Sonntag, 16. September 2018

Torpedo Extra IPA vs. Tropical Torpedo (Sierra Nevada Brewing Co.)

Wenn ich einen Traum äußern dürfte: Mit unserem eigenen Projekt Braugarten so weit kommen wie Ken Grossmann aus Chico in Kalifornien. Er hat in den 1970ern ganz bescheiden als Hausbrauer angefangen. Und wo steht er heute? Seine Sierra Nevada Brewing Company (SNBC) ist die siebtgrößte Brauerei der USA, stößt knapp anderthalb Millionen Hektoliter Bier pro Jahr aus und hat den lieben Ken mittlerweile zum Milliardär gemacht. Damit ist er natürlich eigentlich kein richtiger Craftbrauer mehr, allerdings bekundet er in Interviews konsequent, dass ihm diese bescheidenen Wurzeln seiner Firma wichtig sind, und dass er deshalb auf bestimmte Dinge verzichtet, die andere Großbrauereien als selbstverständlich erachten, z.B. auf aufdringliches Marketing.

Begonnen hat alles mit drei verschiedenen Sorten: einem Pale Ale, einem Stout und einem Porter; alle drei hat die SNBC auch heute noch im Programm. Insgesamt kann man von Sierra Nevada zurzeit dreizehn verschiedene Biere probieren, dazu kommt noch eine unterschiedliche Anzahl von saisonal verfügbaren Produkten (im Moment z.B. gerade ein Oktoberfestbier, das in Zusammenarbeit mit der Brauerei Weihenstephan entstanden ist). Was wir heute jedoch testen, sind zwei Klassiker der Torpedo-Reihe, benannt nach dem "Hopfentorpedo", einem Gerät zur Steuerung der Kalthopfung. Erwarten dürfen wir, nach Angaben der Firma, zwei sehr hopfige Biere mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: einmal eher würzig-fruchtig, das andere Mal eher fruchtig-fruchtig.




Torpedo Extra IPA (7,2% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, USA (Kalifornien).

Sonntag, 9. September 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIX: Grutte Pier

Grutte Pier (zu Deutsch: Großer Peter) hieß mit bürgerlichem Namen eigentlich Pier Gerlofs Donia und war ein furchtbar großer, starker und blutrünstiger Mann, der in relativ vielen Sprachen (ironischerweise aber nicht auf Friesisch) einen eigenen Wikipedia-Artikel hat. Die Not und die Rache machten ihn zum Seeräuber und Freiheitskämpfer gegen Sachsen und Holland - so weit, so romantisch. Er ist in Niederländisch-Friesland - und darum ist es ironisch, dass die friesische Wikipedia über ihn schweigt - immer noch ein beliebter Volksheld, eine Sagenfigur und ein Symbol für das traditionell starke nationale Selbstbewusstsein der Friesen.

Was also liegt für eine friesische Brauerei näher, als sich nach ihm zu benennen? Na, nicht viel, offensichtlich. Sehr alt ist sie noch nicht, gerade erst einmal drei Jahre ist es her, dass Frans Filius und Renze Bil sie in Leeuwarden eröffnet haben. Direkt nach der Gründung gab es bereits Preise, unter anderem bei den World Beer Awards für das beste Tripel aus den Niederlanden (welches wir heute auch in der Verkostung haben). Die Anlagen in Leeuwarden reichen eigentlich nur für das Experimentieren und für kleine Chargen aus, darum wurden zu Anfang die Braukessel der Mietbrauerei Admiraal verwendet. Heute wird ein Großteil der Produktion von Baxbier in Groningen übernommen.

Die drei an dieser Stelle verkosteten Biere von Grutte Pier gehören zu deren Standardsortiment; hinzu kommen noch "Specials" und saisonale Angebote, z.B. ein Bockbier. Mit der Erhältlichkeit im Einzelhandel ist es so eine Sache: wir haben es hier immer noch mit einer sehr stark regional agierenden Marke zu tun. Außerhalb der Niederlande gibt es - von zwei Ausnahmen in Belgien abgesehen - noch überhaupt keine Vertriebspartner.


Grutte Pier Blond (4,5% Vol.)

Art und Herkunft: Blond, Niederlande (Friesland/Groningen).

Besonderheiten: Mit Gerstenmalz, Weizenmalz und Haferflocken. Zusatz von Koriander. Verwendete Hopfensorten: Cascade und Saazer.

Sonntag, 2. September 2018

Samuel Smith's India Ale (5,0% Vol.)

Ist auch schon wieder fast zwei Jahre her, dass wir Biere von Samuel Smith's aus Tadcaster (Yorkshire) hier im Blog haben. Damals besprach ich - untypisch für mich - ein paar Stouts; heute bleibe ich näher an vertrauten Gefilden, mit einem (hoffentlich) knackigen und hopfigen IPA.

Die Brauerei ist eine der wenigen verbleibenden, die bei der Fermentation noch auf das System der Yorkshire Squares setzt: Hierbei handelt es sich um eine zweistufige Anordnung, bei der die gekühlte Würze in ein relativ flaches, meistens rechteckiges Becken gegeben wird, welches obendrauf noch eine weitere niedrigere Kammer sitzen hat. Die Würze verbleibt während der Gärung im unteren Becken, während der hefehaltige Gärschaum in die obere Kammer steigt. Eine ständige Umwälzung sorgt dafür, dass die Hefe jedoch weiterhin ihre Arbeit tun kann. Ist die Fermentation beendet, lässt man die Würze erneut ruhen, die Hefe setzt sich auf dem Oberdeck ab, und wenn das untere Becken in die Fässer entleert wird, läuft (so gut wie) keine Hefe mit hinein. Smith's benutzen immer noch traditionelle Squares aus Stein (genauer gesagt: Schiefer) für all ihre Biere (mit zwei Ausnahmen).

Art und Herkunft: IPA, England (Yorkshire).

Sonntag, 26. August 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVIII: Grisette Blond Bio (5,5% Vol.)

Vor ein paar Jahren hatten wir hier im Blog schon mal einen Beitrag von Tom über ein Bier aus derselben Brauerei, nämlich das St. Feuillien SaisonGrisette (von dem es außer dem Kleinen Blonden, um das es heute geht, auch noch ein Weißbier, ein Kirschbier und ein Waldfruchtbier gibt) ist die andere Marke der Brauerei (die ebenfalls St. Feuillien heißt). Das Weißbier haben wir vor ein paar Jahren auf einem Bierfest in Belgien probiert; damals hat es uns nicht so supergut gefallen.

