Sonntag, 15. Juli 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil IV

Heute nun also der vorerst letzte Teil über niederländische Biere. Ich habe mich bei der Auswahl der Kandidaten (fast) nur von meinen Interessen oder auch Vorlieben leiten lassen, insofern sind es dann doch hauptsächlich helle und/oder hopfenbetonte Sorten geworden.

Einen Vertreter von Baxbier aus Groningen hatten wir hier neulich schon mal im Programm. Wie gesagt: es gibt relativ wenige Infos zur Historie der Biere von dort; auf einem anderen Blatt steht, dass es davon schon eine recht ansehnliche Vielfalt gibt. Das heute besprochene Rokkenjager hat vor kurzem eine neue Aufmachung bekommen - zu sehen ist unten im Bild noch die alte. Auf dem Etikett heißt es neuerdings auch nicht mehr Lentebier (Frühlingsbier), sondern Lentebok, was der ganzen Sache auch deutlich näher kommt, wie wir später noch sehen werden.

Außerdem haben wir die Brauerei Vandestreek (van de streek bedeutet so viel wie "aus der Gegend"). Sie existiert erst seit gut acht Jahren und war ganz am Anfang - wie unser eigenes Projekt - eine reine Hobbybrauerei. Das genügte den beiden Gründern aber nicht mehr, sodass sie anfingen kontinuierlich zu expandieren. Im letzten Jahr eröffnete endlich ihr eigenes Brauhaus und zurzeit bieten sie sieben Produkte dauerhaft an, darunter auch das Hop Art, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen.

Last but not least Warnsfelder aus dem Gelderland. Hier haben wir wieder einmal das, was man im Englischen nicht ganz politisch korrekt gypsy brewery und im Deutschen Wanderbrauerei nennt: eine Brauerei, die nicht über eigene Produktionsanlagen verfügt, sondern bei einer anderen Brauerei herstellen lässt bzw. deren Brauhaus mietet, um die Biere selbst herzustellen. Benannt ist die Firma nach der Gemeinde Warnsveld, in der die Familie der heutigen Inhaber bereits seit dem 17. Jahrhundert im Brauwesen tätig war. Gemacht werden die Produkte (im Moment noch) bei Huttenkloas in Albergen, die bis vor kurzem selbst noch eine Wanderbrauerei war, denn sie ließen zu Beginn ihrer Tätigkeit  in Süddeutschland (sic!) herstellen. Von Warnsfelder gibt es zurzeit drei verschiedene Sorten zu entdecken.



Baxbier Rokkenjager (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Maibock, Niederlande (Groningen).

Besonderheiten: -

Sonntag, 8. Juli 2018

Landskron Pupen-Schultzes Schwarzes (3,8% Vol.)

Heute komme ich endlich dazu, ein weiteres (und letzteres) Bier zu verkosten, das mir mein Kollege vor einiger Zeit aus dem Urlaub in Brandenburg mitgebracht hat. Die beiden Radler hatte ich hier neulich schon besprochen.

Ein Schwarzbier aus der Stadt Görlitz, von der Brauerei Landskron. Gegründet wurde sie bereits 1869 und war zunächst bekannt als Görlitzer Aktien-Brauerei. "Landskron" war ursprünglich nur eine der Marken der Firma, in den Zwanzigern ging der Name aber auf den ganzen Betrieb über. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Landskron zunächst in halbprivater Hand weiterarbeiten (ich vermute, das sozialistische Regime war bei Firmen, die Produkte herstellten, welche die Bevölkerungsmoral stärkten, etwas großzügiger), aber Anfang der 70er war eben doch Schluss und es wurde ein VEB daraus gemacht.

Nach der Wende übernahm der ehemalige Eigentümer wieder die Brauerei, verkaufte jedoch Anfang der Zweitausender an einen Großkonzern (genauer gesagt: Holsten/Carlsberg). Dieser wiederum wollte Landskron nach wenigen Jahren wieder loswerden. Es fanden sich in letzter Minute aber noch zwei willige Investoren, nämlich das Unternehmerpaar Lohbeck. In deren Hand ist die Firma auch heute noch.

Die Produktpalette ist recht groß und umfasst neben Klassikern wie verschiedenen Bockbieren, Pils, Lager und Weizen auch eine "Gourmetserie", in der mit verschiedenen Fasslagerungen und exotischen Hefestämmen experimentiert wird. Das heute probierte Schwarzbier ist nach einem ehemaligen Braumeister aus Cottbus benannt und wird sowohl in Gebinden von einem halben Liter, als auch in kleinen Flaschen angeboten. Es hat nur einen geringen Alkoholgehalt und wird mit Süßstoffen hergestellt, wodurch es kalorienarm werden soll. Das stimmt mich nicht gerade hoffnungsfroh, denn von Süßstoffen im Bier halte ich normalerweise eigentlich nichts. Aber schauen wir mal.

Sonntag, 1. Juli 2018

Prêt à Porter: drei kleine Schwarze aus den Niederlanden

Über zwei der drei heute vertretenen Brauereien haben wir schon einmal etwas geschrieben: ich selbst vor recht langer Zeit über Jopen aus Haarlem. Seit damals ist die Brauerei rasant gewachsen: im Jahr 2012 war man gerade in eine neue Braustätte umgezogen; seitdem ist eine weitere Produktionsanlage in einem lokalen Gewerbegebiet entstanden, komplett mit Restauration und allem Zipp und Zapp. Das heute vorgestellte Oost-Indie Porter ist eine Hommage an die Biere, die von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) einst in die niederländischen Überseebesitzungen gebracht wurde.

Von Lowlander aus Amsterdam hatte Jan vor ein paar Wochen noch etwas im Programm. Eigentlich passt dieses Po(o)rter sehr gut in die Reihe mit dem von Jopen, denn beide werden in derselben Anlage hergestellt. Wie bei Lowlander üblich wird das Bier mit Botanicals gebraut, in diesem Falle Süßholz und Vanille.

Schließlich haben wir noch Baxbier aus Groningen- hier im Blog ein Newcomer. Irgendwo in einem unserer Kühlschränke wartet noch ein anderes ihrer Biere auf seine Verkostung, es wird also nicht bei einer flüchtigen Bekanntschaft bleiben. Laut Information auf Facebook gerade mal erst vier Jahre alt, ansonsten ist ohne längere Recherche wenig über die Geschichte der Firma zu finden. Das Koudvuur ist nur eines von mehreren dunklen Bieren der Brauerei.


