Sonntag, 18. November 2018

Zuidam Korenwijn 3 J. 2014/2017 (38,0% Vol.)

Von meinem Vater habe ich so eine Art Fernweh-Gen geerbt. In jungen Jahren ist er sehr viel herumgekommen - mehr, als in den Fünfzigern und Sechzigern in Deutschland möglich oder auch bezahlbar war. Ich selbst bin vor langer Zeit (ich war noch Student)  eines Morgens aufgewacht mit dem Gedanken, ich sei schon lange nicht mehr in Brüssel gewesen, wo ich aufgewachsen bin. Ich setzte mich also gegen sieben Uhr in meinen VW Golf und fuhr nach Brüssel. Die Vorlesungen mussten an diesem Tag zwar für mich ausfallen, aber gegen 11 Uhr stand ich tatsächlich auf dem Grand Place.

Neulich hat es mich schon wieder gepackt: am Kreuz Lotte hatte ich aus Versehen die falsche Abfahrt genommen und fand mich plötzlich auf der A30 wieder, in Richtung Amsterdam. Und so bin ich dann einfach weitergefahren. Nicht ganz bis nach Amsterdam, ich gebe es zu. Aber schon weit über die Grenze ... einfach mal schauen, was es so gibt. Geben tat es dann in einem Mitra die heutige Flasche von Zuidam, auf die übrigens auch gerade 20 Prozent Korting angerechnet wurden, was bei den recht hohen Spritpreisen in den Niederlanden schon als ausgesprochener Segen bezeichnet werden muss.

Dies ist weder der erste Zuidam (siehe hier und hier) noch der erste Korenwijn (siehe hier) bei uns im Blog, insofern freue ich mich auch wirklich auf den Vergleich. Die Firma Zuidam ist mittlerweile auch schon über vierzig Jahre im Geschäft und sitzt direkt an der niederländisch-belgischen Grenze in Baarle-Nassau. Außer Jenever werden auch noch Gin, Rum, Likör und Whisky (Millstone, von dem wir vor Jahren ebenfalls mal einen besprochen haben) hergestellt. Über den dreijährigen Kornwein heißt es:
[Der zugrunde liegende Malzwein] wird destilliert aus Roggen, Mais und gemälzter Gerste [...] Das neue Destillat wird vier Mal in einer kleinen Pot Still destilliert. Danach wird das Destillat teilweise ein fünftes Mal zusammen mit sorgfältig ausgesuchten Kräutern wie Wacholderbeere, Anissamen und Süßholzwurzel destilliert [...]
Die stilistische Holprigkeit (sehr häufige Wiederholung des Wortes "Destillat" bzw. Ableitungen davon) stammt übrigens aus dem Originaltext, nicht aus meiner Übersetzung. 


Art und Herkunft: Kornwein, Niederlande (Nordbrabant).

Sonntag, 11. November 2018

Pusser's British Navy Rum Overproof (Red Label) NAS (75,0% Vol.)

Dieser Rum stand ein paar Jahre bei mir im Schrank; ich muss ihn um 2010 herum von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen haben. In der vorliegenden Ausstattung gibt es ihn mittlerweile nicht mehr. Der heute von Pusser's angebotene Overproof hat zwar die selben Prozente, aber ein grünes Etikett. Die Firma selbst und den Begriff Navy Rum hat Tomas vor ein paar Jahren anlässlich der Vorstellung des - immer noch erhältlichen - Nelson's Blood ausführlich vorgestellt, daher beschränke ich mich auf ein paar ergänzende Anmerkungen.

Anscheinend wurde der Overproof (der heutige Green Label) ursprünglich nur für den deutschen Markt hergestellt. Daran hat sich laut Firmenwebseite auch bis heute nichts geändert: Availability is limited to Germany steht da immerhin deutlich zu lesen. Warum dem so ist? Da kann ich auch nur raten. Eventuell haben die Deutschen einen Ruf als Schluckspechte? Andererseits sind ja auch traditionell "starke" Rums auf dem hiesigen Markt etabliert (man denke nur an Stroh 80 und ähnliche); vielleicht wollte man nur auf einen bereits fahrenden Zug aufspringen? Und warum "overproof"? Traditionell wurde Navy Rum (wie auch andere Spirituosen) nach festgelegten Spezifikationen für die britische Marine hergestellt und daher war auch der Alkoholgehalt festgelegt: bei Rum waren es um die 55, bei Gin um die 57 Prozent. Der Sinn war offensichtlich, dass - wenn ein Fass mit Schnaps kaputtging und auslief - die Zündfähigkeit des ebenfalls unter Deck lagernden Schießpulvers nicht beeinträchtigt werden durfte. Der "Pusser" (Purser), also der Zahlmeister des Schiffs, war unter anderem für die Bevorratung verantwortlich und musste daher jederzeit in der Lage sein zu beweisen, dass er den Schnaps nicht etwa gestreckt oder sich übers Ohr hatte hauen lassen. Dies machte er, indem er ein wenig Schießpulver mit Rum oder Gin übergoss und dann versuchte, es anzuzünden. Wenn das gelang, hatte man den Beweis (proof), dass das Produkt den Spezifikationen entsprach. Overproof ist also demnach ein Produkt, welches dieses Kriterium sogar noch übererfüllt.

Sonntag, 4. November 2018

DAVO The Don (10,0% Vol.)

Allen Leser*innen, die - wie unsere Redaktionsmitglieder - in der Nähe der niederländischen Grenze wohnen, möchte ich ganz zu Beginn einen Tagesausflug in die Stadt Deventer ganz herzlich empfehlen. Gemütlich an einer Biegung der Ijssel gelegen, mit einer gediegenen kleine Innenstadt voller hipper und traditioneller Läden bietet sie sich geradezu an, wenn man mal einen Tag außer Haus verbringen möchte und keine Lust auf einen Besuch in Rheine, Ibbenbüren oder Bad Bentheim hat. Im vergangenen Sommer hatte ich jedenfalls - zusammen mit der besten Ehefrau von allen - auch einmal die Gelegenheit, nachdem ich die Stadt gut zwanzig Jahre meines Lebens auf dem Weg nach Amsterdam links rechts hatte liegen lassen.

Deventer kann man ohne Probleme einmal pro Fuß umrunden und so stießen wir auf unserer Wanderung auch auf die Brauerei DAVO, die in einem alten Fabrikgebäude in der Nähe des Flusses liegt. Innendrin ist alles freundlich und hell, neben der piekfein sauberen Brauanlage gibt es auch einen großen Thekenbereich, Tische und einen kleinen Shop. Draußen noch einen schönen Biergarten mit Grillhütte. Gegründet wurde die DAVO erst 2012 von vier Freunden (Arnaud, Maurijn, Frits, Jos) als reines Hobbyprojekt. Wie so viele Hobbybrauereien kam dann irgendwann die Expansion und 2016 konnte man - finanziert durch Crowdfunding - in die heutigen Lokalitäten ziehen. Mittlerweile ist sogar schon eine zweite Bar in Arnheim in Vorbereitung.