Gegründet wurde die Firma bereits 1873 von der Famile Friart, der sie auch immer noch gehört. Bereits 1894 gewann man mit den eigenen Produkten einen Preis auf der Weltausstellung in Antwerpen. Die beiden Marken, die sich heute noch im Portfolio befinden, gehen auf diese sehr frühe Zeit der Unternehmensgeschichte zurück. St. Feuillien war zwar nicht die erste belgische Brauerei, welche Champagnerflaschen für ihr Bier verwendete, kann aber für sich in Anspruch nehmen, die erste gewesen zu sein, die dafür Magnum-, Jeroboam-, Methusalem- und Salmanassarflaschen verwendete.

Grisette ist ein Markenname, der eigentlich von einem traditionellen Bierstil aus der Region um Mons/Bergen und Charleroi herstammt. Allerdings hat das heute so genannte Bier nichts mehr mit der traditionellen Grisette zu tun, sondern muss als reine Hommage verstanden werden. Sowohl das Weißbier als auch das Blond tragen den Zusatz Bio, da sie nur aus biologisch angebauten Grundstoffen hergestellt werden.


Art und Herkunft: Blond, Belgien (Hennegau).

Sonntag, 19. August 2018

Ciney Blond (7,0% Vol.)

Als ich noch ein kleiner Junge war (also irgendwann zwischen der Schlacht der Goldenen Sporen und Waterloo), war es in Belgien nicht ungewöhnlich (eventuell in Deutschland auch nicht, dazu kann ich leider wenig sagen), dass man Kindern (so ab 12 Jahren) Bier gab. Natürlich nicht, damit sie sich einen Rausch antrinken konnten, sondern einfach weil Bier als ein ganz normales Getränk galt, das gesund und nahrhaft ist. Übrigens "durften" Kinder bei uns früher auch Kaffee trinken, aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem ich jetzt also alle Helikoptereltern hinreichend getriggert habe, weiter im Text: Als ich nicht mehr ganz so klein war, also so Mitte der Achtziger, kam Ciney landesweit in die Regale. Vorher war es eine regional begrenzte Kleinmarke in der Gegend um Namur; es ist nach der gleichnamigen Stadt benannt, deren Kirchturm auch das Label ziert. Als der Verkauf in ganz Belgien begann, reichten die bescheidenen Braukapazitäten vor Ort nicht mehr aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Produktion wurde an eine Anlage von Alken Maes weitergereicht - und diese Firma - die wiederum zu Heineken gehört - schluckte Ciney dann ein paar Jahre später. Heute wird das Bier gar nicht mehr in der Wallonie genraut, sondern im Hauptwerk im flämischen Alken.

Ich habe Ciney immer gerne getrunken (der offizielle Name ist zwar Cuvée de Ciney, aber kein Mensch sagt das im wirklichen Leben) und immer, wenn ich es heute irgendwo sehe, nehme ich eines, denn es erinnert mich - während ich eine imaginäre Träne wegdrücke - an die guten alten Zeiten, die im Nachhinein weniger kompliziert erscheinen, als sie tatsächlich wohl waren. Von Ciney gibt es zurzeit nur zwei Sorten im Portfolio: Blond und Braun. Vor einigen Jahren hat man auch noch ein Amber Ale angeboten, aber zumindest auf der Webseite taucht es nicht mehr auf.



Art und Herkunft: Blond, Belgien (Limburg).

Sonntag, 12. August 2018

Einsendungen, Teil IV: Whic Nymphs of Whisky (Ben Nevis, Glenturret) & Architecture of Taste (Aberlour)

Im zweiten Teil der Samples von whic sind nunmehr auch die beiden weiteren Serien von deren eigenen Abfüllungen vertreten: Die Nymphs of Whisky (mit Bildern von ebendiesen leicht bekleideten Damen aus der Mythologie etikettiert) sowie Architecture of Taste (antike Torbögen sowie der Claim Wir legen hier das Auge auf Abfüllungen, die sich durch ein ungewöhnlich intensives Aroma profiliert haben. Der Geschmack steht hier absolut im Mittelpunkt). Der heute vorgestellte Ben Nevis ist leider ausgelistet. Die beiden anderen Whiskys kosten um die 140,- EUR für eine "große" Flasche.

Ben Nevis ist eine der "Hausdestillerien" unserer Redaktion; verkostet haben wir hier bis jetzt verschiedene Ausgaben des Zehnjährigen. Der Zweiundzwanzigjährige, der heute vor uns steht, hat seine gesamte Lebenszeit in einem Sherryfass (genauer gesagt: einem Butt mit ca. 500 Litern Fassungsvermögen) verbracht. Solche alten Jahrgänge gibt es von Ben Nevis normalerweise nur als unabhängige Abfüllungen.

Glenturret ist für uns alle eine unbekannte Größe. Die Destillerie bezeichnet sich selbst als die Älteste in Schottland (1775), allerdings war sie einen großen Teil ihrer Geschichte über geschlossen. Die Brennerei in ihrer heutigen Form stammt auf jeden Fall von einer umfangreichen Renovierung Ende der 50er (nach 30 Jahren Stillstand). Bekannt ist sie zudem für die Katze Towser, die es als äußerst langlebiges Exemplar ihrer Gattung und als hochproduktive Mäusefängerin einst ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Da Glenturret zusammen mit Macallan einer der Lead Whiskies von Famous Grouse ist, liegt das Hauptaugenmerk der Produktion (und der Vermarktung) eben auch auf diesem sehr bekannten Scotch. Mangels Erfahrung mit diesem Single Malt habe ich mal bei Johannes Vandenheuvel nachgeschaut: er selbst ist wohl kein großer Fan und beschreibt den Hausstil als ölig bzw. würzig, mit wenigen Nuancen. Der Glenturret von whic wurde jedenfalls 1994 abgefüllt und hat ein Finish im Barolofass erhalten. Barolo ist ein trockener Rotwein aus dem Piemont und reift traditionell in Eiche oder Kastanie.

Schließlich Aberlour aus dem Konzern Pernod Ricard. Hier im Blog hatten wir schon mal einen Fünfzehnjährigen und einen Achtzehnjährigen; bewertet haben wir ihn einmal mittelmäßig (15) und einmal gut (18). Whiskys von der Speyside sind in unserem Team nicht immer die beliebtesten Tropfen, allerdings hat die Brennerei an und für sich einen hervorragenden Ruf. Der hier vorgestellte Einundzwanzigjährige von whic kommt aus dem Bourbonfass (Hogshead = 250 Liter).



Glenturret 22 J. (1994/2017) Barolo Finish (55,5% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Southern).

Besonderheiten: Fassstärke, nicht gefärbt.

