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Dienstag, 20. Dezember 2011

Four Whisk(e)ys, Four Countries. Oder umgekehrt.

"Du trinkst doch gerne Whisky und so" eröffnete mein Kollege L. aus N. am 6. Dezember morgens das Gespräch. "Da schau, da hab ich Dir was zum Nikolaus mitgebracht." Mit zitternden Fingern entriss ich ihm das Päckchen ... mein Gott er wird doch nicht - wer L. kennt, weiß, warum ich mir Sorgen machte. Ein lieber Mensch und lieber Kollege ... aber ein Kostverächter par excellence, für den eine Weißweinschorle schon eine harte Droge ist. Wie Ned Flanders, nur ohne Gott. Ich scherzte heute noch, eigentlich sei er als Mönch doch besser aufgehoben, am besten als Kamaldulenser oder Kartäuser. Aber zurück zum Thema. Mit zitternden Fingern öffnete ich also das Päckchen. Mein Instinkt hatte mich nicht getrügt (ich weiß, dass es eigentlich heißt: nicht getrogen - aber meine Nerven waren halt schon arg zerrüttet): vor mir lag die - von ALDI Nord um 5,00 EUR in der Adventszeit verscherbelte - Probierpackung Whisky mit dem ambivalenten Namen COUNTRIES 4 WHISK(E)YS, was ich wahlweise als "Four Countries, Four Whisk(e)ys" bzw. "Four Whisk(e)ys from Four Countries" interpretieren möchte. Die aufwendige Geschenkverpackung (noch so was: ich weigere mich, "aufwändig" zu schreiben, dieses "ä" sieht so grottenschlecht aus), Foto anbei, präsentiert drei Whisk(e)ys aus dem regulären Sortiment von ALDI Nord, sowie einen mir unbekannten irischen Tropfen. 


Von links: Statesman ("Finest Old Scotch Whisky"), Blackwood ("Very Old Irish Whiskey"), Clarke's Westpoint ("A Fine Superior Straight Bourbon Whiskey Aged at the Peak of Mellow Perfection") und Long Wood ("Finest Pure Handselected Canadian Whisky"). Was die auch immer mit ihrem Wood haben: Blackwood, Long Wood. Nun denn. 

Den Statesman probiere ich jetzt nicht, das könnt Ihr alles hier nachlesen. Importiert wird das ganze von der Lobuschkellerei Hamburg. Wie irgendjemand schon mal recherchiert hat, verbirgt sich dahinter wahrscheinlich die BORCO. 

Den Statesman lasse ich hier mal außen vor, wie schon gesagt, und komme zum Blackwood. Keine Herkunftsangabe. Es kommen ja ohnehin nur vier Verdächtige in Frage. Hat 40% vol. Der Pressetext jubelt: 
Gently matured for long years in oak casks and skilfully blended to create a whiskey of unique smoothness & character. Blend of the finest Irish Grain and Malt whiskies. 
Drin sein kann so ziemlich alles, wenn es ein Blend ist. Schauen wir mal. Bernsteinfarben, sehr ölig. In der Nase leichtes Marzipan, Kölnisch Wasser, Auf der Zunge süß, Vanille, Holz. Nüsse? Abgang kurz, hart. Trockener Nachbrenner. Eventuell ein Kilbeggan? Bin nicht sicher. Im Endeffekt nicht ganz unangenehm, es gibt Schlimmeres. 

Kommen wir zum Kentucky Bourbon. Clarke's Westpoint habe ich, vor meinem Damaskuserlebnis, früher schon getrunken, aber wie man halt so trinkt, unbewusst, immer mit Cola. Zumindest steht hier drauf, wo er herkommt. Clarke's Distilling Company, Lawrenceburg, Kentucky. Das ist zwar ein Fantasiename, engt den Kandidatenkreis jedoch erheblich ein, denn in Lawrenceburg gibt es nur zwei Destillerien, nämlich Wild Turkey und Four Roses. Vom angeblichen Gründungsjahr 1866 her passt keine genau, Wild Turkey wurde 1869 gegründet, Four Roses ca. 1860. Der Pressetext jubelt: 
Aged to its smooth and mellow flavor in special oak handmade casks this fine superior Straight Bourbon Whiskey is distilled under the Old Clarke's formula in the State of Kentucky/USA.
In der Farbe ähnlich wie der Blackwood, etwas ölig. In der Nase Eichenholz, Essiggurke, Hühnerfrikassee. Auf der Zunge leicht salzig, Vanille, etwas seifig, danach schiebt das Holz kräftig nach. Abgang kurz, etwas schärfer als im Mittelteil. Wenig komplex, aber relativ mild und pur genießbar. Aber kaum Erhellendes, könnte Wild Turkey sein, Four Roses habe ich kräftiger in Erinnerung. 