Das Portfolio der jungen Brauerei ist recht groß: im Standardsortiment finden sich zurzeit sieben ganz unterschiedliche Biere (Blond, Tripel, Stout, IPA, ...), darüber hinaus gibt es noch etliche saisonal und anderweitig limitierte Auflagen. Wir trinken heute das Russian Imperial Stout mit Namen The Don, benannt nach dem russischen Nationalhelden und Heiligen der orthodoxen Kirche Dmitri Iwanowitsch Donskoi. Mit seinen alles andere als schlanken zehn Umdrehungen nennt Brauer Arnaud es auch "das ultimative Bier für die letzte Runde".


Art und Herkunft: Russian Imperial Stout, Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: Im Eichenfass gelagert, mit Infusion von Whisky (unbekannter Provenienz).

Aussehen: Pechschwarz und etwas dickflüssig. Keine bis kleine (braune) Schaumkrone. Relativ dezent in der Nase. Etwas Kaffee. Mehr dunkle Schokolade und eventuell Vanille. Pflaumenkompott.

Geschmack: Sehr schwerer Antritt, trotz spürbar samtiger Süße. Tritt an den Kopf durch das Brauereipferd. Kaffee, aber ansonsten sehr mächtige würzig-süßlich-pflanzliche Noten. Lakritze. Eventuell Lorbeer?

Abgang: Mittel bis lang, süßlich. Lakritzsaft.

Fazit/Tipp: Sicherlich kein schlechtes Bier, aber dennoch absolut gar nichts für mich. Süße, übertrieben malzige Biere sind schon eh nicht mein Fall, aber bei dem hier kommt noch der überwältigend starke Geschmack und der heftige alkoholische Schlag auf den Kopf dazu. Wer aber ohnehin schon ein Faible für Stouts, Porter, Quadrupels und andere Schwergewichte hat, dem sei der Ankauf einer Probierpackung The Don an dieser Stelle durchaus ans Herz gelegt.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 11. November 2018.

Verkostung: Plattfuss & Tomas A.

Text: Tomas A.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Longrow Peated NAS (46% Vol.)

Eigentlich ist es unsinnig, einen Whisky der Marke Longrow auch noch Peated zu nennen, aber dennoch heißt er tatsächlich so. Warum unsinnig? Weil Longrows immer "peated", also torfig sind. Sonst wären sie keine Longrows, sondern Hazelburns. Nix kapiert? Ganz einfach: es gibt keine Destillerie dieses Namens, sondern nur eine, die Springbank heißt. In dieser Brennerei werden drei verschiedene Marken hergestellt: Hazelburn (kein bis wenig Torf), Springbank (dezenter Torf) und eben Longrow (starker Torf).

Von letzterem hatten wir im Blog noch überhaupt nie einen Vertreter, von Springbank allerdings schon zwei. Diese Flasche hier habe ich zum Geburtstag von Plattfuss bekommen - eigentlich hat er mir einen Gutschein vom Haus am See geschenkt - da habe ich ihn mir dann selber ausgesucht, weil er mich interessierte, obwohl Onkel Hotte ihn gar nicht so wohlwollend besprochen hatte. Vielen Dank noch einmal, Plattfuss ... und natürlich auch Dank an Tomas Aquinas für die Socken ;-)

Unter dem Namen Longrow  gibt es insgesamt drei verschiedene Whiskys: den Peated ohne Jahresangabe, der heute hier vor uns steht; den Red, der 11 Jahre alt ist; und schließlich den Achtzehnjährigen, der ansonsten keinen weiteren Beinamen trägt. Der NAS ist der Nachfolger des CV, der früher der Einstiegswhisky dieser Reihe war. Wie alle Single Malts aus der Springbank-Destillerie ist er quasi naturbelassen und ausschließlich aus Malz eigener Produktion hergestellt. Die Flasche sollte in der Regel online für um die 36,- EUR erhältlich sein.


Art und Herkunft: Single Malt, Campbeltown.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Macdonald's Glencoe 8 J. (58,0% Vol.)

Das Tal von Glen Coe mit dem gleichnamigen Ort Glencoe ist eines der beliebtesten Fotomotive in Schottland. Gleichzeitig war es im Jahre 1692 Schauplatz eines ungeheuerlichen - wenn auch nicht nie dagewesenen - Verbrechens. Soldaten eines Regiments vom Clan Campbell lagen damals (es waren die Zeiten der jakobitischen Kriege) im Dorf und waren in den Häusern der Einwohner, die allesamt dem Clan Donald angehörten, untergebracht. Die Dorfbewohner hatten keinen Grund zur Furcht, denn sie hatten gerade erst einen Treueid gegenüber dem König in London abgelegt. In der Nacht vom 13. Februar erhoben sich, auf einen per Geheimkurier überbrachten Befehl hin, die Campbellschen Rotröcke aus ihren Betten und begannen ihre Gastgeber abzuschlachten. Nach heutiger Kenntnis kamen damals zwar "nur" etwa vierzig Männer, Frauen und Kinder ums Leben, aber was die Tat besonders abscheulich machte und dafür sorgte, dass sie zu einem unauslöschlichen Teil der schottischen Geschichte wurde, war die Tatsache, dass ihr ein eklatanter Bruch des heiligen Gastrechts zugrunde lag.


Sonntag, 14. Oktober 2018

Bad Iburger Spargelbier (4,9% Vol.)

Das heutige Bier habe ich von einer Schülerin im Tausch gegen eine Sonderausgabe von Braugarten (das Geburtstagsbier von Plattfuss, das 4-40 Oatmeal Stout) erhalten. Zu einem "Spargelbier" konnte ich auch tatsächlich unmöglich Nein sagen.

Das Produkt ist eine Erfindung von Hermann-Josef Wienker, vom Forstbetrieb bzw. Spargelhof Wienker in Bad Iburg. Selbst gebraut hat er es jedoch nicht, sondern Clemens Brinker vom Back- und Brauhaus Brinker in Georgsmarienhütte. Durchaus naheliegend, denn der Beruf des Bäckers bzw. Brauers (pistor auf Latein) waren in der alten Zeit meistens ein- und dasselbe. Denn: wer die Zutaten zum Backen hat, der hat auch die Zutaten zum Brauen bei der Hand.

Im Bier ist tatsächlich Spargel vorhanden (drei Prozent), darüber hinaus noch einige sehr exotische Ingredienzien wie Estragon und Petersilie, wie auch in diesem Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt wird. Das Angebot ist zurzeit noch sehr überschaubar: gerade einmal 300 Liter umfasste die erste Charge in diesem Sommer. Umso glücklicher müssen wir uns schätzen, die Gelegenheit zur Verkostung dieser besonderen Spezialität bekommen zu haben.