Sonntag, 5. August 2018

1800 Tequila Anejo (38% Vol.)

Bevor ich weiterschreibe: Wagt es bloß nicht, Zitrone und Salz oder etwa Orange und Zimt (schauder!) rauszuholen. Dieses "Ritual" ist eine Erfindung der Gringos und in Mexiko absolut unüblich. Tequila trinkt man dort pur; wenn überhaupt, dann trinkt man silbernen Tequila als bandera (Flagge) in den Farben Grün (Limettensaft) - Weiß (Tequila) - Rot (Sangrita) ... und zwar aus drei unterschiedlichen Gläsern. Im Endeffekt dient dieser ganze Firlefanz nur dazu, ein recht spritiges Getränk (weißen bzw. silbernen Tequila) für den mitteleuropäischen Gaumen abzumildern. Wir sind halt ein bisschen verweichlicht, gelle? Ähnliche Phänomene kennt man auch von diesen unsäglichen "Absinth-Ritualen" usw.

Wie auch immer: was überhaupt ist Tequila? Zunächst einmal eine regional begrenzte Variante des Mezcal, vergleichbar mit der Situation Weinbrand vs. Cognac. Spirituosen mit dem Namen Tequila müssen aus der Umgebung der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Jalisco kommen. Außerdem muss er aus der Blauen Agave (aka agave tequilana oder auch Weber-Agave) hergestellt worden sein. Bei einem "einfachen" Tequila reichen als Agavenanteil 51 Prozent, bei den 100-Prozent-Agave-Tequilas sind es ... naja, ihr wisst schon. Ansonsten hat er zwischen 31 und 55 Umdrehungen, wobei 38 so etwas wie der Normalfall sind. Grundsätzlich unterscheidet man vier Hauptsorten:
  • Tequila Blanco oder Plata ("Weiß" bzw. "Silber"): keine Lagerzeit bzw. bis zu zwei Monaten im Stahltank
  • Tequila Reposado ("geruht"): zwischen zwei Monaten und einem Jahr in Eichenfässern
  • Tequila Anejo ("gealtert", eigentlich gehört da noch eine Tilde oder wie das heißt über das "n"): zwischen einem und drei Jahren in Eichenfässern
  • Tequila Extra Anejo (dürfte klar sein): mindestens drei Jahre in Eichenfässern
Wer noch mehr Infos braucht: auf der Seite der Nationalen Kammer der Tequilahersteller erfährt man alles, was man jemals über Tequila wissen wollte.

Unser heutiger Agavenbrand kommt von der Firma José Cuervo (JC), die bereits im Jahre 1795 (sic!) Tequila herstellte. Seit den Sechzigern des 20. Jahrhunderts befindet sich JC im Besitz der Familie Beckmann (trotz des Namens sind es waschechte Mexikaner). Früher hieß der Tequila noch José Cuervo 1800, aber seit ein paar Jahren handelt es sich um eine eigene Marke. Den Beckmanns gehört darüber hinaus auch noch die Firma Proximo Spirits in New Jersey, die unter anderem die Markenrechte an Bushmills und The Kraken hält. Außer dem heute probierten Anejo gibt es unter dem Namen 1800 "natürlich" noch einen Blanco, einen Reposado sowie einen Extra Anejo ... und aus unerfindlichem Grunde auch einen mit Kokosnuss. 

Eine kurze Anmerkung, bevor ich mit der Verkostung anfange: so einen guten Tequila trinkt man natürlich nicht aus dem Shotglas, sondern aus einem Nosingglas oder aus einem Schwenker, bei Zimmertemperatur. Und wie gesagt: keine Zitrone, keine Orange. Bitte.



Art und Herkunft: Tequila, Mexiko (Jalisco).

Sonntag, 29. Juli 2018

Einsendungen, Teil III: Whic Sujet Series (Macduff, Fettercairn, Tobermory)

Vor nicht allzu langer Zeit nahm die Firma whic zu unserem "Vorstandsvorsitzenden" Jan B. Kontakt auf, mit der Frage, ob wir nicht einmal Lust hätten, ein paar Samples zu verkosten. Natürlich hätten wir, sagte er (das sagt er natürlich eigentlich immer). Und mit Samples ist man bei whic wohl nicht so knauserig wie bei anderen, die ich nennen könnte (aber nicht nenne), denn innerhalb einer sehr kurzen Zeit trafen insgesamt sechs Probefläschchen ein, schön verpackt im grünen Karton. Nach unseren Plänen war schließlich gestern der Termin für die erste Verkostung, und für mich heute der Tag, an dem ich darüber zu berichten habe.

Whic ist ein unabhängiger Abfüller und Online-Händler in München und seit 2012 im Geschäft. Neben den eigenen Serien sind aber natürlich noch viele weitere Whiskys im Angebot, sowohl direkt von den Brennereien als auch von mehreren anderen Unabhängigen. Außer dem recht umfangreichen Shopsystem findet der Whiskyfreund mit und ohne Gendersternchen auf der Webseite ebenfalls einige Ebooks (gratis, aber nicht umsonst) zum Thema Whisky sowie natürlich auch einen Blog.

Wir probierten gestern drei Samples der Sujet Series. Allen Whiskys dieser Reihe ist gemeinsam, dass sie mit einem individuell gestalteten Label der Künstlerin Ruta Grigaitè aufwarten können, genauer gesagt mit drei verschiedenen Aktstudien. Frau Grigaitè kommt wohl aus Litauen, wohnt aber in London und die ersten paar Treffer beim Googlen beziehen sich unweigerlich auf die Etikettendesigns - was ja auch nicht weiter schlimm ist und auf jeden Fall für die Marketingarbeit von whic spricht. Zwei der Samples haben außerdem ein Madeira-Finishing hinter sich, der Dritte im Bunde eines mit Sherry (genauer gesagt in Sherry Octaves, also in Fässern von 46 Litern Fassungsvermögen). Die beteiligten Brennereien sind zunächst einmal Macduff (die leider keine Webseite hat und ihre Hausabfüllungen unter dem Namen Glen Deveron bzw. neuerdings The Deveron verkauft), dann Fettercairn (auch keine Webpräsenz, von denen hatten wir vor einigen Jahren mal eine aus der Old Malt Cask-Serie von Douglas Laing) sowie last but not last Tobermory (hier noch nie "richtig" verkostet, allerdings schon die Schwestermarke Ledaig, welche das torfige Segment abdeckt). Dieser Einundzwanzigjährige kostet knapp unter 120,- EUR, die beiden anderen jeweils die Hälfte.



Fettercairn 10 J. (2006/2017) Madeira Finish (52,6% Vol.)

Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (East).

Sonntag, 22. Juli 2018

Vedett Extra Session IPA (2,7% Vol.)

