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Sonntag, 22. März 2020

Einsendungen, Folge 12: Bunnahabhain Staoisha 5 J. 2014/2020 (60,4% Vol.) (Whic War of the Peat III of XIII)

Eine echte Premiere im Blog heute: wir haben hier noch niemals - in all den Jahren nicht - einen Whisky von Bunnahabhain verkostet. Warum nicht? Gute Frage. Wahrscheinlich, weil Bunnahabhain als eine der "weniger torfigen" Destillerien von Islay gilt, wobei dieser Ruf offensichtlich nicht so ganz begründet ist, wenn er nun schon in der War of the Peat-Reihe von Whic auftaucht (und auch schon wieder ausverkauft ist). Jedenfalls ist ja unsere Redaktion schon seit geraumer Zeit stramm auf Torf-Kurs, sodass wir die Brennerei aus Port Askaig bislang vielleicht nicht ganz so stark beachtet haben.

Whisky von Bunnahabhain wurde zum ersten Mal im Jahre 1883 hergestellt. In den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts war die Destillerie einige Zeit lang geschlossen; das Flaggschiff der Firma - den zwölfjährigen Single Malt - gibt es erst seit 1979. Nach mehreren Besitzerwechseln gehört das Unternehmen seit nunmehr sieben Jahren zur südafrikanischen Distell-Gruppe (unter anderem auch Tobermory und Deanston). Seit 2010 werden die Whiskys nicht mehr kaltfiltriert oder gefärbt. Zu finden sind sie unter anderem in bekannten Blended Scotches wie Black Bottle oder Cutty Sark.

Ich tue mich schwer damit, den Staoisha (der nach einem in der Nähe der Brennerei gelegenem See benannt ist) als Originalabfüllung zu finden. Wird er eventuell nur an bzw. über Unabhängige abgegeben? Die ersten hundert Treffer oder so auf Google sind jedenfalls meistens Abfüllungen von Signatory oder von Ultimate Whisky. Naja, und jetzt halt von Whic.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay.

Sonntag, 7. September 2014

Ledaig Mull-a-Mhoine NAS vs Black Corbie Ledaig 2005/2013

Die Insel Mull gehört zu den Inneren Hebriden, liegt aber um einiges weiter südlich an der schottischen Westküste als ihre große Schwester Skye. Der Name Mull ist nicht gälischen Ursprungs, sondern geht auf ein altnorwegisches Wort zurück, denn die Hebriden gehörten im Mittelalter lange Zeit zum sagenumwobenen Königreich der Inseln, in dem sich nordische und keltische Herrscher abwechselten.

Genauso wie auf Skye gibt es auch auf Mull nur eine einzige Whiskybrennerei, in diesem Fall Tobermory. Sie gehörte ursprünglich zu den Wenigen, die vor der Legalisierung der Whiskyproduktion (Excise Act von 1823) gegründet wurde, nämlich bereits Ende des 18. Jahrhunderts; damals unter dem Namen Ledaig (ausgesprochen "Lettschick"). Dafür schloss sie dann aber auch schon 1837 wieder die Pforten, für gut vierzig Jahre. Von 1878 bis 1930 wurde wieder gebrannt, von 1930 bis 1972 wieder nicht, von 1972 bis 1975 doch wieder, von 1975 bis 1978 denn wieder nicht, von 1978 bis 1982 aber hallo, von 1982 bis 1989 nüschte. Oj Gewalt. "Rauf und runter, wie das assyrische Imperium", wie es bei Monty Python so schön heißt. Endlich (!) kaufte Burn Stewart die Destillerie, und denen gehört sie auch immer noch (wenn auch die Mutterfirma mittlerweile von einer internationalen Investorengruppe "geschluckt" wurde). Die Namen Tobermory und Ledaig stehen heute jeweils für die ungetorften bzw. torfigen Single Malts von Mull. Nach der Produktion werden die Whiskys an zwei weitere Brennereien von Burn Stewart weitergereicht: bei Deanston werden sie abgefüllt und bei Bunnahabhain lagern sie. Die Hausabfüllungen sind überschaubar: vom Tobermory gibt es derer drei (10, 15, 19), vom Ledaig nur zwei (10 und 16). Ein zehnjähriger Ledaig kostet in der Regel zwischen 33,-und 37,- EUR.