Art und Herkunft: Spezialbier, Deutschland (Niedersachsen).

Besonderheiten: Bier mit Spargel, Estragon, Petersilie, Koriander, Rosmarin, Wacholder. Die Zutaten werden während der (Nach-) Gärung zugegeben.

Aussehen und Aroma: Goldgelb und trübe. Leichte Sedimentierung. Kleine Krone. Rosmarin und Wacholder kommen recht deutlich durch, der Spargel hält sich (noch?) im Hintergrund.

Geschmack: Ein sehr ungewöhnlicher Antrunk mit süßlich-würzigen Noten. Ein doch recht kräftiger Einschlag von Estragon und Koriander. Der Spargel kommt noch immer nicht wirklich durch.

Abgang: Kurz und ohne bleibende Eindrücke.

Fazit/Tipp: Ein außergewöhnliches Bier, das bei aller Exotik doch gut trinkbar ist. Letztendlich hat der Spargel wohl zu wenig Durchsetzungskraft gegenüber den anderen pflanzlichen Aromen. Diese führen zu einem ungewöhnlich pflanzlichem - laut Plattfuss "minestroneartigem" - Geschmack, der aber zu keiner Zeit deplaciert oder störend wirkt. Empfehlenswert.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 21. Oktober 2018.

Verkostung: Jan B. und Plattfuss

Text: Jan B.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Ben Nevis McDonald's Traditional NAS (46,0% Vol.)

Frisch zurück sind meine Redaktionskollegen, Anhang (soweit vorhanden) und ich aus den schottischen Highlands, wo wir gut eine Woche lang mit dem Hausboot rumgetuckert sind. Unsere Reise führte uns auch nach Fort William an der Westküste und zur Destillerie Ben Nevis, die am Fuße des gleichnamigen Berges liegt. Während die Damenwelt nach entbehrungsreicher Seefahrt Flussfahrt die großzügige Einkaufszone von Fort William ansteuerte, machte sich unsere kleine Herrenrunde auf einen entbehrungsreichen, etwa vier Kilometer langen Fußweg zur Brennerei.

Insgesamt werden drei verschiedene Touren im Visitor's Center angeboten, eine "Spartour" für fünf, eine Tasting Tour für achtzehn und schließlich eine Executive Tour für dreißig (!) Pfund pro Nase. Keine Bange - die Touren unterscheiden sich lediglich in der Anzahl der Verkostungssamples am Ende. Bei der letztgenannten "Superluxustour" bekommt man derer gleich sechs. Ansonsten ist der Besucher - inklusive eines kleinen, etwas amateurhaft wirkenden Films zu Anfang und ohne Sampling am Ende etwa 40 Minuten unterwegs. Ich will nicht verschweigen, dass ich die Tour an und für sich nicht besonders spannend fand. Der Guide war recht sympathisch und spulte sein Programm brav herunter, aber schließlich ist Ben Nevis doch eine recht kleine Brennerei, die Anlagen daher überschaubar und in ein oder zwei wirklich interessante Bereiche (z.B. die Lagerräume) kam man nicht hinein. Insofern waren wir mit der Fünf-Pfund-Tour doch recht gut bedient. Leider gibt es an deren Ende nur einen Schluck Nevis Dew Supreme Selection, einem Blended Scotch, der speziell für Besucher der Destillerie kreiert wurde, und der meines Erachtens ein doch recht kratziger Low-Ender ist.

Interessant macht die ganze Affäre die Tatsache, dass man mit dem Eintritt gleichzeitig einen Preisnachlass von fünf GBP auf alle angebotenen Produkte erwirbt, die am Ende der Tour (aber natürlich auch ganz ohne Besichtigung) im Shop erhältlich sind. Interessant auch deswegen, weil Whisky in Schottland notorisch teuer ist und auch nicht alle angebotenen Whiskys überhaupt so ohne weiteres im Ausland bezogen werden können.

Neben weiteren Variationen des Nevis Dew, die wir nicht weiter beachteten, fanden und kauften wir einen achtjährigen Vatted Malt namens McDonald's Glencoe sowie den heute vorgestellten McDonald's Traditional (Malt)


Letztendlich bekamen wir den Traditional - mit Rabatt - für umgerechnet 42,- EUR, was als Schnäppchen gelten muss, da ich ihn online in Deutschland nur ab ca. 50,- EUR aufwärts gesehen habe. Dieser Whisky unterscheidet sich vom "normalen" Ben Nevis - außer durch die fehlende Altersangabe - dadurch, dass man für ihn torfgeräuchertes Malz verwendet hat, was ansonsten in dieser Brennerei nicht üblich ist. Das gesamte Malz von Ben Nevis wird im Übrigen nicht vor Ort gedarrt, sondern von der Firma Bairds Malt in Inverness bezogen. Für die Rezeptur wurde eine Formel aus dem 19. Jahrhundert verwendet.

Sonntag, 23. September 2018

Wat ben jij Stout, zeg!

Nix kapiert beim Titel? Okay, ist auch wieder mal ein recht preziöses Wortspiel von mir, das darauf beruht, dass das englische Hauptwort Stout (womit das Bier gemeint ist) und das niederländische Adjektiv stout (ungezogen, unartig) gleich geschrieben werden. Den Rest kann sich bitte jede(r) selber erarbeiten; nächste Woche schreiben wir einen Test 😉.

So wie wir vor ein paar Wochen drei Porter aus dem östlichen Nachbarland da hatten, haben wir dieses Mal eben drei niederländische und belgische Stouts im Angebot, die wir beim letzten Redaktionsausflug nach Enschede aus dem örtlichen Getränkehandel befreit hatten. Alle drei Brauereien, die Scheldebrouwerij, Vandestreek sowie SNAB hatten wir teilweise schon mehrmals mit anderen Produkten hier im Blog. Vandestreek hat für das NachtStout mit der jungen Hobbybrauerei Populus 6921 kooperiert.

Alle drei Biere sind - wie schon erwähnt - klassische Stouts bzw. Imperial Stouts und sollten daher kräftig Bumms und vor allem auch Umdrehungen haben. Die Gattung des (Russian) Imperial Stout geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als es von einer Londoner Brauerei (Thrale, später Barclay Perkins, später Courage) exklusiv für den Hof Katharinas der Großen hergestellt wurde. Der Bierstil geriet später langsam in Vergessenheit, wurde aber Ende des 20. Jahrhunderts "wiederentdeckt" und ist mittlerweile in der Craftbierszene (und auch sonst) recht beliebt.



Scheldebrouwerij Oesterstout (8,5% Vol.)

Art und Herkunft: Stout, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 16. September 2018

Torpedo Extra IPA vs. Tropical Torpedo (Sierra Nevada Brewing Co.)

