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Samstag, 15. März 2014

Gall & Gall Traditional Blended Scotch Whisky (40% Vol.)

Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe zu bloggen, hat mich jemand in einem Forum gefragt (ich glaube, es war kurz nachdem ich den Old House No. 1 besprochen hatte), warum ich denn auch "so billige Sachen" probieren würde. Ich hätte natürlich antworten können, dass "billig" ja nicht immer schlecht ist - manche Dinge sind ja auch einfach nur "preiswert", also ihren Preis wert. Und dass es auch versteckte Juwele gibt, wo man sie gerade nicht sucht. Aber eigentlich ist etwas ganz anderes wichtig: In Umberto Ecos großem Roman Der Name der Rose gibt es eine Stelle, wo der Bibliothekar eines großen Klosters gefragt wird, warum er in seiner Bibliothek denn neben den ganzen Bibeln und christlichen Handschriften auch Bücher von Heiden und Ketzern aufbewahrt. Er antwortet irgendwie sowas wie: wir sammeln auch die Bücher, von denen wir wissen, dass sie nichts als Irrtümer und Ketzereien und Gotteslästerung enthalten, denn selbst in diesen Büchern sehen wir, wenn auch verzerrt, die Handschrift unseres Gottes. Und das, liebe Leser, ist eigentlich eine schöne Begründung dafür, warum ich hier im Blog auch manchmal Getränke aus Gottes großer Grabbelkiste verkoste ... und sei es auch nur, damit ich die schönen Dinge im Leben weiterhin zu schätzen weiß.

Der verlorene Sohn (um mal in der biblischen Sprache zu bleiben), den ich heute teste, hat bei mir von Anfang an wenig Hoffnung ausgelöst, dass er ein verstecktes Schätzchen sein könnte. Es handelt sich um den Hauswhisky der großen niederländischen slijterij (Schnapsladen) - Kette Gall & Gall, die man bei unseren westlichen Nachbarn in jeder größeren Stadt als Fillialgeschäfte sowie eingebettet in die diversen Einkaufszentren findet. Die Firma rühmt sich, über 40 Produkte unter ihrer eigenen Hausmarke zu verkaufen, worunter auch Wein, Rum, Jenever, und so weiter und so fort. Innerhalb dieser Serie finden sich insgesamt drei Whiskys, deren Etiketten ähnlich einfach gestaltet sind wie die der anderen Getränke, die jedoch von der Farbgebung her wohl an die jeweiligen Platzhirsche in diesem Segment erinnern sollen. So ist der hier verkostete Scotch mit einem roten (erinnert an Johnnie Walker), der irische Whisky mit einem grünen (Tullamore Dew) und der Tennessee Whisky mit einem schwarzen Etikett (Jack Daniel's) ausgestattet. Was natürlich überhaupt nicht heißt, dass diese in den Flaschen sind ... das wäre bei den Preisen auch sehr überraschend. Wenn man bedenkt, wie relativ teuer der Schnaps in den Niederlanden ist (zum Vergleich: Talisker 10 in Deutschland knapp um die 30,- EUR ... bei Gall & Gall satte 40,49!), dann wird man wohl bei einem schottischen Blend für 9,99 nicht sehr viel erwarten dürfen. Auch wenn er laut Aufdruck "aus den besten Whiskys Schottlands" gemacht wurde. Aber schauen wir mal.


Art und Herkunft: Blended Scotch Whisky

Aussehen und Aroma: Sehr dunkler Bernstein. Wirkt künstlich. Sehr spritige Nase, sonst wenig zu finden. Roggen. Unangenehm fischige Noten. Matjes?

Geschmack: Bitter - die Grain Whiskies schlagen voll durch. Wässriges Mundgefühl. Etwas Süße im Mittelteil. Nähmaschinenöl.

Abgang: Kurz und rasant. Scharfer Afterburner. Trockener Mund.

Fazit/Tipp: Einen anständigen Whisky bekommt man wohl für unter 10,- EUR in den Niederlanden nicht. Mein Lieblingswhisky im unteren Preissegment (Teacher's) kostet dort (jedenfalls bei G&G) schon knapp 18,- EUR, ist im Vergleich zum Hauswhisky aber jeden Cent wert. Der Gall & Gall Scotch wirkt eindimensional, harsch und lieblos zusammengestellt. Nee bedankt.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 22. März 2014.