Jopen Oost-Indie Porter (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Export Porter/Baltic Porter, Niederlande (Nordholland).

Sonntag, 24. Juni 2018

Steam Brew Imperial IPA vs. Imperial Stout vs. German Red (Eichbaum/Lidl)

Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal einen Beitrag hier drin wegen "Craftbieren" bei Lidl. Damals noch unter dem Handelsnamen "Perlenbacher" bzw. "Maltos". Der Hersteller, die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim, hatte eine seiner eigenen Serien mit einem anderen Etikett versehen und beim Discounter ins Regal gestellt. Seit Anfang diesen Jahres stehen wieder Biere von Eichbaum bei Lidl, aber diesmal mit anderem Namen und - wenn man den Ankündigungen glauben soll - ab jetzt im Dauersortiment. 

Drei verschiedene Sorten von "Craftbieren" (ich tue mich schwer damit, den Begriff hier ohne Anführungszeichen zu setzen, denn die Brauerei ist ein Großproduzent im Südwesten) werden in dieser Serie vorgestellt. Alle drei schickschick und modern im futuristischen Retro-Look aus der Dose. Ich vermute mal, darum wird das Produkt Steam Brew genannt: nicht weil es ein Dampfbier ist, sondern wegen Steampunk. So weit, so hipster. Wenn ich mir die verschiedenen Biere so anschaue, dann  handelt es sich diesmal wohl um regelrechte Auftragsarbeiten. Besonders in Bezug auf die Volumenprozente hat Eichbaum in seinem Standardsortiment nichts ähnliches zu bieten. Für "Craftbier" mit oder ohne Anführungszeichen sind die Dosen übrigens konkurrenzlos günstig: für gerade einmal 0,69 EUR kann sie jeder mitnehmen.




Steam Brew German Red (7,9% Vol.)

Art und Herkunft: Red Ale, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Kupferbraun mit einem leichten Rotstich. Mittlere Krone. Deutliche Röstaromen und eine Andeutung von roten Früchten.

Geschmack: Sehr malzig. Eher dezent röstig, aber stärkere vollreife Frucht. Johannisbeere.

Abgang: Mittel, dumpfig.

Fazit/Tipp: Für mich persönlich etwas zu süßlich-überlagert im Geschmack.

Sonntag, 17. Juni 2018

Hite Pale Lager (4,3% Vol.)

Der große koreanische Getränkekonzern HiteJinro entstand im Jahr 2005 aus der Fusion der Firmen Hite (einer Brauerei, gegründet 1933) und Jinro (einer Destillerie, gegründet 1924). Die beiden wichtigsten Produkte der Firma sind mithin immer noch das Bier sowie der Soju, der koreanische Nationalschnaps, welcher traditionell aus Reis gemacht wurde. Daneben wird aber auch Whisky hergestellt - und zwar durch die schottische Edrington Group (unter anderem Macallan, Cutty Sark) - sowie einige Likörchen usw.

Die Biere, die unter der Marke Hite verkauft werden, sind, wie in vielen Ländern der Welt, nicht ausschließlich mit Gerstenmalz gebraut. Es kommt unter anderem auch Reis zum Einsatz. Dies ist nicht nur in Asien, sondern etwa auch bei den "typisch amerikanischen" Lagerbieren der Fall. Allerdings bietet die Firma ebenfalls Biere an, die deutschen Produkten in punkto Inhaltsstoffen sehr nahe kommen, z.B. das Max. Das heute verkostete Pale Lager ist das Standardbier von Hite und ausschließlich am Mainstream orientiert. Darüberhinaus gibt es aber auch noch ein paar andere Bierstile zu probieren, zum Beispiel ein Stout.


Art und Herkunft: Lager, Südkorea (Seoul).

Sonntag, 10. Juni 2018

Zwei Radler aus dem Osten

Ihr habt es eventuell schon gemerkt: wir betreiben hier keinen Fahrrad-Blog. Darum geht es hier auch nicht um zwei Typen aus Ostdeutschland, die Fahrrad fahren, sondern - wie man sich eventuell schon denken konnte - um zwei Biermischgetränke mit Limonade, im Volksmund auch "Radler" genannt. Nördlich der Elbe auch gerne "Alsterwasser"; mein Vater, der viele Jahre in Hamburg lebte, bestand auf diesem Begriff, genauso wie er es hasste, wenn Leute "Samstag" anstelle von "Sonnabend" sagten. Aber ich schweife ab.

Mein Bürokollege war neulich auf Campingurlaub in Brandenburg und hat mir von da zwei "Radler" mitgebracht (das eine stammt direkt aus der Region, das andere aus Sachsen). An und für sich trinke ich nicht sooo gerne Radler, Alster, Tango oder Krefelder - die mir meistens einfach zu süß sind - aber bei den gegenwärtigen Temperaturen mache ich mal eine Ausnahme, vielleicht sind sie ja doch ganz erfrischend.

Feldschlößchen ist noch relativ bekannt, insbesondere natürlich das Pilsner. Die Brauerei wurde 1858 gegründet, war dann in der DDR selbstverständlich nicht Privatbesitz, sondern VEB und gehört seit 2004 zur Carlsberg-Gruppe. Neben den gängigen Sorten (z.B. auch ein Export, ein Alkoholfreies, usw.) gehören wie bei jedem größeren Hersteller heute die Biermixe als fester Bestandteil dazu. Außer dem naturtrüben Radler gibt es noch ein alkoholfreies (why bother?) sowie eines mit Grapefruit.

Kirchers Brauhaus aus Drebkau in der Niederlausitz existiert seit 1870, hieß damals aber noch Schloßbrauerei Drebkau. Seit 1949 befindet sich die Firma (mit Unterbrechungen) im Besitz der Familie Kircher. Lustigerweise gibt es auf der Seite keine Übersicht über die eigenen Biere, aber aus anderen Rezensionen weiß ich, dass es noch mehr als das Gurkenradler (das leider laut Etikett Gurken Radler heißt) gibt, unter anderem natürlich ein Pils, aber auch z.B. ein Dunkelbier. Gurkenradler? Geht das überhaupt? Naja, der nahe gelegene Spreewald ist immerhin Gurkenregion, also deshalb wohl.

Feldschlößchen Naturtrübes Radler (2,5% Vol.)

Art und Herkunft: Biermischgetränk, Deutschland (Sachsen).

Sonntag, 3. Juni 2018

Projekt Braugarten, Teil VIII: Braugarten Pale Ale No. 1 (5,6% Vol.)