Der Begriff Session Beer ist erst vor ein paar Jahren aufgekommen und gehört letztlich zum noch immer weiter an Fahrt aufnehmenden Craft-Bier-Hype. Eigentlich kommt die Idee eher aus dem britischen Raum, aber wie man sieht, fasst er langsam auch in anderen Braukulturen Fuß. Was also ist ein Session Beer? Normalerweise versteht man darunter ein Bier mit reduziertem Alkoholgehalt (in der Regel zwischen zwei und vier Umdrehungen, eine feste Regel gibt es nicht), von dem man eben mehr als nur eines während einer "Session" trinken kann. Ein Bier für einen langen Abend also. Über die Entstehung des Konzepts gibt es mehrere Legenden. Die, die mir am besten gefällt, ist folgende: Im Zweiten Weltkrieg mussten britische Arbeiter in der Rüstungsindustrie sehr lange Doppelschichten einlegen. Damit sie das durchhalten konnten, wurde ihnen am Ende der ersten Schicht eine relativ lange Pause, die "Session", gewährt, während der sie sich in einem nahegelegenen Pub verschnaufen durften. Da es beim Umgang mit Munition nicht angesagt ist, sich mit überschweren Bieren volllaufen zu lassen (bumm!), bevorzugten die Arbeiter damals leichtere, alkoholärmere Produkte.

Heute steht also ein belgischer Vertreter dieser Zunft vor mir, ein Vedett (die Marke ist so hipsterig, dass es nur eine englischsprachige Webseite gibt). Vor ein paar Jahren gab es von denen nur das Blond, ihren Standard, aber heute haben sie auch ein "normales" IPA und ein Weißbier (ein belgisches Weißbier - nicht zu verwechseln mit Erdinger und Konsorten) sowie ein Wasser (um Himmels Willen, kein Scherz). Vedett gehört wie einige andere bekannte Marken (Achouffe, Duvel, u.a.) zu Duvel Moortgat. Das ist eine große belgische Brauerei, die seit 1871 im Besitz der Moortgats und daher eines der bekanntesten nationalen Familienunternehmen ist.


Art und Herkunft: IPA, Belgien (Antwerpen).

Sonntag, 15. Juli 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil IV

Heute nun also der vorerst letzte Teil über niederländische Biere. Ich habe mich bei der Auswahl der Kandidaten (fast) nur von meinen Interessen oder auch Vorlieben leiten lassen, insofern sind es dann doch hauptsächlich helle und/oder hopfenbetonte Sorten geworden.

Einen Vertreter von Baxbier aus Groningen hatten wir hier neulich schon mal im Programm. Wie gesagt: es gibt relativ wenige Infos zur Historie der Biere von dort; auf einem anderen Blatt steht, dass es davon schon eine recht ansehnliche Vielfalt gibt. Das heute besprochene Rokkenjager hat vor kurzem eine neue Aufmachung bekommen - zu sehen ist unten im Bild noch die alte. Auf dem Etikett heißt es neuerdings auch nicht mehr Lentebier (Frühlingsbier), sondern Lentebok, was der ganzen Sache auch deutlich näher kommt, wie wir später noch sehen werden.

Außerdem haben wir die Brauerei Vandestreek (van de streek bedeutet so viel wie "aus der Gegend"). Sie existiert erst seit gut acht Jahren und war ganz am Anfang - wie unser eigenes Projekt - eine reine Hobbybrauerei. Das genügte den beiden Gründern aber nicht mehr, sodass sie anfingen kontinuierlich zu expandieren. Im letzten Jahr eröffnete endlich ihr eigenes Brauhaus und zurzeit bieten sie sieben Produkte dauerhaft an, darunter auch das Hop Art, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen.

Last but not least Warnsfelder aus dem Gelderland. Hier haben wir wieder einmal das, was man im Englischen nicht ganz politisch korrekt gypsy brewery und im Deutschen Wanderbrauerei nennt: eine Brauerei, die nicht über eigene Produktionsanlagen verfügt, sondern bei einer anderen Brauerei herstellen lässt bzw. deren Brauhaus mietet, um die Biere selbst herzustellen. Benannt ist die Firma nach der Gemeinde Warnsveld, in der die Familie der heutigen Inhaber bereits seit dem 17. Jahrhundert im Brauwesen tätig war. Gemacht werden die Produkte (im Moment noch) bei Huttenkloas in Albergen, die bis vor kurzem selbst noch eine Wanderbrauerei war, denn sie ließen zu Beginn ihrer Tätigkeit  in Süddeutschland (sic!) herstellen. Von Warnsfelder gibt es zurzeit drei verschiedene Sorten zu entdecken.



Baxbier Rokkenjager (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Maibock, Niederlande (Groningen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 8. Juli 2018

Landskron Pupen-Schultzes Schwarzes (3,8% Vol.)

Heute komme ich endlich dazu, ein weiteres (und letzteres) Bier zu verkosten, das mir mein Kollege vor einiger Zeit aus dem Urlaub in Brandenburg mitgebracht hat. Die beiden Radler hatte ich hier neulich schon besprochen.

Ein Schwarzbier aus der Stadt Görlitz, von der Brauerei Landskron. Gegründet wurde sie bereits 1869 und war zunächst bekannt als Görlitzer Aktien-Brauerei. "Landskron" war ursprünglich nur eine der Marken der Firma, in den Zwanzigern ging der Name aber auf den ganzen Betrieb über. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Landskron zunächst in halbprivater Hand weiterarbeiten (ich vermute, das sozialistische Regime war bei Firmen, die Produkte herstellten, welche die Bevölkerungsmoral stärkten, etwas großzügiger), aber Anfang der 70er war eben doch Schluss und es wurde ein VEB daraus gemacht.

Nach der Wende übernahm der ehemalige Eigentümer wieder die Brauerei, verkaufte jedoch Anfang der Zweitausender an einen Großkonzern (genauer gesagt: Holsten/Carlsberg). Dieser wiederum wollte Landskron nach wenigen Jahren wieder loswerden. Es fanden sich in letzter Minute aber noch zwei willige Investoren, nämlich das Unternehmerpaar Lohbeck. In deren Hand ist die Firma auch heute noch.

Die Produktpalette ist recht groß und umfasst neben Klassikern wie verschiedenen Bockbieren, Pils, Lager und Weizen auch eine "Gourmetserie", in der mit verschiedenen Fasslagerungen und exotischen Hefestämmen experimentiert wird. Das heute probierte Schwarzbier ist nach einem ehemaligen Braumeister aus Cottbus benannt und wird sowohl in Gebinden von einem halben Liter, als auch in kleinen Flaschen angeboten. Es hat nur einen geringen Alkoholgehalt und wird mit Süßstoffen hergestellt, wodurch es kalorienarm werden soll. Das stimmt mich nicht gerade hoffnungsfroh, denn von Süßstoffen im Bier halte ich normalerweise eigentlich nichts. Aber schauen wir mal.