Dienstag, 30. August 2011

Wieviel Netto bleibt vom Brutto? Old House No 1 Scotch

Nach der Verkostung des Statesman von Aldi Nord dachte ich, es sei jetzt erst einmal gut mit den Whiskys vom Discounter. Allerdings kam dann eines schönen Sommertages Plattfuss mit dem Old House No 1 von Netto (früher Plus) an. Womit ich das verdient habe, weiß ich nicht. Ich hatte nie vor, eine ganze Serie über Billigwhisky zu machen, vor allem deshalb nicht, weil derlei schon versucht worden ist

Wer dem eben angegebenen Link folgt, und sich den Thread von "Exxa" (auch schon ein paar Jahre her) durchliest, wird sehen, was ich meine. Interessant finde ich übrigens die doch allgemein recht missmutigen, hochnäsigen und schlichtweg dummen Reaktionen auf den "Noob". Ich weiß nicht, was das den Leuten in solchen Foren bringt ... so was soll doch eigentlich dem gegenseitigen Austausch dienen, aber der wird doch kaum zustande kommen, wenn man Neulinge, auch wenn sie noch nicht das ganze Fachvokabular beherrschen usw., gleich erst einmal unterbügelt. Auch Kommentare, die gefährliches Halbwissen offenbaren ("Whisky MUSS in Eichfässer (sic!) reifen damit er sich überhaupt Whisky nennen darf" - hier ist nicht nur die Grammatik fehlerhaft; bestimmte Arten von Whisky müssen unbedingt in Eichenfässern reifen, um ihre Herkunftsbezeichnung führen zu dürfen, z.B. Scotch und Bourbon), dienen wohl eher der Abgrenzung als der Belehrung. Oder - in einem anderen Thread (sinngemäß): "Also Blended Whiskys sind generell schlechter als Single Malts". Wobei man dann so ziemlich die gesamte Geschichte des Whisky auf den Kopf gestellt hat, da die Blends ja historisch gesehen die raison d'etre der Single Malts sind, wenn man bedenkt, wie viel von ihren Malts die Destillerien so hergeben, damit die Blends überhaupt hergestellt werden können. 

Ich schweife schon wieder ab, aber das Phänomen, dass jeder, der das Wort Laphroaig halbwegs korrekt aussprechen kann, sich selbst für den Whiskyguru und alle anderen für Unwissende hält, ist mir genau so suspekt wie die Leute, bei denen vor ein paar Jahren noch der Texaseintopf das höchste der kulinarischen Gefühle war, und die dann plötzlich anfingen, bescheuerte Sätze wie etwa den folgenden loszulassen: "Also, der Jamie sagt immer, Kurkuma muss man bla bla blub fasel". Sehr nervig. Okay, zurück zum Experiment. 


Dank Plattfuss musste ich also doch den Old House No 1 probieren, wird im Laden so um die 6,99 kosten. Es ist auf jeden Fall schon mal ein Scotch, sonstige Informationen geben weder das Label noch eine kurze Internetrecherche her. Im Aussehen ist das Alte Haus hellgelb und ölig. Das Nosing, um einmal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben, ergibt nichts Umwerfendes: Spargel, Lakritz. Auf der Zunge dann eine leichte Süße, wieder Lakritz, aber auch Schärfe (leider keine Gewürze sondern Ethanol). Der Abgang ist eher kurz, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack (sowohl körperlich als auch seelisch). Der direkte Vergleich mit dem Statesman ergibt, dass jener ein schärferes, grasigeres Aroma hat, auf der Zunge jedoch nicht so scharf ist wie der Old House, jedoch auch ähnlich süß, dazu Noten von Leder. Auch der Statesman hat einen kurzen Abgang und wirkt medizinisch, ledrig, die Zunge betäubend (wirkt wie Novocain). Beide sind kein großer Gaumenschmaus, aber ganz knapp finde ich den Statesman von Aldi doch noch etwas besser. Aber unter den Blinden ist der Einäugige halt König

Am 5. August 2011 erscheint der nächste planmäßige Beitrag. Dann verkoste ich den Jim Beam Rye (Yellow Label).

Picture Credits: "Old House No 1": Justus Bluemer auf flickr.com (BY2.0)