Wenn ich einen Traum äußern dürfte: Mit unserem eigenen Projekt Braugarten so weit kommen wie Ken Grossmann aus Chico in Kalifornien. Er hat in den 1970ern ganz bescheiden als Hausbrauer angefangen. Und wo steht er heute? Seine Sierra Nevada Brewing Company (SNBC) ist die siebtgrößte Brauerei der USA, stößt knapp anderthalb Millionen Hektoliter Bier pro Jahr aus und hat den lieben Ken mittlerweile zum Milliardär gemacht. Damit ist er natürlich eigentlich kein richtiger Craftbrauer mehr, allerdings bekundet er in Interviews konsequent, dass ihm diese bescheidenen Wurzeln seiner Firma wichtig sind, und dass er deshalb auf bestimmte Dinge verzichtet, die andere Großbrauereien als selbstverständlich erachten, z.B. auf aufdringliches Marketing.

Begonnen hat alles mit drei verschiedenen Sorten: einem Pale Ale, einem Stout und einem Porter; alle drei hat die SNBC auch heute noch im Programm. Insgesamt kann man von Sierra Nevada zurzeit dreizehn verschiedene Biere probieren, dazu kommt noch eine unterschiedliche Anzahl von saisonal verfügbaren Produkten (im Moment z.B. gerade ein Oktoberfestbier, das in Zusammenarbeit mit der Brauerei Weihenstephan entstanden ist). Was wir heute jedoch testen, sind zwei Klassiker der Torpedo-Reihe, benannt nach dem "Hopfentorpedo", einem Gerät zur Steuerung der Kalthopfung. Erwarten dürfen wir, nach Angaben der Firma, zwei sehr hopfige Biere mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: einmal eher würzig-fruchtig, das andere Mal eher fruchtig-fruchtig.




Torpedo Extra IPA (7,2% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA (Kalifornien).

Sonntag, 9. September 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIX: Grutte Pier

Grutte Pier (zu Deutsch: Großer Peter) hieß mit bürgerlichem Namen eigentlich Pier Gerlofs Donia und war ein furchtbar großer, starker und blutrünstiger Mann, der in relativ vielen Sprachen (ironischerweise aber nicht auf Friesisch) einen eigenen Wikipedia-Artikel hat. Die Not und die Rache machten ihn zum Seeräuber und Freiheitskämpfer gegen Sachsen und Holland - so weit, so romantisch. Er ist in Niederländisch-Friesland - und darum ist es ironisch, dass die friesische Wikipedia über ihn schweigt - immer noch ein beliebter Volksheld, eine Sagenfigur und ein Symbol für das traditionell starke nationale Selbstbewusstsein der Friesen.

Was also liegt für eine friesische Brauerei näher, als sich nach ihm zu benennen? Na, nicht viel, offensichtlich. Sehr alt ist sie noch nicht, gerade erst einmal drei Jahre ist es her, dass Frans Filius und Renze Bil sie in Leeuwarden eröffnet haben. Direkt nach der Gründung gab es bereits Preise, unter anderem bei den World Beer Awards für das beste Tripel aus den Niederlanden (welches wir heute auch in der Verkostung haben). Die Anlagen in Leeuwarden reichen eigentlich nur für das Experimentieren und für kleine Chargen aus, darum wurden zu Anfang die Braukessel der Mietbrauerei Admiraal verwendet. Heute wird ein Großteil der Produktion von Baxbier in Groningen übernommen.

Die drei an dieser Stelle verkosteten Biere von Grutte Pier gehören zu deren Standardsortiment; hinzu kommen noch "Specials" und saisonale Angebote, z.B. ein Bockbier. Mit der Erhältlichkeit im Einzelhandel ist es so eine Sache: wir haben es hier immer noch mit einer sehr stark regional agierenden Marke zu tun. Außerhalb der Niederlande gibt es - von zwei Ausnahmen in Belgien abgesehen - noch überhaupt keine Vertriebspartner.


Grutte Pier Blond (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Friesland/Groningen).

Besonderheiten: Mit Gerstenmalz, Weizenmalz und Haferflocken. Zusatz von Koriander. Verwendete Hopfensorten: Cascade und Saazer.

Sonntag, 2. September 2018

Samuel Smith's India Ale (5,0% Vol.)

Ist auch schon wieder fast zwei Jahre her, dass wir Biere von Samuel Smith's aus Tadcaster (Yorkshire) hier im Blog haben. Damals besprach ich - untypisch für mich - ein paar Stouts; heute bleibe ich näher an vertrauten Gefilden, mit einem (hoffentlich) knackigen und hopfigen IPA.

Die Brauerei ist eine der wenigen verbleibenden, die bei der Fermentation noch auf das System der Yorkshire Squares setzt: Hierbei handelt es sich um eine zweistufige Anordnung, bei der die gekühlte Würze in ein relativ flaches, meistens rechteckiges Becken gegeben wird, welches obendrauf noch eine weitere niedrigere Kammer sitzen hat. Die Würze verbleibt während der Gärung im unteren Becken, während der hefehaltige Gärschaum in die obere Kammer steigt. Eine ständige Umwälzung sorgt dafür, dass die Hefe jedoch weiterhin ihre Arbeit tun kann. Ist die Fermentation beendet, lässt man die Würze erneut ruhen, die Hefe setzt sich auf dem Oberdeck ab, und wenn das untere Becken in die Fässer entleert wird, läuft (so gut wie) keine Hefe mit hinein. Smith's benutzen immer noch traditionelle Squares aus Stein (genauer gesagt: Schiefer) für all ihre Biere (mit zwei Ausnahmen).

Art und Herkunft: IPA, England (Yorkshire).

Sonntag, 26. August 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVIII: Grisette Blond Bio (5,5% Vol.)

Vor ein paar Jahren hatten wir hier im Blog schon mal einen Beitrag von Tom über ein Bier aus derselben Brauerei, nämlich das St. Feuillien SaisonGrisette (von dem es außer dem Kleinen Blonden, um das es heute geht, auch noch ein Weißbier, ein Kirschbier und ein Waldfruchtbier gibt) ist die andere Marke der Brauerei (die ebenfalls St. Feuillien heißt). Das Weißbier haben wir vor ein paar Jahren auf einem Bierfest in Belgien probiert; damals hat es uns nicht so supergut gefallen.

Gegründet wurde die Firma bereits 1873 von der Famile Friart, der sie auch immer noch gehört. Bereits 1894 gewann man mit den eigenen Produkten einen Preis auf der Weltausstellung in Antwerpen. Die beiden Marken, die sich heute noch im Portfolio befinden, gehen auf diese sehr frühe Zeit der Unternehmensgeschichte zurück. St. Feuillien war zwar nicht die erste belgische Brauerei, welche Champagnerflaschen für ihr Bier verwendete, kann aber für sich in Anspruch nehmen, die erste gewesen zu sein, die dafür Magnum-, Jeroboam-, Methusalem- und Salmanassarflaschen verwendete.