Sonntag, 1. Juli 2018

Prêt à Porter: drei kleine Schwarze aus den Niederlanden

Über zwei der drei heute vertretenen Brauereien haben wir schon einmal etwas geschrieben: ich selbst vor recht langer Zeit über Jopen aus Haarlem. Seit damals ist die Brauerei rasant gewachsen: im Jahr 2012 war man gerade in eine neue Braustätte umgezogen; seitdem ist eine weitere Produktionsanlage in einem lokalen Gewerbegebiet entstanden, komplett mit Restauration und allem Zipp und Zapp. Das heute vorgestellte Oost-Indie Porter ist eine Hommage an die Biere, die von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) einst in die niederländischen Überseebesitzungen gebracht wurde.

Von Lowlander aus Amsterdam hatte Jan vor ein paar Wochen noch etwas im Programm. Eigentlich passt dieses Po(o)rter sehr gut in die Reihe mit dem von Jopen, denn beide werden in derselben Anlage hergestellt. Wie bei Lowlander üblich wird das Bier mit Botanicals gebraut, in diesem Falle Süßholz und Vanille.

Schließlich haben wir noch Baxbier aus Groningen- hier im Blog ein Newcomer. Irgendwo in einem unserer Kühlschränke wartet noch ein anderes ihrer Biere auf seine Verkostung, es wird also nicht bei einer flüchtigen Bekanntschaft bleiben. Laut Information auf Facebook gerade mal erst vier Jahre alt, ansonsten ist ohne längere Recherche wenig über die Geschichte der Firma zu finden. Das Koudvuur ist nur eines von mehreren dunklen Bieren der Brauerei.


Jopen Oost-Indie Porter (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export Porter/Baltic Porter, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 24. Juni 2018

Steam Brew Imperial IPA vs. Imperial Stout vs. German Red (Eichbaum/Lidl)

Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal einen Beitrag hier drin wegen "Craftbieren" bei Lidl. Damals noch unter dem Handelsnamen "Perlenbacher" bzw. "Maltos". Der Hersteller, die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim, hatte eine seiner eigenen Serien mit einem anderen Etikett versehen und beim Discounter ins Regal gestellt. Seit Anfang diesen Jahres stehen wieder Biere von Eichbaum bei Lidl, aber diesmal mit anderem Namen und - wenn man den Ankündigungen glauben soll - ab jetzt im Dauersortiment. 

Drei verschiedene Sorten von "Craftbieren" (ich tue mich schwer damit, den Begriff hier ohne Anführungszeichen zu setzen, denn die Brauerei ist ein Großproduzent im Südwesten) werden in dieser Serie vorgestellt. Alle drei schickschick und modern im futuristischen Retro-Look aus der Dose. Ich vermute mal, darum wird das Produkt Steam Brew genannt: nicht weil es ein Dampfbier ist, sondern wegen Steampunk. So weit, so hipster. Wenn ich mir die verschiedenen Biere so anschaue, dann  handelt es sich diesmal wohl um regelrechte Auftragsarbeiten. Besonders in Bezug auf die Volumenprozente hat Eichbaum in seinem Standardsortiment nichts ähnliches zu bieten. Für "Craftbier" mit oder ohne Anführungszeichen sind die Dosen übrigens konkurrenzlos günstig: für gerade einmal 0,69 EUR kann sie jeder mitnehmen.




Steam Brew German Red (7,9% Vol.)

Art und Herkunft: Red Ale, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Kupferbraun mit einem leichten Rotstich. Mittlere Krone. Deutliche Röstaromen und eine Andeutung von roten Früchten.

Geschmack: Sehr malzig. Eher dezent röstig, aber stärkere vollreife Frucht. Johannisbeere.

Abgang: Mittel, dumpfig.

Fazit/Tipp: Für mich persönlich etwas zu süßlich-überlagert im Geschmack.

Sonntag, 17. Juni 2018

Hite Pale Lager (4,3% Vol.)

Der große koreanische Getränkekonzern HiteJinro entstand im Jahr 2005 aus der Fusion der Firmen Hite (einer Brauerei, gegründet 1933) und Jinro (einer Destillerie, gegründet 1924). Die beiden wichtigsten Produkte der Firma sind mithin immer noch das Bier sowie der Soju, der koreanische Nationalschnaps, welcher traditionell aus Reis gemacht wurde. Daneben wird aber auch Whisky hergestellt - und zwar durch die schottische Edrington Group (unter anderem Macallan, Cutty Sark) - sowie einige Likörchen usw.

Die Biere, die unter der Marke Hite verkauft werden, sind, wie in vielen Ländern der Welt, nicht ausschließlich mit Gerstenmalz gebraut. Es kommt unter anderem auch Reis zum Einsatz. Dies ist nicht nur in Asien, sondern etwa auch bei den "typisch amerikanischen" Lagerbieren der Fall. Allerdings bietet die Firma ebenfalls Biere an, die deutschen Produkten in punkto Inhaltsstoffen sehr nahe kommen, z.B. das Max. Das heute verkostete Pale Lager ist das Standardbier von Hite und ausschließlich am Mainstream orientiert. Darüberhinaus gibt es aber auch noch ein paar andere Bierstile zu probieren, zum Beispiel ein Stout.


Art und Herkunft: Lager, Südkorea (Seoul).

Sonntag, 10. Juni 2018

Zwei Radler aus dem Osten

Ihr habt es eventuell schon gemerkt: wir betreiben hier keinen Fahrrad-Blog. Darum geht es hier auch nicht um zwei Typen aus Ostdeutschland, die Fahrrad fahren, sondern - wie man sich eventuell schon denken konnte - um zwei Biermischgetränke mit Limonade, im Volksmund auch "Radler" genannt. Nördlich der Elbe auch gerne "Alsterwasser"; mein Vater, der viele Jahre in Hamburg lebte, bestand auf diesem Begriff, genauso wie er es hasste, wenn Leute "Samstag" anstelle von "Sonnabend" sagten. Aber ich schweife ab.

Mein Bürokollege war neulich auf Campingurlaub in Brandenburg und hat mir von da zwei "Radler" mitgebracht (das eine stammt direkt aus der Region, das andere aus Sachsen). An und für sich trinke ich nicht sooo gerne Radler, Alster, Tango oder Krefelder - die mir meistens einfach zu süß sind - aber bei den gegenwärtigen Temperaturen mache ich mal eine Ausnahme, vielleicht sind sie ja doch ganz erfrischend.

Feldschlößchen ist noch relativ bekannt, insbesondere natürlich das Pilsner. Die Brauerei wurde 1858 gegründet, war dann in der DDR selbstverständlich nicht Privatbesitz, sondern VEB und gehört seit 2004 zur Carlsberg-Gruppe. Neben den gängigen Sorten (z.B. auch ein Export, ein Alkoholfreies, usw.) gehören wie bei jedem größeren Hersteller heute die Biermixe als fester Bestandteil dazu. Außer dem naturtrüben Radler gibt es noch ein alkoholfreies (why bother?) sowie eines mit Grapefruit.