Heute vergleichen wir jedoch zwei unabhängige Abfüllungen, genauer gesagt. einen Achtjährigen und einen ohne Altersangabe. Hinter dem Firmennamen Mull-a-Mhoine (wenig aussagekräftige Webpräsenz) steht oder stand die Whiskymax Event UG in Mainhausen (Handelsregistereintrag aus 2009); diese Firma wurde allerdings 2014 aus dem Handelsregister wieder gelöscht, scheint aber immer noch aktiv zu sein. Wie dem auch sei. [Update: Nach längeren Recherchen vermute ich eine Umstrukturierung als Grund für die Löschung aus dem HR; auf der Webpräsenz der Whiskymax zeichnet mittlerweile eine Whiskymax Activities verantwortlich] Zuerst dachte ich, der Abfüller sei der selbe wie der des Finlaggan, wegen der ähnlichen Aufmachung der Verpackung, aber das kann dann ja nicht sein. Die sogenannte Robert Butler Selection mit 40 Umdrehungen (es gibt sie auch noch mit 46 und 56 Vol.) kostet normalerweise so um die 30,- EUR, teilweise ist sie auch noch etwas günstiger.

Sozusagen am anderen Ende der Skala angesiedelt ist der Ledaig von Black Corbie, ebenfalls eine "deutsche" Abfüllung der Rolf Kaspar GmbH in Düsseldorf. Deren Sortiment umfasst nicht nur Whisky, sondern zum Beispiel auch Wein und andere Spirituosen. Zur Serie Black Corbie ("Schwarze Krähe") ist auf jeden Fall anzumerken, dass alle Whiskys in Fassstärke abgefüllt, nicht gefärbt und nicht kaltfiltriert sind. Darüber hinaus handelt es sich durchweg um Single Casks, der heute verkostete Ledaig war aus dem Fass 800102 und die 123. von nur 300 Flaschen. Soviel Exklusivität hat natürlich ihren Preis - sollte man meinen - und daher habe ich auch für das gute Fläschchen letztes Jahr in München so knapp 57,- EUR hingelegt.



Ledaig Mull-a-Mhoine NAS (40% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Islands (Mull)

Aussehen und Aroma: Hellgolden. Geruchlich sehr lecker: exotische Zitrusfrüchte, Blutorange, Physalis, Rhabarber, Mirabellen. Deutlich feuriger Torf.

Geschmack: Weich und samtig. Sehr erdig, wie eine Schaufel voll Torf, die man in den Mund geworfen bekommt. Leicht süßliches Nebenthema, helles Karamellbonbon.

Abgang: Mittellang, leicht kreidig. Scharfer Chilinachbrenner, erinnert hier ein bisschen an Talisker.

Fazit: Sehr fruchtig und torfig im Charakter, erdig im Geschmack. Wer beim Whiskytrinken einen dicken Tritt braucht, ist hier - auch preislich - bestens bedient.



Black Corbie Ledaig 2005/2013 (60,6% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt (Single Cask), Islands (Mull)

Aussehen und Aroma: Sehr hell-gelblich. Extrem torfig und erdig. Holzfeuer, geräucherter Schinken, Wacholder. Daneben noch angenehme Vanilledüfte.

Geschmack: Ein sehr direkter Antritt, sofort stehen auf der Zunge Salz und Tabasco. Prickelnd, fast schon moussierend am Gaumen. Im Mittelteil versöhnliche Töne von Waldhonig. Frucht (Johannisbeeren) zeigt sich erst spät, aber deutlich. Torf, Torf, Torf.

Abgang: Lange den Mund ausfüllend. Heiß.

Fazit: Ein sehr mächtiger Tropfen, allerdings hervorragend komponiert. Bei über 60 Umdrehungen braucht man auf Wasser nicht zu verzichten. Der Black Corbie ist dann etwas (!) milder, die Süße kommt aber stärker durch. Dass er im Sherry-Refill-Butt lagerte, merkt man nur so ein wenig.

