Braufactum (oder auch BraufactuM). Deren Pressemappe war mir schon vor einiger Zeit - ich glaube auf dem 1. Osnabrücker Bierfest - in die Hände gefallen. Die Braufactum, deren englischsprachige Webpräsenz ich übrigens gelungener finde, gehört zur Radeberger-Gruppe und wurde 2010 in Frankfurt/Main gegründet. Die beiden Köpfe dahinter sind Thorsten Schreiber und Marc Rauschmann, zwei Männer, die vor vielen Jahren als bescheidene Hobbybrauer begonnen hatten. Das Konzept der beiden beruht auf zwei Säulen: erstens die internationale Kooperation mit anderen Brauereien (z.B. eben Boon, aber auch Brooklyn Brewery oder Firestone Walker), die ihre Biere über die Braufactum in Deutschland vertreiben können, wobei die Produkte noch einmal besonders gekennzeichnet werden, inklusive Einwegpfandmarke übrigens. Das andere, wahrscheinlich noch etwas prestigeträchtigere Standbein sind die Eigenkreationen, die, so wird es leicht verschämt im Kleingedruckten berichtet, nicht in der eigenen Brauerei hergestellt werden, sondern Auftragsarbeiten sind:
Zusätzlich wurden renommierte deutsche Biermacher damit beauftragt, traditionelle, fast vergessene Bierrezepturen - heimische und internationale - zu recherchieren, zu verbessern und zu brauen.
Wo genau, das verraten die Herren Rauschmann und Schreiber leider nicht. Auf jeden Fall gibt es zur Zeit insgesamt acht Biere im Standardsortiment, angefangen beim Scotch Ale mit Namen Clan bis hin zum Roog, einem Rauchweizen. Für die heutige Verkostung haben wir uns das Progusta geholt, ein "klassisches" India Pale Ale im praktischen 750 ml-Gebinde.


Art und Herkunft: IPA, Deutschland

Besonderheiten: Die verwendeten Hopfensorten sind Citra und Hallertauer Mittelfrüh.

Aussehen und Aroma: Bernstein. Trübe. Stabile Krone. Sehr hopfig mit deutlichen Fruchtnoten: Mango, Banane, Aprikose, Mirabelle.

Geschmack: Ebenfalls sehr fruchtig: hauptsächlich Mango und Aprikose. Herbes Nebenthema.

Abgang: Kurzer, aber sehr trockener Abgang. Kaktussaft.

Fazit/Tipp: Plattfuss fand es "überhopft". Ich persönlich fand es eigentlich recht angenehm, es hätte meinetwegen nur etwas kräftiger prickeln können. Wir waren uns aber beide einig, dass es ganz gut trinkbar ist. Zügig austrinken; es steht schnell ab.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 12. März 2016.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 31. Oktober 2015

Zirndorfer Landbier (5,0% Vol.)

Eigentlich hatte ich ja vor, als mir das auf Traditionsbier gemachte Zirndorfer in die Hände fiel, die nunmehr 27. Folge von Sind so kleine Biere in Angriff zu nehmen, aber dann musste ich feststellen, dass die Brauerei Zirndorf im schönen Frankenlande mitnichten eine kleine, aber feine Familienklitsche ist, sondern - mit dem Umweg über die Tucher Bräu zur Radeberger Gruppe gehört. Vor Ort wird allerdings immer noch gebraut, selbst einige der Biere unter dem Markennamen Tucher sollen hier entstehen.

Gegründet wurde das Brauhaus Ende des 17. Jahrhunderts mit markgräflichem Privileg. Insgesamt umfasst das Portfolio zurzeit vier Produkte: neben dem heute verkosteten "typisch fränkischen" Landbier gibt es auch noch ein Weizenbier, ein Kellerbier und ein auf letzterem basierendes Radler. Bevor die Verkostung startet, möchte ich zu bedenken geben, dass "Landbier" kein standardisierter Biertyp, sondern eher ein Marketingbegriff ist, unter dem sich viele recht unterschiedliche Biere tummeln. Manche Exportbiere nennen sich so. Oder Naturtrübe. Oder Biere nach traditioneller Rezeptur. Zirndorf beschreibt das Bier folgendermaßen:
Nach alt-fränkischer Tradition gebraut ist es besonders süffig. Feinhopfig und mit bernsteinfarbenen Glanz ist Zirndorfer Landbier in den bayrischen Landgaststätten beheimatet. Als Gaumenfreude serviert, passt es ideal zu deftigen Speisen. Ein Muß (sic!) bei jedem Stammtisch. 

Art und Herkunft: "Landbier" (Export/Helles), Bayern

Aussehen und Aroma: Bernsteinfarben mit orangefarbenen Reflexen. Mittlere und feste, jedoch flüchtige Krone. Deutlich malzig mit einigen Röstaromen. Frisch geschnittenes Brot? Vielleicht ein bisschen heller Honig?

Geschmack: Nur schwach kohlensäurelastig und relativ süß im Antritt. Nur sehr leicht herb aber deutlich malzig mit einer ganz, ganz leichten Kaffeenote. Ein fruchtiges Thema ist dezent im Hintergrund, schwer zu definieren. Quitte?

Abgang: Eher kurz und unauffällig. Der fruchtige Hauch bleibt noch ein wenig hängen.

Fazit/Tipp: Ein gut trinkbares, nicht anstrengendes Bier für alle Tage. Keine bösen Überraschungen aber auch keine himmlischen Höhepunkte. Ein eher typisches Helles, eventuell ein bisschen interessanter als vergleichbare Durchschnittsprodukte. Für mich ganz persönlich dürfte es mehr Kohlensäure sein.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 7. November 2015.

- Euer Tomas Aquinas