Kirchers Brauhaus aus Drebkau in der Niederlausitz existiert seit 1870, hieß damals aber noch Schloßbrauerei Drebkau. Seit 1949 befindet sich die Firma (mit Unterbrechungen) im Besitz der Familie Kircher. Lustigerweise gibt es auf der Seite keine Übersicht über die eigenen Biere, aber aus anderen Rezensionen weiß ich, dass es noch mehr als das Gurkenradler (das leider laut Etikett Gurken Radler heißt) gibt, unter anderem natürlich ein Pils, aber auch z.B. ein Dunkelbier. Gurkenradler? Geht das überhaupt? Naja, der nahe gelegene Spreewald ist immerhin Gurkenregion, also deshalb wohl.

Feldschlößchen Naturtrübes Radler (2,5% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk, Deutschland (Sachsen).

Sonntag, 3. Juni 2018

Projekt Braugarten, Teil VIII: Braugarten Pale Ale No. 1 (5,6% Vol.)

Langsam kommt das Projekt an einen Scheideweg. Die Crew ist sich einig; in absehbarer Zeit wollen wir unser Bier auch verkaufen. Da gibt es vorher noch viel zu tun: Genehmigungen sind einzuholen, Steuern zu zahlen, ein Shopsystem einrichten usw. Aber natürlich hauptsächlich mehr Bier brauen. Wir müssen den Kauf einer Anlage ins Auge fassen. Da gibt es schöne Dinger von Polsinelli aus Italien, aber selbst eine kleine kostet über zweitausend Euro. Also noch ein bisschen sparen ...

Aber genug der Zukunftsmusik und zurück zum neuen Bier: etwas typisch Britisches sollte es diesmal werden, ein Pale Ale nach überliefertem Rezept, das wir aber natürlich - wie immer - für unsere Zwecke angepasst haben. Zweierlei Hopfen ist drin: Nordbrauer für die gewisse Bitterkeit sowie East Kent Goldings für die Britishness. Zwei sehr schöne Sorten, die man vielseitig einsetzen kann. Und als Hefe die Safale S-04 von Fermentis, von Anfang an unser Haus- und Hoflieferant für Gärungszwecke.

Nun gut, das Bier sollte fertig sein; schauen wir mal, was daraus geworden ist ...



Art und Herkunft: Pale Ale, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 27. Mai 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil III

Endlich mal wieder ein paar Bierchen aus unserem Nachbarland. Vor ein paar Jahren Einheitsplörren-Hölle (Amstel, Grolsch, Heineken), ähnlich wie in Deutschland. Mittlerweile finde ich bei jedem Ausflug nach Enschede mindestens jeweils fünf bis sechs neue Biere im Getränkehandel, dessen Regalmeter für Craftbiere auch stetig wachsen. Für zwei Beiträge reicht die letzte Einkaufstour wieder einmal.

Heute haben wir erstmal das BIPA ("Black IPA" von Emelisse). Über die Brauerei selbst hatte ich in der letzten Folge mal einen kurzen Absatz geschrieben. Über das BIPA heißt es von ihrer Seite, es sei nicht besonders zugänglich, sondern ein gewolltes Extrem.

Außerdem gibt es ein IPA von Lowlander aus Amsterdam. Die Kleinstbrauerei spezialisiert sich auf das - in den Niederlanden historisch durchaus etablierte - Brauen mit Botanicals, also mit mazerierten Pflanzenauszügen, wie es bei der Herstellung von Gin traditionell gehandhabt wird. Gebraut wird übrigens auf den Anlagen von Jopen in Haarlem. Zurzeit bietet Lowlander fünf verschiedene Sorten Bier an.

Zuletzt noch das Valk IPA von De Heidebrouwerij aus Ede. Die Brauerei sitzt in der Mannschaftskantine einer ehemaligen Kaserne der niederländischen Streitkräfte und wurde 2012 gegründet. Alle Biere sind nach Tierarten benannt, die in der Region der Ginkelse Heide bzw. im Naturpark Hoge Veluwe vorkommen. Außer dem IPA werden noch einige andere Sorten - vom Pils über das Blond bis hin zum Tripel - gebraut. 



Emelisse BIPA (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Niederlande (Zeeland).

Sonntag, 20. Mai 2018

Terrasjes doen in Amsterdam*

Ein Tagesausflug nach Amsterdam mag so manchem etwas übertrieben vorkommen, aber aus dieser Ecke Deutschlands sind es nur etwas mehr als 200 Kilometer, also auch nicht weiter, als wenn man nach Hamburg fährt. Gestern haben wir also (fast) die gesamte Redaktion von Blog Blong Dring nebst Anhang - soweit vorhanden - in einen Kleinbus verfrachtet und sind in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen. Leider gibt es an niederländischen Tankstellen keinerlei Alkoholika zu kaufen, daher mussten alle Passagiere - da auch niemand an entsprechende Bevorratung gedacht hatte - bis zur Ankunft in der niederländischen Hauptstadt "trocken" bleiben.

Es war ein grauer Tag, aber trotzdem bewegten sich, uns mal ausgenommen, gefühlte hunderttausende Touristen durch Amsterdam. Wir hatten gottlob kein festes Besuchsprogramm aufgestellt, sondern rannten erst einmal wild durch die Gegend und suchten ein Ziel, zu dem wir rennen konnten.

Erster richtiger Zwischenstopp (nach dem obligatorischen Durstlöschen) war die Brauerei De Prael am Oudezijds Voorburgwal 30. Genauer befinden sich dort die Brauanlage und der Werksverkauf; das dazugehörige Lokal ist eine Querstraße weiter links im Oudezijds Armsteeg 26. De Prael ist nicht nur irgendeine beliebige weitere Craftbrauerei, sondern gleichzeitig ein soziales Projekt, dessen wichtigstes Anliegen es ist, "Menschen mit großem Abstand zum Arbeitsmarkt" (so die Firma) wieder die Möglichkeit zu geben, produktiv zu sein. Daher gab es seit dem Beginn vor 13 Jahren auch Unterstützung von verschiedenen großen sozialen Stiftungen der Niederlande. Alles in allem also auch etwas, was man guten Gewissens unterstützen kann und sollte. Neben den genannten Lokalitäten gibt es auch eine ganz neue Gaststätte samt Brauerei im Hafengebiet von Amsterdam sowie eine Niederlassung in Den Haag. Im festen Programm sind zurzeit elf Biere sowie einige saisonale Spezialitäten, von denen man die meisten auch im Proeflokaal testen kann (Essen gibt es auch). Das Milkstout und das Liquid Bacon riefen keine besondere Begeisterung bei uns hervor. Das Johnny (ein Bier, welches an ein kräftiges deutsches Pils erinnern soll) sowie das nach englischer Art gebraute Mild Ale waren allerdings schon sehr viel bekömmlicher.