Gesamtfazit: Beides sind sehr gut gemachte Whiskys, die sicherlich ihre Käufer begeistern können - vorausgesetzt, diese mögen Torf. Für knapp unter 30,- EUR ist der Mull-a-Mhoine schon praktisch ein must have, ähnlich wie der Black Corbie im höheren Segment. Bemerkenswert an diesem ist, wie er auch noch die letzten Torfreserven mobilisiert, obwohl er offiziell nicht wirklich mit einer gigantischen ppm-Zahl protzt. Es ist am Ende nicht nur so, als ob man die oben angesprochene "Schaufel Torf" in den Mund bekommen habe, sondern auch, als ob man anschließend noch kopfüber in ein Torfmoor gefallen wäre. Chapeau!

In der nächsten Woche haben wir endlich unsere jährlichen Redaktionsferien und machen uns auf die Jagd nach neuen Rezensionsobjekten. Daher erscheint der nächste planmäßige Beitrag erst in zwei Wochen, am 20. September 2014.



Samstag, 23. März 2013

Port Askaig 25 J. (45,8% Vol.)

Port Askaig, ist, wie der Name schon sagt, ein Hafen ... und zwar auf der Insel Islay. Ich sage mit Absicht nicht: "eine Hafenstadt", denn der Ort hat nur etwas unter 1.000 Einwohner. Allzuviel zu tun gibt es dort auch nicht, wenn man nicht gerne wandert; allerdings liegen zwei bekannte Brennereien in der Nähe, nämlich Caol Ila und Bunnahabhain, welche man sich natürlich anschauen sollte, falls man schon mal in der Gegend ist -womit durchaus zu rechnen ist, wenn man Islay besucht, denn Port Askaig ist der zentrale Fähranleger, mit Verbindungen zum Festland (Oban) und auf die Insel Jura (ich glaube, dass es sogar die einzige Verbindung nach Jura ist).

Nun gibt es ja auch einen Bastard Malt namens Port Askaig (als Bastard Malt bezeichnet man Malts, die von großen Brennereien stammen, jedoch von unabhängigen Abfüllern unter eigenem Namen verkauft werden - womit sie sich von den Whiskys unterscheiden, welche die unabhängigen Abfüller unter dem Namen der Ursprungsdestillerie vermarkten). Die Bezeichnung deutet also auf den Verdacht hin, dass die Brennereien hier ihre "ungeliebten Kinder" unters Volk bringen möchten. Muss aber nicht so sein, wie ich schon einmal ausgeführt habe. Es ist durchaus von Vorteil für die Firmen, mehr von ihrem Whisky umzusetzen, aber eventuell möchte man seinen eigenen Originalprodukten nicht im selben (oder auch in einem anderen) Preissegment Konkurrenz machen. Ähnliches gibt es im Automobilsektor, wo ein und dasselbe Fahrzeug für unterschiedliche Preise unter zwei oder drei verschiedenen Markennamen (Toyota Aygo, Citroen C1, Peugeot 107) angeboten wird.

Wie auch immer. Sobald die Marke Port Askaig von Speciality Drinks auf den Markt kam, ging das Rätselraten los, was denn wohl drin sei. Von der Namensgebung boten sich ja Bunnahabhain oder Caol Ila an, rein theoretisch könnte es sich aber auch sonst um jeden  Single Malt von Islay handeln. Die meisten Beschreibungen gehen meines Wissens von Caol Ila aus; so wichtig finde ich diese Frage aber auch immer nicht.