Grisette ist ein Markenname, der eigentlich von einem traditionellen Bierstil aus der Region um Mons/Bergen und Charleroi herstammt. Allerdings hat das heute so genannte Bier nichts mehr mit der traditionellen Grisette zu tun, sondern muss als reine Hommage verstanden werden. Sowohl das Weißbier als auch das Blond tragen den Zusatz Bio, da sie nur aus biologisch angebauten Grundstoffen hergestellt werden.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Hennegau).

Sonntag, 19. August 2018

Ciney Blond (7,0% Vol.)

Als ich noch ein kleiner Junge war (also irgendwann zwischen der Schlacht der Goldenen Sporen und Waterloo), war es in Belgien nicht ungewöhnlich (eventuell in Deutschland auch nicht, dazu kann ich leider wenig sagen), dass man Kindern (so ab 12 Jahren) Bier gab. Natürlich nicht, damit sie sich einen Rausch antrinken konnten, sondern einfach weil Bier als ein ganz normales Getränk galt, das gesund und nahrhaft ist. Übrigens "durften" Kinder bei uns früher auch Kaffee trinken, aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem ich jetzt also alle Helikoptereltern hinreichend getriggert habe, weiter im Text: Als ich nicht mehr ganz so klein war, also so Mitte der Achtziger, kam Ciney landesweit in die Regale. Vorher war es eine regional begrenzte Kleinmarke in der Gegend um Namur; es ist nach der gleichnamigen Stadt benannt, deren Kirchturm auch das Label ziert. Als der Verkauf in ganz Belgien begann, reichten die bescheidenen Braukapazitäten vor Ort nicht mehr aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Produktion wurde an eine Anlage von Alken Maes weitergereicht - und diese Firma - die wiederum zu Heineken gehört - schluckte Ciney dann ein paar Jahre später. Heute wird das Bier gar nicht mehr in der Wallonie gebraut, sondern im Hauptwerk im flämischen Alken.

Ich habe Ciney immer gerne getrunken (der offizielle Name ist zwar Cuvée de Ciney, aber kein Mensch sagt das im wirklichen Leben) und immer, wenn ich es heute irgendwo sehe, nehme ich eines, denn es erinnert mich - während ich eine imaginäre Träne wegdrücke - an die guten alten Zeiten, die im Nachhinein weniger kompliziert erscheinen, als sie tatsächlich wohl waren. Von Ciney gibt es zurzeit nur zwei Sorten im Portfolio: Blond und Braun. Vor einigen Jahren hat man auch noch ein Amber Ale angeboten, aber zumindest auf der Webseite taucht es nicht mehr auf.



Art und Herkunft: Blond, Belgien (Limburg).

Sonntag, 12. August 2018

Einsendungen, Teil IV: Whic Nymphs of Whisky (Ben Nevis, Glenturret) & Architecture of Taste (Aberlour)

Im zweiten Teil der Samples von whic sind nunmehr auch die beiden weiteren Serien von deren eigenen Abfüllungen vertreten: Die Nymphs of Whisky (mit Bildern von ebendiesen leicht bekleideten Damen aus der Mythologie etikettiert) sowie Architecture of Taste (antike Torbögen sowie der Claim Wir legen hier das Auge auf Abfüllungen, die sich durch ein ungewöhnlich intensives Aroma profiliert haben. Der Geschmack steht hier absolut im Mittelpunkt). Der heute vorgestellte Ben Nevis ist leider ausgelistet. Die beiden anderen Whiskys kosten um die 140,- EUR für eine "große" Flasche.

Ben Nevis ist eine der "Hausdestillerien" unserer Redaktion; verkostet haben wir hier bis jetzt verschiedene Ausgaben des Zehnjährigen. Der Zweiundzwanzigjährige, der heute vor uns steht, hat seine gesamte Lebenszeit in einem Sherryfass (genauer gesagt: einem Butt mit ca. 500 Litern Fassungsvermögen) verbracht. Solche alten Jahrgänge gibt es von Ben Nevis normalerweise nur als unabhängige Abfüllungen.

Glenturret ist für uns alle eine unbekannte Größe. Die Destillerie bezeichnet sich selbst als die Älteste in Schottland (1775), allerdings war sie einen großen Teil ihrer Geschichte über geschlossen. Die Brennerei in ihrer heutigen Form stammt auf jeden Fall von einer umfangreichen Renovierung Ende der 50er (nach 30 Jahren Stillstand). Bekannt ist sie zudem für die Katze Towser, die es als äußerst langlebiges Exemplar ihrer Gattung und als hochproduktive Mäusefängerin einst ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Da Glenturret zusammen mit Macallan einer der Lead Whiskies von Famous Grouse ist, liegt das Hauptaugenmerk der Produktion (und der Vermarktung) eben auch auf diesem sehr bekannten Scotch. Mangels Erfahrung mit diesem Single Malt habe ich mal bei Johannes Vandenheuvel nachgeschaut: er selbst ist wohl kein großer Fan und beschreibt den Hausstil als ölig bzw. würzig, mit wenigen Nuancen. Der Glenturret von whic wurde jedenfalls 1994 abgefüllt und hat ein Finish im Barolofass erhalten. Barolo ist ein trockener Rotwein aus dem Piemont und reift traditionell in Eiche oder Kastanie.

Schließlich Aberlour aus dem Konzern Pernod Ricard. Hier im Blog hatten wir schon mal einen Fünfzehnjährigen und einen Achtzehnjährigen; bewertet haben wir ihn einmal mittelmäßig (15) und einmal gut (18). Whiskys von der Speyside sind in unserem Team nicht immer die beliebtesten Tropfen, allerdings hat die Brennerei an und für sich einen hervorragenden Ruf. Der hier vorgestellte Einundzwanzigjährige von whic kommt aus dem Bourbonfass (Hogshead = 250 Liter).



Glenturret 22 J. (1994/2017) Barolo Finish (55,5% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Southern).

Besonderheiten: Fassstärke, nicht gefärbt.

Sonntag, 5. August 2018

1800 Tequila Anejo (38% Vol.)

Bevor ich weiterschreibe: Wagt es bloß nicht, Zitrone und Salz oder etwa Orange und Zimt (schauder!) rauszuholen. Dieses "Ritual" ist eine Erfindung der Gringos und in Mexiko absolut unüblich. Tequila trinkt man dort pur; wenn überhaupt, dann trinkt man silbernen Tequila als bandera (Flagge) in den Farben Grün (Limettensaft) - Weiß (Tequila) - Rot (Sangrita) ... und zwar aus drei unterschiedlichen Gläsern. Im Endeffekt dient dieser ganze Firlefanz nur dazu, ein recht spritiges Getränk (weißen bzw. silbernen Tequila) für den mitteleuropäischen Gaumen abzumildern. Wir sind halt ein bisschen verweichlicht, gelle? Ähnliche Phänomene kennt man auch von diesen unsäglichen "Absinth-Ritualen" usw.