Sonntag, 13. Mai 2018

Cardhu Special Cask Reserve (Batch 13.15) NAS (40% Vol.)

Die Brennerei Cardhu (oder auch früher Cardow) war unter den ersten, die nach der großen Steuerreform von 1823 "legal" wurden, obwohl man ihrem Gründer John Cumming nachsagte, schon einige Zeit vorher als Schwarzbrenner aktiv gewesen zu sein. Heute gehört die Brennerei zu Diageo und somit zur Classic Malts Selection des Hauses. Der Whisky ist einer der Lead Malts von Johnnie Walker.

Cardhu bzw. Diageo lösten im Jahre 2003 einen Shitstorm unter den Whiskynerds aus. Der Grund? In Spanien und Portugal gab es einen Run auf den Single Malt, der mit seiner süßen Geschmeidigkeit den dortigen Trinkpräferenzen entgegenkommt. Das nahm derartige Ausmaße an, dass Diageo fürchten musste, dass die Vorräte (die sie ja vornehmlich für den Johnnie Walker brauchten) zu Ende gehen würden. Was also tun? Ganz einfach: man brachte einen Blended Malt (Vatted Malt) unter dem Namen Cardhu Pure Malt auf den Markt, stufte die Marke also mehr oder weniger stillschweigend herunter. Nach etwa zwei Jahren heftigster Proteste der Maltheads (von der Scotch Whisky Association ganz zu schweigen) musste die Mutterfirma einen Rückzieher machen und seitdem ist Cardhu wieder ein Single Malt. Dieser Vorfall war der Grund dafür, dass Bezeichnungen wie Pure Malt heute innerhalb der SWA verboten sind und die Bezeichnung Blended Malt für einen Verschnitt von Single Malts aus verschiedenen Destillerien vorgeschrieben ist.

Cardhu gibt es heute in den Altersklassen 12, 15 und 18 sowie in zwei Abfüllungen ohne Altersangabe, Gold Reserve und Amber Rock. Die heute verkostete Special Cask Reserve (in "sehr alten Fässern" gelagert) scheint langsam ausgelistet zu werden. Im Handel kostet eine Flasche zurzeit um die 35,- EUR.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Central)

Sonntag, 6. Mai 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVII: Klosterhof Helles vs. Pils vs. Dunkles

Die Brauerei zum Klosterhof aus der Heidelberger Region haben wir hier im Blog schon einmal besprochen, allerdings auch schon wieder vor guten drei Jahren. Tom und Plattfuss und ich hatten damals den Hopfenfuchs, eine saisonale Spezialität, im Glas. Mit durchaus gemischten Gefühlen, wie ich mich erinnere. Seitdem hat sich einiges getan in der Brauerei: den Hopfenfuchs gibt es immer noch, aber es sind doch einige neue Spezialitäten hinzugekommen - unter anderem das HeidALEBerg (chrchrchrchr), ein "Red Summer Ale" sowie die Reihe Siegelbier, welche in Eichenfässern (Sherry, Whisky, Brandy, Barrique) nachreift.

Heute probieren wir allerdings drei Brot-und-Butter-Biere oder auch "Klassiker", wie Klosterhof schreibt. Es sind ein Helles, ein Pilsner und ein Dunkles, und praktischerweise haben sie alle dieselbe Schlagzahl. Gestiftet haben sie Freunde, die in der Nähe von Heidelberg wohnen, denn Klosterhof ist fast ausschließlich regional verfügbar.



Klosterhof Helles (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: die Klosterhofer Biere werden mit "Biozutaten" gebraut.

Aussehen und Aroma: Hellgelb, leicht trüb, kleine und feste Krone. Frischer Geruch. Hefezopf, leicht zitronig.

Geschmack: Spritzig auf der Zunge, aber wenig zu erschmecken. Feine Hefe, leichter Geschmack. Etwas Getreide.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Ein sehr typisches "Helles" ohne bleibende Eindrücke, dafür allerdings naturgemäß sehr leicht trinkbar.

Sonntag, 29. April 2018

Speymhor NAS (40% Vol.)

Für den heutigen Beitrag habe ich - bescheiden gesprochen - etwas Detektivarbeit geleistet. Zuerst dachte ich, Speymhor sei eine Handelsmarke von Aldi, weil er dort vor ein paar Wochen angeboten wurde und weil als deutscher Vertrieb die Lobuschkellerei (BORCO) genannt wird. Als Hersteller wird eine Speymhor Distillers Company (SDC) angegeben, in der 148 Terregles Avenue in Glasgow, einem unauffälligen Wohngebiet. Ein Blick ins Handelsregister von Schottland deutet ganz klar auf eine Briefkastenfirma hin. Aber: die SDC teilt sich die Adresse mit Glasgow Whisky, einer Firma, die Gesicht und Webseite besitzt. Und was findet sich in deren Portfolio? Ganz recht: Speymhor. Und zwar mehr als nur eine einzige Abfüllung. Gut, Glasgow Whisky wirbt damit, dass sie auch Whisky "nach Kundenwunsch" verschneiden, aber sowohl Speymhor (Bastard Malts) als auch einige andere Produkte (The Munros - unabhängige Abfüllungen benannter Brennereien und Cailleach - ebenfalls Bastard Malts) sind echte "Aushängeschilder" der Firma.

Darüber hinaus werden noch einige mehr oder weniger obskurer Blends (z.B. Highland Cup und Strathallan, übrigens beide mit eigener Facebookseite) hergestellt.

Der von Aldi offerierte Speymhor ist die Basisvariante ohne Altersangabe auf der Flasche. Laut Glasgow Whisky selbst ist es aber ein Dreijähriger. Er war Ende März für 14,99 zu haben. Als Dreingabe fand sich ein Rechtschreibfehler auf der Rückseite der Flasche ("... aufgrund ihres einzigartigen Charakters und Charms"). Laut Glasgow Whisky kommt dieser Malt aus der Region Perthshire, wo es zurzeit "nur" acht Distillerien gibt, die als Produzenten überhaupt infrage kämen, nämlich Aberfeldy, Edradour, Blair Athol, Deanston, Dalwhinnie, Strathearn, Glenturret und Tullibardine. Hmmm. Letztere wäre aufgrund von Ausstoß und Positionierung z.B. eine mögliche Kandidatin, aber wer weiß.


Art und Herkunft: Single Malt, Highlands

Sonntag, 22. April 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVI: Lindemans Pecheresse (2,5% Vol.)