Zum Schluss der Long Wood und möge Gott uns beistehen. Mein erster Kanadier, ich wollte doch eigentlich gleich mit Crown Royal anfangen; bitte sei sanft zu mir. Herkunft unbekannt, acht Jahre soll er alt sein. Der Pressetext wieder: 
Superbly aged and blended wholly unique in a Canadian tradition of fine 8 years old whiskies. A smooth Whisky with a hint of vanilla sweetness from the maturation for 8 years in oak casks. Well balanced in character. 
Irgendwie wird das Englisch der Texte von Whisky zu Whiskey immer holpriger; dem Übersetzer war wohl etwas schwiemelig zumute. So fühle ich mich mittlerweile auch. Auf geht's. Bernsteinfarben (das scheint bei Aldi wohl so Usus zu sein), weniger ölig als die vorherigen. Im Aroma wenig, außer Holz. Ach ja: Long Wood. Ich verstehe. Im Geschmack leicht süß, viel Holz, tatsächlich nur ein Hauch Vanille. Schärfer im Mittelteil, etwas herb. Ethanol im Abgang, dennoch recht wässrig. Etwas länger aber unangenehmer als der Westpoint. Ach nee. 

Fazit: ALDI hat eigentlich gar keine so schlechte Idee gehabt mit dem Probierköfferchen. So kann man sich aus den Wackelkandidaten seine eigene Castingshow zusammenstellen. Den Blackwood und den Linkwood kannte ich noch nicht; der Blackwood ist meines Wissens (noch) nicht Teil des Sortiments. Alles in allem etwas charakterlose und einfach gestrickte Whiskys, die für keine Überraschung gut sind. Meine persönliche Rangliste: 
  1. Westpoint 
  2. Blackwood 
  3. Statesman (aus dem Gedächtnis) 
  4. Long Wood
Letzterer ist mir eher unangenehm. 

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint wegen der Feiertage erst wieder am 30.12.2011; Thema noch unbekannt. Zwischendurch gibt es vielleicht noch eine Kurzmeldung und auf jeden Fall die Veranstaltungstipps für Januar. Euch allen schöne Feiertage und ein frohes Fest. 

Picture Credits: "Countries 4 Whisk(e)ys": KRT

Dienstag, 30. August 2011

Wieviel Netto bleibt vom Brutto? Old House No 1 Scotch

Nach der Verkostung des Statesman von Aldi Nord dachte ich, es sei jetzt erst einmal gut mit den Whiskys vom Discounter. Allerdings kam dann eines schönen Sommertages Plattfuss mit dem Old House No 1 von Netto (früher Plus) an. Womit ich das verdient habe, weiß ich nicht. Ich hatte nie vor, eine ganze Serie über Billigwhisky zu machen, vor allem deshalb nicht, weil derlei schon versucht worden ist. 

Wer dem eben angegebenen Link folgt, und sich den Thread von "Exxa" (auch schon ein paar Jahre her) durchliest, wird sehen, was ich meine. Interessant finde ich übrigens die doch allgemein recht missmutigen, hochnäsigen und schlichtweg dummen Reaktionen auf den "Noob". Ich weiß nicht, was das den Leuten in solchen Foren bringt ... so was soll doch eigentlich dem gegenseitigen Austausch dienen, aber der wird doch kaum zustande kommen, wenn man Neulinge, auch wenn sie noch nicht das ganze Fachvokabular beherrschen usw., gleich erst einmal unterbügelt. Auch Kommentare, die gefährliches Halbwissen offenbaren ("Whisky MUSS in Eichfässer (sic!) reifen damit er sich überhaupt Whisky nennen darf" - hier ist nicht nur die Grammatik fehlerhaft; bestimmte Arten von Whisky müssen unbedingt in Eichenfässern reifen, um ihre Herkunftsbezeichnung führen zu dürfen, z.B. Scotch und Bourbon), dienen wohl eher der Abgrenzung als der Belehrung. Oder - in einem anderen Thread (sinngemäß): "Also Blended Whiskys sind generell schlechter als Single Malts". Wobei man dann so ziemlich die gesamte Geschichte des Whisky auf den Kopf gestellt hat, da die Blends ja historisch gesehen die raison d'etre der Single Malts sind, wenn man bedenkt, wie viel von ihren Malts die Destillerien so hergeben, damit die Blends überhaupt hergestellt werden können. 

Ich schweife schon wieder ab, aber das Phänomen, dass jeder, der das Wort Laphroaig halbwegs korrekt aussprechen kann, sich selbst für den Whiskyguru und alle anderen für Unwissende hält, ist mir genau so suspekt wie die Leute, bei denen vor ein paar Jahren noch der Texaseintopf das höchste der kulinarischen Gefühle war, und die dann plötzlich anfingen, bescheuerte Sätze wie etwa den folgenden loszulassen: "Also, der Jamie sagt immer, Kurkuma muss man bla bla blub fasel". Sehr nervig. Okay, zurück zum Experiment. 