Die Firma Speciality Drinks Ltd (SDL) sitzt jedenfalls in London und der derzeitige Geschäftsführer ist ein Herr Sukhinder Sawhney, sein Stellvertreter ein Herr Rajbir Sawhney. Natürlich sind es zwei Brüder - wie deren Geburtsdaten (1969 und 1971) es auch nahelegen - und bereits seit 1991 gemeinsam im Business. Bei der Herstellerangabe von Port Askaig liest man auch oft den Namen The Whisky Exchange, was weiter nichts schadet, da dies ein Tochterunternehmen der SDL ist, sozusagen deren Internetfilliale. Die Firma füllt selbst im wesentlichen vier unterschiedliche Reihen ab: The Single Malts of Scotland (seit 2005, verschiedene Jahrgänge bekannter Destillerien), Elements of Islay (wie ein Chemiebaukasten aufgemachte Serie von Brennereien der Insel, die zwar nicht genannt, aber anhand des Flaschenaufdrucks wie Ar(dbeg), C(aol) I(la), Br(uichladdich), ... ziemlich leicht erraten werden können), Black Tot (ein Navy Rum) sowie eben den Port Askaig. Zur Zeit umfasst die Marke einen 17jährigen, den heute besprochenen 25jährigen, einen 30jährigen sowie den Cask Strength ohne Altersangabe. Da die Whiskys nicht kühlfiltriert oder gefärbt sind, können die verschiedenen Chargen farblich voneinander abweichen.



Art und Herkunft: Single Malt, Islay

Aussehen und Aroma: Er ist als hellgelb anzusprechen und macht einen recht viskosen Eindruck im Glas. Eine staubig zu nennende Nase, mit Tabak und Zigarrenasche. Bootslack, später etwas Zitrone.

Geschmack: Salz und Meeresluft, etwas müde. Trocken im Mund, eine scharfe pflanzliche Note (Eukalyptus).

Abgang: Lang, im Nachbrenner einige Schärfe.

Fazit: Hmmmm. Kein schlechter Tropfen, sogar recht annehmbar. Für meinen Geschmack jedoch insgesamt etwas zu trocken und ohne rechte Durchschlagskraft (außer zum Ende hin). Ein weiterer Beweis dafür, dass das Alter bei einem Whisky nicht immer ein Qualitätsmerkmal sein muss. Der 17jährige soll wohl mehr Biss haben. Nett, ihn mal getrunken zu haben ... den Preis von um die 100,- EUR, der mittlerweile im Onlinehandel ausgerufen wird, finde ich allerdings ... ambitioniert, um mal eine neutrale Floskel zu verwenden.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. März 2013.



Samstag, 23. Februar 2013

Battle of the Blends: Black Bottle NAS (40% Vol.) vs Cutty Sark NAS (43% Vol.)

Vor langer, langer, Zeit - als die Menschen in Mitteleuropa noch glücklich waren und an den kleinen Dingen des Lebens Freude hatten (also in den 80ern) - da kannten diese Menschen, von ein paar Ausnahmen abgesehen, gar keinen Single Malt Whisky. Die Ausnahmen dürften damals ein paar Afficionados gewesen sein, die durch langen und intensiven Kontakt mit der britischen bzw. schottischen Kultur auf den Trichter gekommen waren, dass es im Leben noch etwas anderes gab als Johnnie Walker und Ballantine's. Natürlich fand man auch damals schon in gut sortierten Bars oder Spirituosengeschäften den unvermeidlichen Glenfiddich oder auch mal einen Glenlivet - aber danach wurde es dann auch schon zappenduster im sprichwörtlichen Karton (ich bin übrigens gar nicht sicher, dass es heißt "zappenduster im Karton" ... muss es nicht eher heißen: "es rappelt im Karton"? ... eh wurscht).

Und eigentlich war das auch der Zustand, wie ihn die Destillerien kannten und bis zu einem gewissen Grad auch wollten. Die Mehrzahl ihrer Single Malts floss - zusammen mit irgendwo gebranntem Grain Whisky - in die große Masse der Blends, und damit gut. Der große Hype um den Single Malt, gepaart mit astronomischen Summen für die Destillate, Fanclubs, Maltheads und Blogs, die sich dem Thema widmeten (ich hoffe, das war jetzt nicht zu selbstreferenziell), begann eigentlich erst Ende der 90er, eher sogar noch nach der Jahrtausendwende. 