Langsam kommt das Projekt an einen Scheideweg. Die Crew ist sich einig; in absehbarer Zeit wollen wir unser Bier auch verkaufen. Da gibt es vorher noch viel zu tun: Genehmigungen sind einzuholen, Steuern zu zahlen, ein Shopsystem einrichten usw. Aber natürlich hauptsächlich mehr Bier brauen. Wir müssen den Kauf einer Anlage ins Auge fassen. Da gibt es schöne Dinger von Polsinelli aus Italien, aber selbst eine kleine kostet über zweitausend Euro. Also noch ein bisschen sparen ...

Aber genug der Zukunftsmusik und zurück zum neuen Bier: etwas typisch Britisches sollte es diesmal werden, ein Pale Ale nach überliefertem Rezept, das wir aber natürlich - wie immer - für unsere Zwecke angepasst haben. Zweierlei Hopfen ist drin: Nordbrauer für die gewisse Bitterkeit sowie East Kent Goldings für die Britishness. Zwei sehr schöne Sorten, die man vielseitig einsetzen kann. Und als Hefe die Safale S-04 von Fermentis, von Anfang an unser Haus- und Hoflieferant für Gärungszwecke.

Nun gut, das Bier sollte fertig sein; schauen wir mal, was daraus geworden ist ...



Art und Herkunft: Pale Ale, Deutschland (Niedersachsen).

Sonntag, 27. Mai 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil III

Endlich mal wieder ein paar Bierchen aus unserem Nachbarland. Vor ein paar Jahren Einheitsplörren-Hölle (Amstel, Grolsch, Heineken), ähnlich wie in Deutschland. Mittlerweile finde ich bei jedem Ausflug nach Enschede mindestens jeweils fünf bis sechs neue Biere im Getränkehandel, dessen Regalmeter für Craftbiere auch stetig wachsen. Für zwei Beiträge reicht die letzte Einkaufstour wieder einmal.

Heute haben wir erstmal das BIPA ("Black IPA" von Emelisse). Über die Brauerei selbst hatte ich in der letzten Folge mal einen kurzen Absatz geschrieben. Über das BIPA heißt es von ihrer Seite, es sei nicht besonders zugänglich, sondern ein gewolltes Extrem.

Außerdem gibt es ein IPA von Lowlander aus Amsterdam. Die Kleinstbrauerei spezialisiert sich auf das - in den Niederlanden historisch durchaus etablierte - Brauen mit Botanicals, also mit mazerierten Pflanzenauszügen, wie es bei der Herstellung von Gin traditionell gehandhabt wird. Gebraut wird übrigens auf den Anlagen von Jopen in Haarlem. Zurzeit bietet Lowlander fünf verschiedene Sorten Bier an.

Zuletzt noch das Valk IPA von De Heidebrouwerij aus Ede. Die Brauerei sitzt in der Mannschaftskantine einer ehemaligen Kaserne der niederländischen Streitkräfte und wurde 2012 gegründet. Alle Biere sind nach Tierarten benannt, die in der Region der Ginkelse Heide bzw. im Naturpark Hoge Veluwe vorkommen. Außer dem IPA werden noch einige andere Sorten - vom Pils über das Blond bis hin zum Tripel - gebraut. 



Emelisse BIPA (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: IPA, Niederlande (Zeeland).

Sonntag, 20. Mai 2018

Terrasjes doen in Amsterdam*

Ein Tagesausflug nach Amsterdam mag so manchem etwas übertrieben vorkommen, aber aus dieser Ecke Deutschlands sind es nur etwas mehr als 200 Kilometer, also auch nicht weiter, als wenn man nach Hamburg fährt. Gestern haben wir also (fast) die gesamte Redaktion von Blog Blong Dring nebst Anhang - soweit vorhanden - in einen Kleinbus verfrachtet und sind in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen. Leider gibt es an niederländischen Tankstellen keinerlei Alkoholika zu kaufen, daher mussten alle Passagiere - da auch niemand an entsprechende Bevorratung gedacht hatte - bis zur Ankunft in der niederländischen Hauptstadt "trocken" bleiben.

Es war ein grauer Tag, aber trotzdem bewegten sich, uns mal ausgenommen, gefühlte hunderttausende Touristen durch Amsterdam. Wir hatten gottlob kein festes Besuchsprogramm aufgestellt, sondern rannten erst einmal wild durch die Gegend und suchten ein Ziel, zu dem wir rennen konnten.

Erster richtiger Zwischenstopp (nach dem obligatorischen Durstlöschen) war die Brauerei De Prael am Oudezijds Voorburgwal 30. Genauer befinden sich dort die Brauanlage und der Werksverkauf; das dazugehörige Lokal ist eine Querstraße weiter links im Oudezijds Armsteeg 26. De Prael ist nicht nur irgendeine beliebige weitere Craftbrauerei, sondern gleichzeitig ein soziales Projekt, dessen wichtigstes Anliegen es ist, "Menschen mit großem Abstand zum Arbeitsmarkt" (so die Firma) wieder die Möglichkeit zu geben, produktiv zu sein. Daher gab es seit dem Beginn vor 13 Jahren auch Unterstützung von verschiedenen großen sozialen Stiftungen der Niederlande. Alles in allem also auch etwas, was man guten Gewissens unterstützen kann und sollte. Neben den genannten Lokalitäten gibt es auch eine ganz neue Gaststätte samt Brauerei im Hafengebiet von Amsterdam sowie eine Niederlassung in Den Haag. Im festen Programm sind zurzeit elf Biere sowie einige saisonale Spezialitäten, von denen man die meisten auch im Proeflokaal testen kann (Essen gibt es auch). Das Milkstout und das Liquid Bacon riefen keine besondere Begeisterung bei uns hervor. Das Johnny (ein Bier, welches an ein kräftiges deutsches Pils erinnern soll) sowie das nach englischer Art gebraute Mild Ale waren allerdings schon sehr viel bekömmlicher.


Sonntag, 13. Mai 2018

Cardhu Special Cask Reserve (Batch 13.15) NAS (40% Vol.)

Die Brennerei Cardhu (oder auch früher Cardow) war unter den ersten, die nach der großen Steuerreform von 1823 "legal" wurden, obwohl man ihrem Gründer John Cumming nachsagte, schon einige Zeit vorher als Schwarzbrenner aktiv gewesen zu sein. Heute gehört die Brennerei zu Diageo und somit zur Classic Malts Selection des Hauses. Der Whisky ist einer der Lead Malts von Johnnie Walker.