Wie auch immer: was überhaupt ist Tequila? Zunächst einmal eine regional begrenzte Variante des Mezcal, vergleichbar mit der Situation Weinbrand vs. Cognac. Spirituosen mit dem Namen Tequila müssen aus der Umgebung der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Jalisco kommen. Außerdem muss er aus der Blauen Agave (aka agave tequilana oder auch Weber-Agave) hergestellt worden sein. Bei einem "einfachen" Tequila reichen als Agavenanteil 51 Prozent, bei den 100-Prozent-Agave-Tequilas sind es ... naja, ihr wisst schon. Ansonsten hat er zwischen 31 und 55 Umdrehungen, wobei 38 so etwas wie der Normalfall sind. Grundsätzlich unterscheidet man vier Hauptsorten:
  • Tequila Blanco oder Plata ("Weiß" bzw. "Silber"): keine Lagerzeit bzw. bis zu zwei Monaten im Stahltank
  • Tequila Reposado ("geruht"): zwischen zwei Monaten und einem Jahr in Eichenfässern
  • Tequila Anejo ("gealtert", eigentlich gehört da noch eine Tilde oder wie das heißt über das "n"): zwischen einem und drei Jahren in Eichenfässern
  • Tequila Extra Anejo (dürfte klar sein): mindestens drei Jahre in Eichenfässern
Wer noch mehr Infos braucht: auf der Seite der Nationalen Kammer der Tequilahersteller erfährt man alles, was man jemals über Tequila wissen wollte.

Unser heutiger Agavenbrand kommt von der Firma José Cuervo (JC), die bereits im Jahre 1795 (sic!) Tequila herstellte. Seit den Sechzigern des 20. Jahrhunderts befindet sich JC im Besitz der Familie Beckmann (trotz des Namens sind es waschechte Mexikaner). Früher hieß der Tequila noch José Cuervo 1800, aber seit ein paar Jahren handelt es sich um eine eigene Marke. Den Beckmanns gehört darüber hinaus auch noch die Firma Proximo Spirits in New Jersey, die unter anderem die Markenrechte an Bushmills und The Kraken hält. Außer dem heute probierten Anejo gibt es unter dem Namen 1800 "natürlich" noch einen Blanco, einen Reposado sowie einen Extra Anejo ... und aus unerfindlichem Grunde auch einen mit Kokosnuss. 

Eine kurze Anmerkung, bevor ich mit der Verkostung anfange: so einen guten Tequila trinkt man natürlich nicht aus dem Shotglas, sondern aus einem Nosingglas oder aus einem Schwenker, bei Zimmertemperatur. Und wie gesagt: keine Zitrone, keine Orange. Bitte.



Art und Herkunft: Tequila, Mexiko (Jalisco).

Sonntag, 29. Juli 2018

Einsendungen, Teil III: Whic Sujet Series (Macduff, Fettercairn, Tobermory)

Vor nicht allzu langer Zeit nahm die Firma whic zu unserem "Vorstandsvorsitzenden" Jan B. Kontakt auf, mit der Frage, ob wir nicht einmal Lust hätten, ein paar Samples zu verkosten. Natürlich hätten wir, sagte er (das sagt er natürlich eigentlich immer). Und mit Samples ist man bei whic wohl nicht so knauserig wie bei anderen, die ich nennen könnte (aber nicht nenne), denn innerhalb einer sehr kurzen Zeit trafen insgesamt sechs Probefläschchen ein, schön verpackt im grünen Karton. Nach unseren Plänen war schließlich gestern der Termin für die erste Verkostung, und für mich heute der Tag, an dem ich darüber zu berichten habe.

Whic ist ein unabhängiger Abfüller und Online-Händler in München und seit 2012 im Geschäft. Neben den eigenen Serien sind aber natürlich noch viele weitere Whiskys im Angebot, sowohl direkt von den Brennereien als auch von mehreren anderen Unabhängigen. Außer dem recht umfangreichen Shopsystem findet der Whiskyfreund mit und ohne Gendersternchen auf der Webseite ebenfalls einige Ebooks (gratis, aber nicht umsonst) zum Thema Whisky sowie natürlich auch einen Blog.

Wir probierten gestern drei Samples der Sujet Series. Allen Whiskys dieser Reihe ist gemeinsam, dass sie mit einem individuell gestalteten Label der Künstlerin Ruta Grigaitè aufwarten können, genauer gesagt mit drei verschiedenen Aktstudien. Frau Grigaitè kommt wohl aus Litauen, wohnt aber in London und die ersten paar Treffer beim Googlen beziehen sich unweigerlich auf die Etikettendesigns - was ja auch nicht weiter schlimm ist und auf jeden Fall für die Marketingarbeit von whic spricht. Zwei der Samples haben außerdem ein Madeira-Finishing hinter sich, der Dritte im Bunde eines mit Sherry (genauer gesagt in Sherry Octaves, also in Fässern von 46 Litern Fassungsvermögen). Die beteiligten Brennereien sind zunächst einmal Macduff (die leider keine Webseite hat und ihre Hausabfüllungen unter dem Namen Glen Deveron bzw. neuerdings The Deveron verkauft), dann Fettercairn (auch keine Webpräsenz, von denen hatten wir vor einigen Jahren mal eine aus der Old Malt Cask-Serie von Douglas Laing) sowie last but not last Tobermory (hier noch nie "richtig" verkostet, allerdings schon die Schwestermarke Ledaig, welche das torfige Segment abdeckt). Dieser Einundzwanzigjährige kostet knapp unter 120,- EUR, die beiden anderen jeweils die Hälfte.



Fettercairn 10 J. (2006/2017) Madeira Finish (52,6% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (East).

Sonntag, 22. Juli 2018

Vedett Extra Session IPA (2,7% Vol.)

Der Begriff Session Beer ist erst vor ein paar Jahren aufgekommen und gehört letztlich zum noch immer weiter an Fahrt aufnehmenden Craft-Bier-Hype. Eigentlich kommt die Idee eher aus dem britischen Raum, aber wie man sieht, fasst er langsam auch in anderen Braukulturen Fuß. Was also ist ein Session Beer? Normalerweise versteht man darunter ein Bier mit reduziertem Alkoholgehalt (in der Regel zwischen zwei und vier Umdrehungen, eine feste Regel gibt es nicht), von dem man eben mehr als nur eines während einer "Session" trinken kann. Ein Bier für einen langen Abend also. Über die Entstehung des Konzepts gibt es mehrere Legenden. Die, die mir am besten gefällt, ist folgende: Im Zweiten Weltkrieg mussten britische Arbeiter in der Rüstungsindustrie sehr lange Doppelschichten einlegen. Damit sie das durchhalten konnten, wurde ihnen am Ende der ersten Schicht eine relativ lange Pause, die "Session", gewährt, während der sie sich in einem nahegelegenen Pub verschnaufen durften. Da es beim Umgang mit Munition nicht angesagt ist, sich mit überschweren Bieren volllaufen zu lassen (bumm!), bevorzugten die Arbeiter damals leichtere, alkoholärmere Produkte.