Über die Brauerei Lindemans und ihr Verhältnis zur Tradition habe ich schon öfter mal etwas verlautbaren lassen, unter anderem hier und hier. Heute ist mal eines (wenn nicht das) ihrer süßesten und kommerziellsten Biere auf dem Prüfstand: das Pecheresse. Es ist nur sehr schwach alkoholisch (zusammen mit dem Framboise das alkoholärmste aller mir bekannten Lindemans-Produkte) und entsteht aus der Vermischung von einjährigem Lambiek mit 30% Pfirsichsaft. Das Etikett zeigt die Namenspatronin des Bieres, die Pecheresse (pécheresse bedeutet "Sünderin" auf Französisch, gleichzeitig ist pêche das Wort für Pfirsich) in Jugendstilaufmachung. Neulich ist mir übrigens zufällig aufgefallen, dass Lindemans anscheinend bei einer ganzen Reihe seiner Produkte spezielle Etiketten (und auch teilweise Namen) nur für den amerikanischen Markt bereitstellt. Hier in Europa heißt das Pecheresse eben Pecheresse und sieht - auch in Großbritannien - so aus. In den USA heißt es ganz einfach Pêche und sieht so aus. Komisch, oder? 


Art und Herkunft: Lambiek mit Pfirsichsaft, Belgien (Flämisch-Brabant)

Sonntag, 15. April 2018

Aus der Rätselkiste, Teil I: Both Gold NAS (38% Vol.)

Vor ein paar Monaten schleppte Plattfuss einen großen Karton auf unser Redaktionstreffen mit. Er hatte ihn für kleines Geld auf Ebay ersteigert und darin befanden sich recht viele alte bis sehr alte ungeöffnete Miniaturen mit Schnaps bzw. Schnapsresten. Ab und zu wollen wir nun einmal in diese mysteriöse Rätselkiste greifen und schauen, was uns da so erwartet und ob man es noch trinken kann.



Eine lange Lagerung kann Spirituosen ziemlich zusetzen, vor allem wenn man es nicht richtig macht. Ethanol oxidiert, wenn auch sehr langsam. Durch den (niemals perfekt schließenden) Verschluss wird mit der Zeit Luft gezogen bzw. verdunstet der Alkohol. Dadurch verändert sich nicht nur der Füllstand der Flasche, sondern auch der Alkoholgehalt - vom Aroma ganz zu schweigen. Hinzu kommt der Einfall von Tageslicht, außer in Fällen, in denen wirklich ein dunkler Keller zur Verfügung steht. Besonders bedenklich ist die lange Lagerung natürlich, wenn sich in schwachprozentigen Likörchen noch allerlei verderbliche Zutaten (z.B. Sahne) tummeln. Diese Getränke sollte man nicht unbedingt sehr lange aufbewahren, nicht einmal, wenn sie nicht angebrochen sind.

Unser Kistchen umfasst gottlob hauptsächlich Fruchtiges (einen Pimm's habe ich schon gesehen) oder Klares. Unseren Hausregeln entsprechend habe ich mal mit geschlossenen Augen ins Volle gegriffen und die heutige Flasche herausgezogen. Achtunddreißig Umdrehungen hatte sie mal, heute dürften es aber (siehe oben) deutlich weniger sein.

Der Both Gold wird auch heute noch hergestellt (wenn auch "nur" noch mit 36 Volumenprozenten) und auch die ihn produzierende Firma gibt es weiterhin. Die Gebrüder Both GmbH wurde 1886 in Ahrweiler gegründet und war bereits in ihren Ursprüngen Weinbrennerei und -handlung. Als sie 1961 das 75. Firmenjubiläum feierte, hatte sie 130 Festangestellte und 110 Außendienstler (also Handelsvertreter). Irgendwann zwischen 1961 und heute muss die Brennerei aber umgezogen sein, denn als Adresse wird jetzt Goch angegeben. Bekannte Produkte sind u.a. der Lakrizza und ein Kräuterbitter namens Löwentor. Der Both's Old Tom Gin hat aber meines Erachtens mit der Firma nichts zu tun.

Unsere Flasche heute ist gerade noch einmal halbvoll. Auf dem Etikett findet sich die Angabe "Weinbrennerei Gebr. Both GmbH & Co. KG, 5483 (!) Ahrweiler". 

Sonntag, 8. April 2018

Johnnie Walker Double Black NAS (40% Vol.)

Ein Geständnis vorweg, liebe Leserinnen und Leser: Ich bin - bis jetzt - kein großer Freund der Produkte aus dem Hause Johnnie Walker. Vor nun auch schon wieder sechs Jahren hatte ich eine etwas unschöne Begegnung mit dem damaligen Gold Label ("damalig", denn seitdem ist das Portfolio von JW kräftig umgebaut worden), über die ich ausführlich hier im Blog berichtet hatte

Zweitens geht mir  der allgegenwärtige Red Label besonders auf den Keks, wenn ich ihn denn doch einmal trinken muss, weil in der jeweiligen Kneipe neben dem Trio Infernale John, Jack und Jim ansonsten nur Tequila (am besten auch noch der mit Hütchen) oder Doppelkorn zu haben sind. Oder ein deutscher Weinbrand, der seit dreißig Jahren geöffnet im Regal steht. Und drittens nervt mich der Hype, den die "Firma Walker" (eigentlich natürlich Diageo) mit ihren überkandidelten Whiskys im Hochpreissegment betreibt. Das fängt an bei swingenden Flaschen und endet bei der Verzehrempfehlung (zitiert nach der deutschen Webseite) füllen Sie 4,5 cl in ein Glas aus Baccarat-Kristall. Baccarat-Kristall!

Warum also habe ich mir jetzt doch noch eine Flasche zugelegt? Ach, so wirklich kann ich das auch nicht sagen. Wollte ich dem Herren in dem flotten Outfit mit Spazierstock noch eine Chance geben? Oder hoffe ich auf eine positive Überraschung? Wer kennt schon die Abgründe der menschlichen Seele? Ich jedenfalls anscheinend nicht. Ganz ehrlich gesagt liegt es wohl daran, dass der Double Black einer der Whiskys von Johnnie Walker (Johnny Walker liest man übrigens häufig in den Getränkekarten, ist aber trotzdem falsch) ist, über den ich schon relativ häufig Gutes gehört habe. Und er war bei Amazon Prime im Angebot. Darum also.

Nach der großen Unstellung vor ein paar Jahren hat die Marke nun insgesamt drei Segmente, von denen uns heute nur die Reihe Johnnie Walker Colours interessiert, die mit dem oben schon rüde abgefertigten Red Label, welcher laut Werbung am besten wohl in Mixgetränken zu goutieren ist; dem Gold Label Reserve (früher ein Achtzehnjähriger, heute NAS); dem Platinum Label (18 Jahre alt); dem Blue Label (laut Stefan Gabanyi "ein guter Blend zum Preis von zwei sehr guten Single Malts"); dem Green Label, einem Blended Malt aus vier verschiedenen Whiskyregionen sowie schließlich den beiden Black Labels.