Cardhu bzw. Diageo lösten im Jahre 2003 einen Shitstorm unter den Whiskynerds aus. Der Grund? In Spanien und Portugal gab es einen Run auf den Single Malt, der mit seiner süßen Geschmeidigkeit den dortigen Trinkpräferenzen entgegenkommt. Das nahm derartige Ausmaße an, dass Diageo fürchten musste, dass die Vorräte (die sie ja vornehmlich für den Johnnie Walker brauchten) zu Ende gehen würden. Was also tun? Ganz einfach: man brachte einen Blended Malt (Vatted Malt) unter dem Namen Cardhu Pure Malt auf den Markt, stufte die Marke also mehr oder weniger stillschweigend herunter. Nach etwa zwei Jahren heftigster Proteste der Maltheads (von der Scotch Whisky Association ganz zu schweigen) musste die Mutterfirma einen Rückzieher machen und seitdem ist Cardhu wieder ein Single Malt. Dieser Vorfall war der Grund dafür, dass Bezeichnungen wie Pure Malt heute innerhalb der SWA verboten sind und die Bezeichnung Blended Malt für einen Verschnitt von Single Malts aus verschiedenen Destillerien vorgeschrieben ist.

Cardhu gibt es heute in den Altersklassen 12, 15 und 18 sowie in zwei Abfüllungen ohne Altersangabe, Gold Reserve und Amber Rock. Die heute verkostete Special Cask Reserve (in "sehr alten Fässern" gelagert) scheint langsam ausgelistet zu werden. Im Handel kostet eine Flasche zurzeit um die 35,- EUR.


Art und Herkunft: Single Malt, Speyside (Central)

Sonntag, 6. Mai 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVII: Klosterhof Helles vs. Pils vs. Dunkles

Die Brauerei zum Klosterhof aus der Heidelberger Region haben wir hier im Blog schon einmal besprochen, allerdings auch schon wieder vor guten drei Jahren. Tom und Plattfuss und ich hatten damals den Hopfenfuchs, eine saisonale Spezialität, im Glas. Mit durchaus gemischten Gefühlen, wie ich mich erinnere. Seitdem hat sich einiges getan in der Brauerei: den Hopfenfuchs gibt es immer noch, aber es sind doch einige neue Spezialitäten hinzugekommen - unter anderem das HeidALEBerg (chrchrchrchr), ein "Red Summer Ale" sowie die Reihe Siegelbier, welche in Eichenfässern (Sherry, Whisky, Brandy, Barrique) nachreift.

Heute probieren wir allerdings drei Brot-und-Butter-Biere oder auch "Klassiker", wie Klosterhof schreibt. Es sind ein Helles, ein Pilsner und ein Dunkles, und praktischerweise haben sie alle dieselbe Schlagzahl. Gestiftet haben sie Freunde, die in der Nähe von Heidelberg wohnen, denn Klosterhof ist fast ausschließlich regional verfügbar.



Klosterhof Helles (4,9% Vol.)

Art und Herkunft: Helles, Deutschland (Baden-Württemberg).

Besonderheiten: die Klosterhofer Biere werden mit "Biozutaten" gebraut.

Aussehen und Aroma: Hellgelb, leicht trüb, kleine und feste Krone. Frischer Geruch. Hefezopf, leicht zitronig.

Geschmack: Spritzig auf der Zunge, aber wenig zu erschmecken. Feine Hefe, leichter Geschmack. Etwas Getreide.

Abgang: Kurz.

Fazit/Tipp: Ein sehr typisches "Helles" ohne bleibende Eindrücke, dafür allerdings naturgemäß sehr leicht trinkbar.

Sonntag, 29. April 2018

Speymhor NAS (40% Vol.)

Für den heutigen Beitrag habe ich - bescheiden gesprochen - etwas Detektivarbeit geleistet. Zuerst dachte ich, Speymhor sei eine Handelsmarke von Aldi, weil er dort vor ein paar Wochen angeboten wurde und weil als deutscher Vertrieb die Lobuschkellerei (BORCO) genannt wird. Als Hersteller wird eine Speymhor Distillers Company (SDC) angegeben, in der 148 Terregles Avenue in Glasgow, einem unauffälligen Wohngebiet. Ein Blick ins Handelsregister von Schottland deutet ganz klar auf eine Briefkastenfirma hin. Aber: die SDC teilt sich die Adresse mit Glasgow Whisky, einer Firma, die Gesicht und Webseite besitzt. Und was findet sich in deren Portfolio? Ganz recht: Speymhor. Und zwar mehr als nur eine einzige Abfüllung. Gut, Glasgow Whisky wirbt damit, dass sie auch Whisky "nach Kundenwunsch" verschneiden, aber sowohl Speymhor (Bastard Malts) als auch einige andere Produkte (The Munros - unabhängige Abfüllungen benannter Brennereien und Cailleach - ebenfalls Bastard Malts) sind echte "Aushängeschilder" der Firma.

Darüber hinaus werden noch einige mehr oder weniger obskurer Blends (z.B. Highland Cup und Strathallan, übrigens beide mit eigener Facebookseite) hergestellt.

Der von Aldi offerierte Speymhor ist die Basisvariante ohne Altersangabe auf der Flasche. Laut Glasgow Whisky selbst ist es aber ein Dreijähriger. Er war Ende März für 14,99 zu haben. Als Dreingabe fand sich ein Rechtschreibfehler auf der Rückseite der Flasche ("... aufgrund ihres einzigartigen Charakters und Charms"). Laut Glasgow Whisky kommt dieser Malt aus der Region Perthshire, wo es zurzeit "nur" acht Distillerien gibt, die als Produzenten überhaupt infrage kämen, nämlich Aberfeldy, Edradour, Blair Athol, Deanston, Dalwhinnie, Strathearn, Glenturret und Tullibardine. Hmmm. Letztere wäre aufgrund von Ausstoß und Positionierung z.B. eine mögliche Kandidatin, aber wer weiß.


Art und Herkunft: Single Malt, Highlands

Sonntag, 22. April 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXVI: Lindemans Pecheresse (2,5% Vol.)