Heute steht also ein belgischer Vertreter dieser Zunft vor mir, ein Vedett (die Marke ist so hipsterig, dass es nur eine englischsprachige Webseite gibt). Vor ein paar Jahren gab es von denen nur das Blond, ihren Standard, aber heute haben sie auch ein "normales" IPA und ein Weißbier (ein belgisches Weißbier - nicht zu verwechseln mit Erdinger und Konsorten) sowie ein Wasser (um Himmels Willen, kein Scherz). Vedett gehört wie einige andere bekannte Marken (Achouffe, Duvel, u.a.) zu Duvel Moortgat. Das ist eine große belgische Brauerei, die seit 1871 im Besitz der Moortgats und daher eines der bekanntesten nationalen Familienunternehmen ist.


Art und Herkunft: IPA, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 15. Juli 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil IV

Heute nun also der vorerst letzte Teil über niederländische Biere. Ich habe mich bei der Auswahl der Kandidaten (fast) nur von meinen Interessen oder auch Vorlieben leiten lassen, insofern sind es dann doch hauptsächlich helle und/oder hopfenbetonte Sorten geworden.

Einen Vertreter von Baxbier aus Groningen hatten wir hier neulich schon mal im Programm. Wie gesagt: es gibt relativ wenige Infos zur Historie der Biere von dort; auf einem anderen Blatt steht, dass es davon schon eine recht ansehnliche Vielfalt gibt. Das heute besprochene Rokkenjager hat vor kurzem eine neue Aufmachung bekommen - zu sehen ist unten im Bild noch die alte. Auf dem Etikett heißt es neuerdings auch nicht mehr Lentebier (Frühlingsbier), sondern Lentebok, was der ganzen Sache auch deutlich näher kommt, wie wir später noch sehen werden.

Außerdem haben wir die Brauerei Vandestreek (van de streek bedeutet so viel wie "aus der Gegend"). Sie existiert erst seit gut acht Jahren und war ganz am Anfang - wie unser eigenes Projekt - eine reine Hobbybrauerei. Das genügte den beiden Gründern aber nicht mehr, sodass sie anfingen kontinuierlich zu expandieren. Im letzten Jahr eröffnete endlich ihr eigenes Brauhaus und zurzeit bieten sie sieben Produkte dauerhaft an, darunter auch das Hop Art, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen.

Last but not least Warnsfelder aus dem Gelderland. Hier haben wir wieder einmal das, was man im Englischen nicht ganz politisch korrekt gypsy brewery und im Deutschen Wanderbrauerei nennt: eine Brauerei, die nicht über eigene Produktionsanlagen verfügt, sondern bei einer anderen Brauerei herstellen lässt bzw. deren Brauhaus mietet, um die Biere selbst herzustellen. Benannt ist die Firma nach der Gemeinde Warnsveld, in der die Familie der heutigen Inhaber bereits seit dem 17. Jahrhundert im Brauwesen tätig war. Gemacht werden die Produkte (im Moment noch) bei Huttenkloas in Albergen, die bis vor kurzem selbst noch eine Wanderbrauerei war, denn sie ließen zu Beginn ihrer Tätigkeit  in Süddeutschland (sic!) herstellen. Von Warnsfelder gibt es zurzeit drei verschiedene Sorten zu entdecken.



Baxbier Rokkenjager (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Maibock, Niederlande (Groningen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 8. Juli 2018

Landskron Pupen-Schultzes Schwarzes (3,8% Vol.)

Heute komme ich endlich dazu, ein weiteres (und letzteres) Bier zu verkosten, das mir mein Kollege vor einiger Zeit aus dem Urlaub in Brandenburg mitgebracht hat. Die beiden Radler hatte ich hier neulich schon besprochen.

Ein Schwarzbier aus der Stadt Görlitz, von der Brauerei Landskron. Gegründet wurde sie bereits 1869 und war zunächst bekannt als Görlitzer Aktien-Brauerei. "Landskron" war ursprünglich nur eine der Marken der Firma, in den Zwanzigern ging der Name aber auf den ganzen Betrieb über. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Landskron zunächst in halbprivater Hand weiterarbeiten (ich vermute, das sozialistische Regime war bei Firmen, die Produkte herstellten, welche die Bevölkerungsmoral stärkten, etwas großzügiger), aber Anfang der 70er war eben doch Schluss und es wurde ein VEB daraus gemacht.

Nach der Wende übernahm der ehemalige Eigentümer wieder die Brauerei, verkaufte jedoch Anfang der Zweitausender an einen Großkonzern (genauer gesagt: Holsten/Carlsberg). Dieser wiederum wollte Landskron nach wenigen Jahren wieder loswerden. Es fanden sich in letzter Minute aber noch zwei willige Investoren, nämlich das Unternehmerpaar Lohbeck. In deren Hand ist die Firma auch heute noch.

Die Produktpalette ist recht groß und umfasst neben Klassikern wie verschiedenen Bockbieren, Pils, Lager und Weizen auch eine "Gourmetserie", in der mit verschiedenen Fasslagerungen und exotischen Hefestämmen experimentiert wird. Das heute probierte Schwarzbier ist nach einem ehemaligen Braumeister aus Cottbus benannt und wird sowohl in Gebinden von einem halben Liter, als auch in kleinen Flaschen angeboten. Es hat nur einen geringen Alkoholgehalt und wird mit Süßstoffen hergestellt, wodurch es kalorienarm werden soll. Das stimmt mich nicht gerade hoffnungsfroh, denn von Süßstoffen im Bier halte ich normalerweise eigentlich nichts. Aber schauen wir mal.

Sonntag, 1. Juli 2018

Prêt à Porter: drei kleine Schwarze aus den Niederlanden

Über zwei der drei heute vertretenen Brauereien haben wir schon einmal etwas geschrieben: ich selbst vor recht langer Zeit über Jopen aus Haarlem. Seit damals ist die Brauerei rasant gewachsen: im Jahr 2012 war man gerade in eine neue Braustätte umgezogen; seitdem ist eine weitere Produktionsanlage in einem lokalen Gewerbegebiet entstanden, komplett mit Restauration und allem Zipp und Zapp. Das heute vorgestellte Oost-Indie Porter ist eine Hommage an die Biere, die von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) einst in die niederländischen Überseebesitzungen gebracht wurde.

Von Lowlander aus Amsterdam hatte Jan vor ein paar Wochen noch etwas im Programm. Eigentlich passt dieses Po(o)rter sehr gut in die Reihe mit dem von Jopen, denn beide werden in derselben Anlage hergestellt. Wie bei Lowlander üblich wird das Bier mit Botanicals gebraut, in diesem Falle Süßholz und Vanille.