Nun weiß jeder, der in diesem Blog schon einmal gestöbert hat, dass ich den Snobismus vieler Whiskyenthusiasten gegenüber den Blends nicht unbedingt teile. Das Blending ist eine durchaus ehrwürdige Tradition aus dem 19. Jahrhundert, die indirekt auch das Überleben der Single Malts gesichert hat, da deren stetiger Zustrom ja für die Produktion der Blends unerlässlich war. Darüber hinaus muss man auch anerkennen, dass - ganz besonders im Bereich der hochwertigen Blends, bei denen der Anteil und die Vielfalt der enthaltenen Single Malts beträchtlich sein kann - der Beruf des Master Blenders, der dafür verantwortlich ist, die verschiedenen Brände zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen, genau so anspruchsvoll ist wie der des Malt Masters, der dies bei der Komposition eines Single Malt tut. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Single Malts der Vergangenheit sich durchaus von denen der Gegenwart unterschieden. Sie waren durchgängig rauer, weniger ausgewogen und kräftiger als heute. Selbst jemand, der sich als Liebhaber der Materie versteht, dürfte von einem unverschnittenen Malt - sagen wir der 1830er - durchaus unangenehm überrascht werden. Insofern war die Entwicklung des Blended Scotch nur folgerichtig, denn sonst hätte der Whisky niemals seinen Siegeszug um die Welt antreten können sondern wäre ein Nischenprodukt für Einheimische und Sonderlinge geblieben.

Aber genug der Theorie. Wer sich noch nicht so genau auskennt mit den Unterschieden zwischen Single Malt und Blend, kann sehr gerne zwischendurch auch mal diesen Grundlagenartikel zum Thema durchlesen. Das Klassenziel für heute lautet auch nicht: Überzeuge alle Maltheads von den Vorzügen der Blends sondern: Finde einen guten Alltagsblend für Tomas Aquinas' Hausbar. Warum? Ganz einfach: erstens ist mir einfach danach, lieber Leser ... mal einen guten, aber unkomplizierten Schluck für einen Schlummertrunk oder für die Abende, an denen die Wahl zwischen Laphroaig und Caol Ila einfach zu schwer ist. Und zweitens: man hat ja mal auch Gäste, die nicht unbedingt immer gleich einen mit der Torfschaufel übergebraten kriegen möchten ... eben darum. Wir veranstalten also ein Blend-Casting, um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben. Nicht zu banal soll er sein und nicht zu kantig (dann hätte er ja seinen Zweck als Blend verfehlt). Nicht zu billig und nicht zu teuer. Keine Discounterware, aber gut erhältlich. Darum habe ich mal ins Getränkemarktregal gegriffen und zwei Bewerber mitgenommen, die beide in etwa gleich viel kosten: Black Bottle sowie Cutty Sark (beide um die 18,- EUR und ohne Altersangabe). Stellen wir die Kontrahenten doch einmal kurz vor:

Die Marke Black Bottle wurde bereits 1879 von den drei Brüdern Graham gegründet, die - und das hört man bei Geschichten über Whisky mit Tradition öfter - sowohl mit Tee als auch mit Alkoholika handelten. Firmensitz war damals Aberdeen und der Blend bestand aus regionalen Whiskys, die - nach dem, was man so hört - ziemlich harsch schmeckten. Der Markenname kommt übrigens tatsächlich daher, dass man zur Abfüllung bis 1914 Flaschen aus schwarzem Glas verwendete, die in Deutschland hergestellt wurden. Mit Beginn des 1. Weltkrieges stieg man dann natürlich auf (grüne) Flaschen um, welche in leicht abstrakter Form eine Brennblase darstellen sollen. Die Firma selbst ist seit langem schon nicht mehr in Familienbesitz. Anfang der Neunziger wurden die Markenrechte von Allied Distillers übernommen, welche auch die Rezeptur  änderten. Das ist wichtig zu wissen: wenn irgendwo noch Flaschen von vor dieser Zeit rumfliegen, ist nicht das selbe drin wie heute. Allied Distillers ging dann 2005 an Pernod Ricard, aber die Marke Black Bottle befindet sich aktuell in den Händen von Burn Stewart (Bunnahabhain, Ledaig, usw). Früher gab es ferner eine zehn- und eine fünfzehnjährige Abfüllung, aber nur der Blend ohne Jahresangabe ist zur Zeit noch im Verkauf. Angeblich befinden sich Malts von "allen sieben Brennereien von Islay" (Kilchoman hat man wohl noch nicht auf der Rechnung, mangels Masse - ebenso die sich noch im Bau befindende "neue" Port Charlotte). Und natürlich noch ein paar Speysides, eventuell Glenrothes.