Über die Brauerei Lindemans und ihr Verhältnis zur Tradition habe ich schon öfter mal etwas verlautbaren lassen, unter anderem hier und hier. Heute ist mal eines (wenn nicht das) ihrer süßesten und kommerziellsten Biere auf dem Prüfstand: das Pecheresse. Es ist nur sehr schwach alkoholisch (zusammen mit dem Framboise das alkoholärmste aller mir bekannten Lindemans-Produkte) und entsteht aus der Vermischung von einjährigem Lambiek mit 30% Pfirsichsaft. Das Etikett zeigt die Namenspatronin des Bieres, die Pecheresse (pécheresse bedeutet "Sünderin" auf Französisch, gleichzeitig ist pêche das Wort für Pfirsich) in Jugendstilaufmachung. Neulich ist mir übrigens zufällig aufgefallen, dass Lindemans anscheinend bei einer ganzen Reihe seiner Produkte spezielle Etiketten (und auch teilweise Namen) nur für den amerikanischen Markt bereitstellt. Hier in Europa heißt das Pecheresse eben Pecheresse und sieht - auch in Großbritannien - so aus. In den USA heißt es ganz einfach Pêche und sieht so aus. Komisch, oder? 


Art und Herkunft: Lambiek mit Pfirsichsaft, Belgien (Flämisch-Brabant)

Sonntag, 15. April 2018

Aus der Rätselkiste, Teil I: Both Gold NAS (38% Vol.)

Vor ein paar Monaten schleppte Plattfuss einen großen Karton auf unser Redaktionstreffen mit. Er hatte ihn für kleines Geld auf Ebay ersteigert und darin befanden sich recht viele alte bis sehr alte ungeöffnete Miniaturen mit Schnaps bzw. Schnapsresten. Ab und zu wollen wir nun einmal in diese mysteriöse Rätselkiste greifen und schauen, was uns da so erwartet und ob man es noch trinken kann.



Eine lange Lagerung kann Spirituosen ziemlich zusetzen, vor allem wenn man es nicht richtig macht. Ethanol oxidiert, wenn auch sehr langsam. Durch den (niemals perfekt schließenden) Verschluss wird mit der Zeit Luft gezogen bzw. verdunstet der Alkohol. Dadurch verändert sich nicht nur der Füllstand der Flasche, sondern auch der Alkoholgehalt - vom Aroma ganz zu schweigen. Hinzu kommt der Einfall von Tageslicht, außer in Fällen, in denen wirklich ein dunkler Keller zur Verfügung steht. Besonders bedenklich ist die lange Lagerung natürlich, wenn sich in schwachprozentigen Likörchen noch allerlei verderbliche Zutaten (z.B. Sahne) tummeln. Diese Getränke sollte man nicht unbedingt sehr lange aufbewahren, nicht einmal, wenn sie nicht angebrochen sind.

Unser Kistchen umfasst gottlob hauptsächlich Fruchtiges (einen Pimm's habe ich schon gesehen) oder Klares. Unseren Hausregeln entsprechend habe ich mal mit geschlossenen Augen ins Volle gegriffen und die heutige Flasche herausgezogen. Achtunddreißig Umdrehungen hatte sie mal, heute dürften es aber (siehe oben) deutlich weniger sein.

Der Both Gold wird auch heute noch hergestellt (wenn auch "nur" noch mit 36 Volumenprozenten) und auch die ihn produzierende Firma gibt es weiterhin. Die Gebrüder Both GmbH wurde 1886 in Ahrweiler gegründet und war bereits in ihren Ursprüngen Weinbrennerei und -handlung. Als sie 1961 das 75. Firmenjubiläum feierte, hatte sie 130 Festangestellte und 110 Außendienstler (also Handelsvertreter). Irgendwann zwischen 1961 und heute muss die Brennerei aber umgezogen sein, denn als Adresse wird jetzt Goch angegeben. Bekannte Produkte sind u.a. der Lakrizza und ein Kräuterbitter namens Löwentor. Der Both's Old Tom Gin hat aber meines Erachtens mit der Firma nichts zu tun.

Unsere Flasche heute ist gerade noch einmal halbvoll. Auf dem Etikett findet sich die Angabe "Weinbrennerei Gebr. Both GmbH & Co. KG, 5483 (!) Ahrweiler". 

Sonntag, 8. April 2018

Johnnie Walker Double Black NAS (40% Vol.)

Ein Geständnis vorweg, liebe Leserinnen und Leser: Ich bin - bis jetzt - kein großer Freund der Produkte aus dem Hause Johnnie Walker. Vor nun auch schon wieder sechs Jahren hatte ich eine etwas unschöne Begegnung mit dem damaligen Gold Label ("damalig", denn seitdem ist das Portfolio von JW kräftig umgebaut worden), über die ich ausführlich hier im Blog berichtet hatte

Zweitens geht mir  der allgegenwärtige Red Label besonders auf den Keks, wenn ich ihn denn doch einmal trinken muss, weil in der jeweiligen Kneipe neben dem Trio Infernale John, Jack und Jim ansonsten nur Tequila (am besten auch noch der mit Hütchen) oder Doppelkorn zu haben sind. Oder ein deutscher Weinbrand, der seit dreißig Jahren geöffnet im Regal steht. Und drittens nervt mich der Hype, den die "Firma Walker" (eigentlich natürlich Diageo) mit ihren überkandidelten Whiskys im Hochpreissegment betreibt. Das fängt an bei swingenden Flaschen und endet bei der Verzehrempfehlung (zitiert nach der deutschen Webseite) füllen Sie 4,5 cl in ein Glas aus Baccarat-Kristall. Baccarat-Kristall!

Warum also habe ich mir jetzt doch noch eine Flasche zugelegt? Ach, so wirklich kann ich das auch nicht sagen. Wollte ich dem Herren in dem flotten Outfit mit Spazierstock noch eine Chance geben? Oder hoffe ich auf eine positive Überraschung? Wer kennt schon die Abgründe der menschlichen Seele? Ich jedenfalls anscheinend nicht. Ganz ehrlich gesagt liegt es wohl daran, dass der Double Black einer der Whiskys von Johnnie Walker (Johnny Walker liest man übrigens häufig in den Getränkekarten, ist aber trotzdem falsch) ist, über den ich schon relativ häufig Gutes gehört habe. Und er war bei Amazon Prime im Angebot. Darum also.

Nach der großen Unstellung vor ein paar Jahren hat die Marke nun insgesamt drei Segmente, von denen uns heute nur die Reihe Johnnie Walker Colours interessiert, die mit dem oben schon rüde abgefertigten Red Label, welcher laut Werbung am besten wohl in Mixgetränken zu goutieren ist; dem Gold Label Reserve (früher ein Achtzehnjähriger, heute NAS); dem Platinum Label (18 Jahre alt); dem Blue Label (laut Stefan Gabanyi "ein guter Blend zum Preis von zwei sehr guten Single Malts"); dem Green Label, einem Blended Malt aus vier verschiedenen Whiskyregionen sowie schließlich den beiden Black Labels.