Schließlich haben wir noch Baxbier aus Groningen- hier im Blog ein Newcomer. Irgendwo in einem unserer Kühlschränke wartet noch ein anderes ihrer Biere auf seine Verkostung, es wird also nicht bei einer flüchtigen Bekanntschaft bleiben. Laut Information auf Facebook gerade mal erst vier Jahre alt, ansonsten ist ohne längere Recherche wenig über die Geschichte der Firma zu finden. Das Koudvuur ist nur eines von mehreren dunklen Bieren der Brauerei.


Jopen Oost-Indie Porter (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export Porter/Baltic Porter, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 24. Juni 2018

Steam Brew Imperial IPA vs. Imperial Stout vs. German Red (Eichbaum/Lidl)

Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal einen Beitrag hier drin wegen "Craftbieren" bei Lidl. Damals noch unter dem Handelsnamen "Perlenbacher" bzw. "Maltos". Der Hersteller, die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim, hatte eine seiner eigenen Serien mit einem anderen Etikett versehen und beim Discounter ins Regal gestellt. Seit Anfang diesen Jahres stehen wieder Biere von Eichbaum bei Lidl, aber diesmal mit anderem Namen und - wenn man den Ankündigungen glauben soll - ab jetzt im Dauersortiment. 

Drei verschiedene Sorten von "Craftbieren" (ich tue mich schwer damit, den Begriff hier ohne Anführungszeichen zu setzen, denn die Brauerei ist ein Großproduzent im Südwesten) werden in dieser Serie vorgestellt. Alle drei schickschick und modern im futuristischen Retro-Look aus der Dose. Ich vermute mal, darum wird das Produkt Steam Brew genannt: nicht weil es ein Dampfbier ist, sondern wegen Steampunk. So weit, so hipster. Wenn ich mir die verschiedenen Biere so anschaue, dann  handelt es sich diesmal wohl um regelrechte Auftragsarbeiten. Besonders in Bezug auf die Volumenprozente hat Eichbaum in seinem Standardsortiment nichts ähnliches zu bieten. Für "Craftbier" mit oder ohne Anführungszeichen sind die Dosen übrigens konkurrenzlos günstig: für gerade einmal 0,69 EUR kann sie jeder mitnehmen.




Steam Brew German Red (7,9% Vol.)

Art und Herkunft: Red Ale, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Kupferbraun mit einem leichten Rotstich. Mittlere Krone. Deutliche Röstaromen und eine Andeutung von roten Früchten.

Geschmack: Sehr malzig. Eher dezent röstig, aber stärkere vollreife Frucht. Johannisbeere.

Abgang: Mittel, dumpfig.

Fazit/Tipp: Für mich persönlich etwas zu süßlich-überlagert im Geschmack.

Sonntag, 17. Juni 2018

Hite Pale Lager (4,3% Vol.)

Der große koreanische Getränkekonzern HiteJinro entstand im Jahr 2005 aus der Fusion der Firmen Hite (einer Brauerei, gegründet 1933) und Jinro (einer Destillerie, gegründet 1924). Die beiden wichtigsten Produkte der Firma sind mithin immer noch das Bier sowie der Soju, der koreanische Nationalschnaps, welcher traditionell aus Reis gemacht wurde. Daneben wird aber auch Whisky hergestellt - und zwar durch die schottische Edrington Group (unter anderem Macallan, Cutty Sark) - sowie einige Likörchen usw.

Die Biere, die unter der Marke Hite verkauft werden, sind, wie in vielen Ländern der Welt, nicht ausschließlich mit Gerstenmalz gebraut. Es kommt unter anderem auch Reis zum Einsatz. Dies ist nicht nur in Asien, sondern etwa auch bei den "typisch amerikanischen" Lagerbieren der Fall. Allerdings bietet die Firma ebenfalls Biere an, die deutschen Produkten in punkto Inhaltsstoffen sehr nahe kommen, z.B. das Max. Das heute verkostete Pale Lager ist das Standardbier von Hite und ausschließlich am Mainstream orientiert. Darüberhinaus gibt es aber auch noch ein paar andere Bierstile zu probieren, zum Beispiel ein Stout.


Art und Herkunft: Lager, Südkorea (Seoul).

Sonntag, 10. Juni 2018

Zwei Radler aus dem Osten

Ihr habt es eventuell schon gemerkt: wir betreiben hier keinen Fahrrad-Blog. Darum geht es hier auch nicht um zwei Typen aus Ostdeutschland, die Fahrrad fahren, sondern - wie man sich eventuell schon denken konnte - um zwei Biermischgetränke mit Limonade, im Volksmund auch "Radler" genannt. Nördlich der Elbe auch gerne "Alsterwasser"; mein Vater, der viele Jahre in Hamburg lebte, bestand auf diesem Begriff, genauso wie er es hasste, wenn Leute "Samstag" anstelle von "Sonnabend" sagten. Aber ich schweife ab.

Mein Bürokollege war neulich auf Campingurlaub in Brandenburg und hat mir von da zwei "Radler" mitgebracht (das eine stammt direkt aus der Region, das andere aus Sachsen). An und für sich trinke ich nicht sooo gerne Radler, Alster, Tango oder Krefelder - die mir meistens einfach zu süß sind - aber bei den gegenwärtigen Temperaturen mache ich mal eine Ausnahme, vielleicht sind sie ja doch ganz erfrischend.

Feldschlößchen ist noch relativ bekannt, insbesondere natürlich das Pilsner. Die Brauerei wurde 1858 gegründet, war dann in der DDR selbstverständlich nicht Privatbesitz, sondern VEB und gehört seit 2004 zur Carlsberg-Gruppe. Neben den gängigen Sorten (z.B. auch ein Export, ein Alkoholfreies, usw.) gehören wie bei jedem größeren Hersteller heute die Biermixe als fester Bestandteil dazu. Außer dem naturtrüben Radler gibt es noch ein alkoholfreies (why bother?) sowie eines mit Grapefruit.

Kirchers Brauhaus aus Drebkau in der Niederlausitz existiert seit 1870, hieß damals aber noch Schloßbrauerei Drebkau. Seit 1949 befindet sich die Firma (mit Unterbrechungen) im Besitz der Familie Kircher. Lustigerweise gibt es auf der Seite keine Übersicht über die eigenen Biere, aber aus anderen Rezensionen weiß ich, dass es noch mehr als das Gurkenradler (das leider laut Etikett Gurken Radler heißt) gibt, unter anderem natürlich ein Pils, aber auch z.B. ein Dunkelbier. Gurkenradler? Geht das überhaupt? Naja, der nahe gelegene Spreewald ist immerhin Gurkenregion, also deshalb wohl.

Feldschlößchen Naturtrübes Radler (2,5% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk, Deutschland (Sachsen).