Dank Plattfuss musste ich also doch den Old House No 1 probieren, wird im Laden so um die 6,99 kosten. Es ist auf jeden Fall schon mal ein Scotch, sonstige Informationen geben weder das Label noch eine kurze Internetrecherche her. Im Aussehen ist das Alte Haus hellgelb und ölig. Das Nosing, um einmal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben, ergibt nichts Umwerfendes: Spargel, Lakritz. Auf der Zunge dann eine leichte Süße, wieder Lakritz, aber auch Schärfe (leider keine Gewürze sondern Ethanol). Der Abgang ist eher kurz, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack (sowohl körperlich als auch seelisch). Der direkte Vergleich mit dem Statesman ergibt, dass jener ein schärferes, grasigeres Aroma hat, auf der Zunge jedoch nicht so scharf ist wie der Old House, jedoch auch ähnlich süß, dazu Noten von Leder. Auch der Statesman hat einen kurzen Abgang und wirkt medizinisch, ledrig, die Zunge betäubend (wirkt wie Novocain). Beide sind kein großer Gaumenschmaus, aber ganz knapp finde ich den Statesman von Aldi doch noch etwas besser. Aber unter den Blinden ist der Einäugige halt König. 

Am 5. August 2011 erscheint der nächste planmäßige Beitrag. Dann verkoste ich den Jim Beam Rye (Yellow Label).

Picture Credits: "Old House No 1": Justus Bluemer auf flickr.com (BY2.0)

Montag, 6. Juni 2011

Statesman Scotch

Mit den Spirituosen vom Discounter ist es so eine Sache: Bei denen, die lächerlich günstig sind, so wie der Pivolo Bianco bei Netto für 1,29 (ein Vermouth), weiß man schnell woran man ist - in diesem Falle: muffiger Geruch, ebensolcher Geschmack. Ende der Durchsage. 

Andererseits weiß man ja, dass hinter den ganzen Handelsmarken zum Teil gewichtige Firmen stehen, denen man ja zunächst mal keine Vergiftungsabsicht per se unterstellen möchte. Wie ist es dann also mit der Kategorie, in der der Preis nicht mehr verdächtig sondern nur sehr niedrig ist - lässt sich da etwas finden? Zum Vergleich bietet sich hier mal der Statesman Scotch von ALDI Nord an ... ein echtes Urgestein, möchte ich sagen. Keine Ahnung, wie lange er tatsächlich schon am Markt ist, aber wie viele Male bin ich nicht schon an seiner unaufdringlich-gelben Verpackung vorbeigeschlichen, mit langem Seitenblick und verhaltenem Atem, wie die Freier, die endlos auf dem Straßenstrich herumkurven.




Den Statesman gibt es bei ALDI Nord also für 6,99 die Flasche, wobei zu bedenken ist, dass der rot etikettierte Schlürschluck aus dem Hause Johnnie Wackler schon mit ca.12,99 zu Buche schlägt. Abgefüllt wird der "Glen Aldi" anscheinend bei der Firma Rola aus Niederhatzkofen (was, wie man unschwer erkennt, im schönen Bayernlande liegt). Hergestellt kann er dort nicht sein worden, denn die Flasche weist ihn als Scotch und schottisches Erzeugnis aus. Ansonsten hat die Firma übrigens doch noch so einiges zu bieten, zum Beispiel Wodka Zaranoff oder den Eierlikör von Rückforth. Woher der Statesman nun tatsächlich kommt, dürfte ein wohl gehütetes Geheimnis sein und bleiben: die Destillerien halten sich bei diesen Dingen traditionell sehr bedeckt, selbst im Bereich Single Malts (zu Recht, wie man im Fall des Glen Almond hinzufügen möchte).

Zugesetzt ist Zuckerkulör als Farbstoff, kein Wunder bei drei Jahren Reifezeit ... so etwas wie eine prägnante Nase hat sich gar nicht erst entwickelt. Ich rieche "Süß" und dann ... "Ziegenkäse". Und das war es dann auch schon. Der erste Schluck ist dann ebenfalls süß, hat jedoch wenig Charakter, das Aroma schwer greifbar, jeoch sehr scharf: ein echter Rachenputzer. Im Abgang ebenfalls sehr scharf und nichtssagend.

Positiv zu vermelden ist, dass der Whisky nach ein paar Minuten des Atmens deutlich gewinnt ... zwar nicht an Ausdruckskraft, dafür jedoch an Milde in Geschmack und Abgang. Mein Tipp: gute zehn Minuten ventilieren lassen ... dann schmeckt's schon angenehmer. 

Alles in allem kann ich nicht mal behaupten, dass der Statesman ein übles Gesöff wäre - mir fallen auf Anhieb einige Whiskys (auch höherpreisige) ein, die ich weniger gerne trinke. Für 6,99 bekommt man "etwas", dieses Etwas ist jedoch zugegebenermaßen nicht viel. Es ist dann fatal, wenn jemand in seinem Leben noch niemals einen Scotch getrunken hat, als erstes den Statesman in die Hände bekommt und dann natürlich nicht versteht, warum die Leute gerne Scotch trinken ... aber wenn man weiß, woran man ist, gerade nicht viel Geld im Säckel hat und sich trotzdem einen Whisky gönnen möchte ... warum nicht? Nur Spaß ist halt anders.

Der nächste Beitrag erscheint am 11. Juni 2011. Thema dann ist Trinken in der Literatur, Teil V.

Picture Credits: "Statesman": IB