Sonntag, 25. März 2018

Springbank 15 J. (46% Vol.)

Man kann nicht behaupten, dass bei uns im Autorenkollektiv Whiskys aus Campbeltown besonders häufig getrunken würden. Ich habe gerade eben noch einmal nachgeschaut: Die letzte (und einzige!) Besprechung eines guten Tropfens aus der Region war schon vor fünf Jahren, als Tom etwas über den Springbank ohne Altersangabe geschrieben hat. Vorher hatte er nochmal einen Artikel über Campeltown und seine Whisky-Historie drin, aber das war es dann auch schon. Auch diesen Test heute hätte es wahrscheinlich nicht gegeben, wenn meine liebe Freundin Kerstin mir nicht zu Weihnachten eine Miniatur (5 cl) des heutigen Whiskys geschenkt hätte.

Was also gibt es Neues bei den Mitchells in Campbeltown? Der lang erwartete 12 Jahre alte Kilkerran ist endlich fertig geworden (na, vor zwei Jahren schon). Ansonsten: Business as usual. Noch immer unterscheidet man im Hause Springbank (Kilkerran gehört zwar ebenfalls zum Familienunternehmen, ist aber eine eigenständige Destillerie, die eigentlich Glengyle heißt) zwischen den drei Marken Hazelburn (nicht torfig), Springbank (dezent torfig) und Longrow (sehr torfig). Der 2013 besprochene CV ist mittlerweile in allen drei Serien aus dem Programm genommen worden. Bei Hazelburn und Springbank ist nun jeweils ein Zehnjähriger der Jüngste, der verfügbar ist, bei Longrow ein NAS. Ansonsten ist der Umfang der verschiedenen produzierten Whiskys überschaubar; das geht maximal bis 21 Jahre hoch (Springbank). Für den heute verkosteten Fünfzehnjährigen muss man bei einer großen Flasche um die 60,- EUR rechnen, mit Tendenz nach oben.

Art und Herkunft: Single Malt, Campbeltown.

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Von satter Bernsteinfarbe. Macht im Glas einen recht öligen Eindruck. Sehr deutliches Holzfass. Warme, süße Töne. Eingelegte Rosinen. Möbel aus Kiefernholz. Kompott und ein Hauch von Seeluft. Eventuell ein bisschen Schokolade?

Sonntag, 18. März 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXV: Hobsons Postman's Knock (4,8% Vol.)

Na also. Das ist heute das letzte Bier vom Einkauf in Enschede vor vielen, vielen Wochen. Gut, dass zu Ostern der nächste ansteht ... 😊 Dann hol ich mir aber mal wieder ein paar IPAs oder sowas.

Hobsons ist eine relativ alte Craftbrauerei in Cleobury Mortimer (ja, das Städtchen heißt wirklich so und sieht übrigens ent-zück-end aus). Sie geht zurück auf das Jahr 1993, als Nick Davis und sein Vater Jim (der damals eine Kneipe betrieb) auf die Idee kamen, selber Bier herzustellen anstatt es immer bei irgendwelchen Brauereien einzukaufen. Nick gibt den derzeitigen Ausstoß mit etwa 200 barrel (bbl) pro Woche an, das sind im Jahr also etwa ... 15.000 Hektoliter, wenn ich richtig umgerechnet habe. Naja, das ist tatsächlich recht überschaubar. Die Biere sind auch wirklich hauptsächlich lokal und regional verfügbar, insofern ist es schon ein gutes Stück Glück, dass wir eins gefunden haben.



Insgesamt hat die Brauerei momentan zwölf Biere im Angebot, wovon allerdings nicht jedes (z.B. das Postman's Plum Porter) zu jeder Zeit erhältlich ist. Die meisten Biere sind nach irgendwelchen Ereignissen oder Personen aus der Gegend um Cleobury Mortimer genannt, diejenigen mit dem Namen Postman etwa nach einem Schriftsteller namens Simon Evans, der gleichzeitig als Postbote arbeitete. Das heute besprochene Postman's Knock soll insbesondere dunkle, süße und geröstete Aromen bereithalten. Verwendet wurden Hopfen der Sorten Fuggles und Goldings.

Art und Herkunft: Porter, England (Shropshire).

Besonderheiten: Mit Vanilleschoten aus Madagaskar.

Aussehen und Aroma: Dunkelbraun mit einem leichten Rotstich. Die Schaumkrone ist sehr flüchtig. Nur ganz dezente Röstaromen, ansonsten leicht metallisch im Geruch. Sonst wenig in der Nase.

Geschmack: Wie zu erwarten recht malzig. Weniger süß als gedacht. Deutlicher Einschlag von Kaffee und dunkler Schokolade.

Abgang: Kurz und eher trocken.

Fazit/Tipp: Ein vergleichsweise leicht zu trinkendes Porter ohne besondere Höhen oder Tiefen. Vom Alkoholgehalt her ebenfalls gut zu verkraften.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. März 2018.

- Euer Jan B.


Sonntag, 11. März 2018

Ben Nevis 10 J. (46% Vol.)

Etwas mehr als fünf Jahre ist es nun schon her, dass wir hier an dieser Stelle - ich will nicht sagen: überhaupt - einen Ben Nevis im Glas hatten. Damals war es ebenfalls ein Zehnjähriger, in der Abfüllung der C&S Dram Collection. Schade eigentlich, aber irgendwie sieht man ihn auch meistens nur online und nur selten, wenn nicht nie, hierzulande im Supermarktregal. Wenn ich den alten Artikel durchlese, dann hat uns der Unabhängige damals recht gut gefallen. Unser Whisky hier war jedenfalls im Angebot, knapp über 40,- EUR, wenn ich mich recht erinnere.

Im Vorfeld habe ich schon ein paar andere Rezensionen gelesen, und anscheinend gehen manche Kollegen davon aus, dass es sich bei der unten abgebildeten und heute besprochenen Flasche um eine unabhängige Abfüllung einer Firma MacDonald's (manchmal auch McDonald's geschrieben) handelt. Das ist aber falsch. Es handelt sich hier um die offizielle Brennereiabfüllung, die auch auf deren Webpräsenz verkauft wird. Das MacDonald's ist ein traditioneller Zusatz zum Markennamen und verweist auf den Gründer der Destillerie, "Long" John MacDonald (1798-1856), der übrigens so genannt wurde, weil er für die damalige Zeit extrem groß gewachsen war (nach einigen Quellen gut 196 Zentimeter). Ansonsten ist die aktuelle Produktpalette der Originalabfüllungen überschaubar; neben dem Zehnjährigen gibt es noch einen Single Malt (Traditional genannt) ohne Altersangabe, einen achtjährigen Blended Malt namens MacDonald's Glencoe sowie verschiedene Blended Scotches unter dem Namen Dew of Ben Nevis (u.a. einen Zwölfjährigen mit besonders hohem Maltanteil).