Cutty Sark war lange (und damit meine ich sehr lange Zeit) der Aushängeschild-Blend von Berry Brothers and Rudd (BBR) in London. Ich finde diese Firma so interessant und sie bietet so viele verschiedene Alkoholika an, dass ich ihr eines Tages einen eigenen, langen Artikel widmen möchte. Und darum heute wirklich nur die allernötigsten Fakten: Bei BBR handelt es sich um die älteste noch existierende Wein- und Spirituosenhandlung in Großbritannien (gegründet 1698) und das Stammhaus befindet sich immer noch am selben Ort wie damals (St James Street Nr. 3, London). Besonders interessant ist die Firma wegen ihrer sehr großen Auswahl an Hausabfüllungen von Single Malts, aber auch von anderen Spirituosen wie z.B. Rum. Cutty Sark war - wie gesagt - sehr lange Jahre der Hausblend und verfügt(e) dementsprechend über ein sehr großes Prestige. Anno 1923 entschieden die beiden Teilhaber der Firma, Francis Berry und Hugh Rudd, dass sie ihren Kunden gerne einen Blend anbieten wollten; sie empfanden die damaligen Produkte jedoch als zu schwer und kräftig. Es sollte also ein Whisky kreiert werden, der auch den Weinliebhabern (welche die Hauptklientel von BBR stellten) schmecken würde, also ein eher leichter, feiner Tropfen. Verzichten wollte man auch auf die damals und heute übliche Färbung mit Zuckerkulör bzw. Karamell. Der Name wurde zu Ehren eines des schnellsten Segelschiffe des 19. Jahrhunderts gewählt und bedeutet so viel wie "knappes Hemdchen" (die Galionsfigur des Schiffes zeigt eine spärlich bekleidete junge Frau) im schottischen Lowland-Dialekt. Laut Firmenangaben besteht der Whisky hauptsächlich aus Speyside Malts, in anderen Quellen findet man häufig als Lead Whiskys Bunnahabhain (einen traditionell weniger rauchigen Islay-Malt) sowie ebenfalls den oben genannten Glenrothes. Neben der Standardabfüllung gibt es auch noch den Storm sowie einen 12-, 18- und 25-jährigen (Tam O'Shanter). Seit 2010 gehört die Marke nicht mehr zu BBR sondern zur Edrington Group.


Bild: KRT

Black Bottle NAS

Art und Herkunft: Blended Scotch Whisky


Aussehen und Aroma: Die Farbe möchte ich eher als strohgold bezeichnen, im Glas macht er einen etwas dünnflüssigen Eindruck. Für einen Blend eine recht deutliche Nase mit rustikalen Noten: Tonerde, Rauch und Kastanien.

Geschmack: Spürbar phenolisch mit deutlichem Eichenholz. Süß und ein samtiges Mundgefühl,  ab dem Mittelteil eine leichte Schärfe auf der Zunge.

Abgang: Verhältnismäßig lang, etwas Pfeffer; mit ausklingender Bitterkeit.

Fazit: Ein würziger Scotch mit erstaunlich viel Charakter. Die Islays kommen gut durch, im Abgang schieben die Grains hinterher. Süffig!


Bild: TAQ [dies ist noch die alte Ausstattung der Flasche]

Cutty Sark NAS

Art und Herkunft: Blended Scotch Whisky


Aussehen und Aroma: Farblich eher hell, so wie dieser helle Weidehonig (?), den man im Glas kaufen kann. Übrigens auch im Geruch sehr starke Erinnerung an Honig und vollreifes Obst.

Geschmack: Sehr angenehm auf der Zunge, weich. Das Aroma setzt sich fort mit viel Honigsüße und wenig Rauch.

Abgang: Mittellang und leicht wärmend.

Fazit: Insgesamt schön süß und rund, mild. Eine hervorragende Komposition, der man die jahrzehntelange Qualitätskontrolle anmerkt. Sehr gut.