Art und Herkunft: Single Malt, Highlands (Western)

Sonntag, 4. März 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIV: Broeder Jacob Double Espresso (7,7% Vol.)

Leute, die sich nicht besonders für Bier interessieren bzw. es "einfach nur mal so" trinken (insbesondere mal ein kleines Pils), denken oft - und man kann es ihnen nicht verdenken - wenn sie Etiketten lesen, auf denen z.B. Chocolate oder Espresso Stout steht, dass in dem betreffenden Bier tatsächlich Schokolade oder Kaffee enthalten ist. Dem ist jedoch meistens nicht so, sondern der jeweilige Name soll entweder eine bestimmte Geschmacksassoziation andeuten oder er gibt den Hinweis auf den Röstgrad des verwendeten Malzes ("Chocolate" ist ein sehr, sehr dunkel geröstetes Gerstenmalz).

Nun ja: Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Und so ist das heute verkostete Broeder Jacob Double Espresso tatsächlich ein "Kaffeebier". Die Brauerei Broeder Jacob ist das geistige Kind von Johan Claes, der in seiner Heimatgemeinde Rotselaar (ca. 16.000 Einwohner, historische Wassermühle) die alte Tradition der lokal gebrauten Biere wiederaufleben lassen wollte. Insgesamt gehören zurzeit acht verschiedene Sorten zum Standardportfolio der Kleinbrauerei. Neben sehr traditionellen Sorten wie z.B. einem Tripel und einem Bruin gibt es eben auch noch "Exoten" wie das heutige Kaffeebier oder dessen Stiefbruder, dem Port 9° (ja richtig: mit echtem Portwein ... örks). Der Kaffee für das Double Espresso (Claes' Bruder und Neffe betreiben übrigens eine Kaffeerösterei) stammt aus Guatemala und wird dem Bier während des Brauvorgangs als Aufguss, also nicht als Extrakt, hinzugefügt.


Art und Herkunft: Biermischgetränk (Dubbel und Kaffee), Belgien (Flämisch-Brabant).

Sonntag, 25. Februar 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIII: Rigters WIPA (5,3% Vol.)

Ich hab' mir überlegt, dass ich hier in loser Folge mal die Biere vorstelle, die wir in den letzten Wochen zusammen mit den niederländischen und sonstigen Spezialitäten verkostet haben, aber in keiner der Kategorien so richtig unterbringen konnten, z.B. weil der Bierstil nicht zu den anderen passte. Zumindest sind es alles Biere aus Mikrobrauereien und passen daher hervorragend in unsere Kategorie "kleine Biere".

Die Brauerei Rigters wurde laut Angaben auf ihrer Facebookseite (die eigentliche Webseite wird anscheinend gerade überarbeitet) im Jahr 2011 gegründet. Ganz konkrete Angaben sind leider etwas rar gesät, aber es ist eine noch recht kleine Firma, in der sehr vieles noch per Hand (und mit Hilfe von Freiwilligen - neulich suchten sie Leute, die beim Abfüllen helfen, weil jemand vom Team krank geworden war) gemacht wird ... was ja aber beim Craftbrauen auch ganz normal und erwünscht ist. Kapazität ist zurzeit etwa 1.000 Liter pro Brautag. Im Angebot sind im Moment acht verschiedene Sorten. Wir verkosten heute ein IPA-Weißbier-Hybrid namens White IPA.

Art und Herkunft: "Weißes IPA" (gehopftes Weißbier), Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Sehr große Schaumkrone, ansonsten sieht es aus wie ein Pils. Süßlich bis fruchtige Nase. Banane?  Mango?

Geschmack: Ebenfalls ein süßlicher Antritt. Exotische Früchte: Papaya, Mango, Banane.

Abgang: Kurz und trocken.

Fazit/Tipp: Ein sehr außergewöhnlich schmeckendes, jedoch sehr bekömmliches Bierchen. Kann man den ganzen Abend über trinken. Etwas für den Sommer?

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 4. März 2018.

- Euer Jan B.




Sonntag, 18. Februar 2018

Borell-Diehl Williams Christ Brand (42% Vol.)

Kürzlich hatte ich das Glück, etwas Zeit mit Tomas und seiner allerliebsten Frau verbringen zu dürfen. Wir hatten uns zu einem Tagesausflug nach Lingen, im wunderschöne Emsland, verabredet.
Dort angekommen stärkten wir uns mit leckerem Kibbeling auf dem Wochenmarkt; wirklich lecker und ganz frisch vor unseren Augen zubereitet - klasse!
In Lingens Alten Posthalterei nahmen wir noch ein paar uns, mehr oder weniger, unbekannte Biere zu uns. Also, ein ganz normaler Samstagvormittag für BlogBlongDring-Autoren. Beim Schlürfen des zweiten, oder dritten Bieres fiel mir ein, dass ich von einem Wein- und Spirituosenhandel in Lingen gelesen hatte. Schnell Google bemüht und rasch gefunden: Willenbrock. Ein Weinhandel mit drei Filialen (Lingen/Nordhorn/Rheine). Das umfangreiche Sortiment wird mit einer kleinen, aber feinen Auswahl an Spirituosen abgerundet. So fand ich dort auch die Williams Christ Birne aus dem Hause Borell-Diehl. Das sehr familiär geführte Weingut aus Rheinland-Pfalz (Hainfeld) wurde letztes Jahr für seine hervorragenden Weine von Gault & Millau empfohlen. Da ich aber mit Wein schon seit gut zwanzig Jahre durch bin, hab ich mich für zwei Brände entschieden. Das Portfolio gibt noch einiges mehr an Bränden her. Den hier besprochenen Birnen-Brand und für eine Flasche Grappa vom Chardonnay, den ich eventuell später noch bespreche.



Art und Herkunft: Obstbrand, Rheinland-Pflaz

Besonderheiten: 15kg Obst per 0,5l-Flasche.

Aussehen und Aroma: Klar. Sehr fruchtig, fast blumig. Etwa so, wie eine frisch aufgerissene Weingummi-Tüte

Geschmack: Süß und scharf. Der Mundraum füllt sich mit trockener Birne und reichlich Alkokohol.

Abgang: Trocken, sprittig, süß.

Fazit/Tipp: Ein ehrlicher Birnen-Brand der mir zwar mundet, aber dennoch etwas lieblicher sein könnte. Auch etwas mehr "Tiefe" würde ihm gut tun. Einfach mehr Birnenaroma.... etwas erdiger....

Für 12€/0,5l kein Schnäppchen, aber auch nicht überteuert. Die Kernkompetenz des Erzeugers liegt hier wohl eher bei Weinen aller Rebsorten aus Deutschland.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. Februar 2018.

- Euer Plattfuss

Sonntag, 11. Februar 2018

Bock auf Bo(c)kbier, Teil II

So: weiter geht es mit den Bockbieren. Nachdem die in der letzten Woche mich eher weniger begeistert haben, hoffe ich für dieses Mal auf "bessere Zeiten".

Zuerst ein paar Worte über den Außenseiter im Test, den Wildebok aus der Scheldebrouwerij. Kein Niederländer, sondern ein Belgier. Über die Brauerei in der Nähe von Antwerpen hatten wir vor ein paar Jahren schon mal etwas im Blog. So ein bisschen passt sie aber doch in diesen Beitrag, denn sie wurde 1995 in Bergen op Zoom, im niederländischen Nordbrabant, gegründet, ist dann aber später nach Belgien umgezogen. Die Firma selbst nennt ihre Produkte "niederländische Biere in belgischer Verpackung". Das heute vorgestellte Bockbier gehört zu den festen Bestandteilen im Portfolio.

Dann haben wir noch die - etwas gewöhnungsbedürftig benannte - Bird Brewery aus Amsterdam. Gegründet (wie so viele neue Brauprojekte) von zwei Biernerds, Ralph van Bemmel und Rik van den Berg. Die schön gestalteten Etiketten zeigen stets eine andere Vogelart und die Namen der Biere bestehen immer aus dem Namen eben dieser bewussten Vogelart und einem Wortspiel mit deren Namen. Sehr intellektuell - muss man gut finden. Das heutige Bier ist ein "Saisonbier", das heißt, es findet sich nicht im ständigen Sortiment. Der Kauw im Namen ist übrigens die Dohle, wie man auch unschwer am Bild vornedrauf erkennt. Als Devise haben Rik und Ralph ausgegeben, "normale Biere mit dem besonderen Etwas" zu entwickeln.

Last but not least die Brouwerij Kees, die im schönen Middelburg sitzt. Ein genialer Schachzug, eine niederländische Brauerei "Kees" zu nennen, sollte man meinen. Tatsächlich aber heißt der Inhaber ganz einfach so, genauer gesagt Kees Bubberman. Bubberman startete seine Karriere als Haus- und Hobbybrauer, machte sein Hobby dann irgendwann zum Beruf und begann als Braumeister bei Emelisse. Nach ein paar Jahren wollte er dann doch etwas Eigenes haben und - presto! Kees hat ziemlich viele Biere im Angebot, auch die gerade so hippen Fassnachreifungen, und auch bei ihm gehört das Bockbier "nur" zu den jahreszeitlichen Angeboten.

Sonntag, 4. Februar 2018

Bock auf Bo(c)kbier, Teil I

Ich bin eigentlich derjenige in unserem Bloggerkollektiv, der nicht über Bockbier schreiben sollte, weil es sich dabei um einen Bierstil handelt, den ich gar nicht so besonders gerne mag. Viele Bockbiere sind mir persönlich zu süßlich und zu malzig, wo ich es doch eigentlich eher herb und hopfig mag. Aber okay, es geht ja nicht immer nur um persönliche Vorlieben; ich tue also mein Bestes. Beim Verkosten war ich ja auch gottlob nicht alleine: Plattfuss hatte zum ersten Mal seit einiger Zeit in seine Wohnung eingeladen, wo er uns die Bierchen eines nach dem anderen servierte.

Die meisten der heute und nächste vorgestellten Biere hatte er beim letzten Besuch in Enschede gekauft. Dementsprechend sind es (mit einer Ausnahme) auch echt niederländische Produkte. Für diejenigen, die es noch nicht wussten: die Niederlande sind Bockbierland. Tja, bis vor kurzem war mir das auch noch nicht so wirklich klar, aber man hat mir glaubhaft versichert, dass dieser Bierstil derjenige ist, der unseren westlichen Nachbarn am meisten am Herzen liegt und den sie als den ihren betrachten. Was natürlich nicht bedeutet, dass Bockbiere unbedingt den höchsten Marktanteil hätten - da seien Grolsch, Heineken und Amstel vor. Die in Deutschland beliebten hellen Frühlingsböcke (vulgo "Maibock") haben sich in den Niederlanden noch nicht durchgesetzt, dafür hat man seine ganz eigenen Akzente auf dem Gebiet der dunklen Böcke und Doppelböcke gesetzt, unter anderem durch das Verwenden anderer als der traditionellen Rohstoffe, z.B. Weizen.

Der Übersichtlichkeit halber teile ich die Besprechung mal wieder in zwei Teile: diese Woche drei Bierchen und nächste Woche drei Bierchen, ganz demokratisch.

Da haben wir zunächst für heute mal zwei Biere aus dem Hause Bronckhorster. Die Firma wurde 2010 gegründet und war das Ergebnis einer Liebesgeschichte: niederländisches Mädchen trifft englischen Jungen; englischer Junge macht sich in der Heimat seiner Freundin (später seiner Frau) als Maler selbstständig und verdient gutes Geld. Irgendwann beschließt er eine Ausbildung zum Brauer anzufangen. Als er damit fertig ist, eröffnen er und seine Frau die Brauerei. Diese hieß am Anfang übrigens noch Rodenburg; nach gut drei Jahren auf dem Markt wurde umfirmiert. Neben den Standards im Sortiment wird ab und zu auch noch experimentiert, unter anderem mit dem gerade hippen Barrel Aging.

Außerdem in dieser Woche noch dabei: Der Herbstbock von Dampegheest. Kapazität heute etwa 800 Hektoliter pro Jahr. "Richtig" in Betrieb auch seit Beginn der 2000er, vorher lange Jahre ein reines Haus- und Hobbybrauprojekt. Ach ja, wie gut ich das Gefühl kenne ...