Gesamtfazit: Am Schluss des Castings mag ich mich nicht für einen von beiden entscheiden und werde sowohl dem Black Bottle als auch dem Cutty Sark einen Ehrenplatz in meiner Hausbar einräumen. Beides sehr stimmige, sehr liebevoll gestaltete Blends, die nicht die Welt kosten. Wer einen Scotch im Barschrank haben möchte (und sei es auch nur für die Gäste), ist mit beiden gleich gut bedient. Für einen Maltliebhaber, der - aus welchen Gründen auch immer - mal einen Blend trinken möchte, ist der Black Bottle eventuell ganz knapp die bessere Wahl, da er etwas mehr Antritt hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 2. März 2013.


Samstag, 23. Juni 2012

Caol Ila 18 J. (43% Vol.)

Letzthin gab ich mir einen Ruck und besuchte das Blue Note, wo ich ewig nicht mehr gewesen war, um meine alten Knochen mal wieder zu den Klängen der Motown-Party hin und her zu bewegen. Was macht man also, so lange man auf sein Date wartet? Wenn man Tomas Aquinas heißt, dann durchforstet man die Getränkekarte nach Alkoholika, die einem die Wartezeit verkürzen könnten. Oh, das Blue Note hat Caol Ila? Zwei cl für 5,50? Naja, muss dann ja wohl gut sein. Kredenzt wurde dann der 18jährige, mit 43 Umdrehungen.

Die Brennerei wurde 1846 gegründet und gehört seit einigen Jahren nunmehr zum Diageo-Konzern, nach der obligatorischen Reihe von Fusionen (DCL, dann UD, dann UDV). Man sagt ihm nach, er sei ein leichterer Islay-Malt, mit ausgeprägt maritimem Charakter. Früher soll er sehr schlecht zu bekommen gewesen sein, unter anderem deshalb, weil er einer der Lead Whiskys in bekannten Blends ist (z.B. Johnnie Walker Red Label). Geographisch liegt Caol Ila direkt bei der Hafenstadt Port Askaig, in der Nähe der alten Lochindaal-Destillerie, also ganz nahe beim Mitbewerber Bunnahabhain und auch bei Port Charlotte (mithin Bruichladdich). Ansonsten haben die Fittiche von Diageo dem Whisky wohl eher gut getan, denn er wird zusammen mit Lagavulin, Royal Lochnagar, usw. in der renommierten Classic Malts Selection gehegt und gepflegt. Beworben wird eine überschaubare Serie: Der 12jährige, der 18jährige, die Cask Strength sowie die Distillers Edition (Moscatel Finish).



Aussehen und Aroma: Der Caol Ila ist eher hell und macht einen viskosen Gesamteindruck. In der Nase finden sich kräftige Torffeuer und Gewürze, recht deutlich der Pfeffer. Nach Beimischung von Wasser mehr Seeluft, er wird frischer und leichter.

Geschmack: Im Antritt zunächst nasser Schiefer und Eukalyptus, jedoch anders als z.B. bei Laphroaig überhaupt kein Speck. Insgesamt wenig süß. Mit Wasser hat er noch mehr Schiefer und deutliche Tabaknoten.

Abgang: Eher lang. Es zeigen sich noch dezente Eindrücke von Haselnuss.

Fazit: Ein trinkbarer Islay ... weder mein Liebling noch mein Hassobjekt. Das Meer kommt im Aroma schön durch. Ich empfehle den Genuss ohne Wasser.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 30. Juni 2012.


Samstag, 22. Oktober 2011

Zwischendurch: Outsourcing, Teil I

Nicht dass es heißt, Plattfuss und ich würden jetzt getrennte Wege gehen. Nichts läge uns ferner. Aber mit seiner neuen/alten Homepage kann und soll er auch mal Anderes probieren - denn vor allem können wir auch bei aller Freundschaft nicht 24/7 aufeinander hängen, nur damit wir immer beide etwas gleichzeitig zu verkosten haben. Einen Teil seiner privaten Tastings lagern wir also auf Plattfuss' Homepage aus - Outsourcing heißt das wohl Neudeutsch.